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Apps World: Vorsicht vor Abzocke per Spam-Welle

Apps World Ltd. mit Sitz in London verschickt derzeit per E-Mail massenhaft Rechnungen wegen angeblich abgeschlossener Abonnements für eine App-Flat für Handys. Onlinekosten.de hakte nach und bat auch die Verbraucherzentrale NRW um Rat.

29.01.2011, 09:01 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Auch 2011 werden Online-Abzocker offenbar nicht müde, Verbraucher mit Spam-Mails zur Zahlung von angeblich abgeschlossenen Abonnements aufzufordern. Dabei hatte das Oberlandesgericht Frankfurt erst kürzlich Abo-Fallen im Internet als gewerbsmäßigen Betrug eingestuft. Seit Anfang Januar schwappt nun eine Welle von E-Mails einer Firma namens Apps World Ltd. mit Sitz in London durchs Internet. Darin werden die verdutzten Verbraucher über den angeblichen Abschluss eines Abonnements für den Zugang zur Webseite my-appsland.de oder zur Webseite xxxadultapps24.com informiert. Als Mail-Anhang ist ein PDF-Dokument mit einem "Angebot/Rechnung" beigefügt. Der "All App Zugang Lifetime Update" wird mit einmalig 39 Euro berechnet. Onlinekosten.de liegen entsprechende E-Mails von Apps World vor. In diversen Onlineforen und auf Verbraucherschutz spezialisierten Webseiten wie beispielsweise computerbetrug.de finden sich Warnungen vor diesen E-Mails. Wie sollen sich verunsicherte Verbraucher verhalten? Wir fragten bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nach.

Webseitenbetreiber sitzt auf den Seychellen

Beim ersten Blick auf die "Rechnung" fällt auf, dass als Anschrift häufig veraltete Adressdaten des "Kunden" benutzt werden. Dies lässt darauf schließen, dass Apps World Datenbestände mit älteren Adressdaten gekauft hat. Die Anmeldung des Kunden soll über das WAP-Portal per Handy erfolgt sein, die IP-Adresse sei gespeichert. Der geforderte Betrag soll innerhalb von fünf Tagen auf ein Konto bei der bayerischen Wirecard Bank eingezahlt werden, das Unternehmen selbst sitzt aber angeblich in der Arcadia Avenue 34 in London. Der Aufruf der Webseite my-appsland.de leitet direkt auf die Internetseite top-apps24.com um. Insgesamt sind offenbar etliche weitere Domains registriert worden. Die Nutzungsbedingungen von top-apps24.com sehen ein monatliches Abonnement von acht Euro vor, das widerspricht der Rechnungsforderung. Ein Blick ins Impressum von top-apps24.com weist eine R.A.S.T GmbH mit Sitz auf den Seychellen als Seitenbetreiber auf.

Dubioses Firmengeflecht

Registriert hat die Domains ein Rainer Staschik aus Hannover. Eine Staschik UG ist auf der Rechnung für my-appsland.de auch als Kontoinhaber genannt. Bei der Variante mit dem Porno App Zugang für xxxadultapps24.com tritt dagegen eine M.Lareyea UG als Kontoinhaber auf. Eine Telefonnummer ist auf einer Rechnung ebenfalls angegeben. Es handelt sich um eine von dem Düsseldorfer VoIP-Anbieter sipgate vergebene Rufnummer, telefonisch erreichbar ist Apps World Ltd. nach eigenen Angaben aber nur Montags bis Freitags von 15 bis 18 Uhr. Diese ganzen Informationen zeichnen ein mehr als unseriöses Bild von Apps World. Doch wie sollten sich Empfänger dieser E-Mails verhalten?

Verbraucherzentrale NRW:
Unberechtigte Forderungen nicht zahlen

Ein Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärte auf Anfrage von onlinekosten.de, dass aktuell noch keine offizielle Warnung der Verbraucherschützer vor diesem Anbieter vorliegt. Dennoch ist das Muster des Vorgehens bekannt. Im vergangenen Herbst hatte onlinekosten.de zum Beispiel über die Spam-Welle um die Young Card-Kreditkarte berichtet. Nach Auskunft der Verbraucherzentrale sollten Verbraucher Rechnungsbeträge grundsätzlich nicht ungeprüft zahlen. Erhalten sie unberechtigte Rechnungen von dubiosen Anbietern, sollten Verbraucher auf keinen Fall zahlen. Forderungen kann mit einem Musterbrief der Verbraucherzentrale widersprochen werden. Damit sicherten sich Verbraucher juristisch für ein eventuell folgendes Gerichtsverfahren ab. Von eventuell eintreffenden Mahnschreiben und Inkassoschreiben sollten sich Verbraucher nicht unter Druck setzen lassen. Erst bei einem gerichtlichen Mahnbescheid müssen die Betroffenen handeln und spätestens hier schriftlich Widerspruch einlegen. Kaum einer der Anbieter wagt jedoch laut Verbraucherzentrale den Gang vor Gericht.

Am Freitag veröffentlichte die Verbraucherzentrale Sachsen schließlich eine Warnung vor Apps World. "Hier wird wohl wieder einmal ein plumper Versuch unternommen, Verbraucher ohne Anlass zu einer Zahlung auf Konten dubioser Empfänger zu bewegen", so die Vermutung von Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Diesem dreisten und haltlosen Vorgehen der Firma sollte man selbst mit eiskalter Schulter begegnen und keinesfalls Zahlungen leisten", so Henschler weiter.

(Jörg Schamberg)

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