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Apples HealthKit: Mediziner sehen Gesundheits-Plattform (noch) kritisch

Mit Apples HealthKit soll das Smartphone zum persönlichen Gesundheits-Assistenten werden. Ärzte sehen die Entwicklung kritisch: Die ständige Überwachung oder die falsche Interpretation der Daten birgt auch Gefahren.

28.08.2014, 15:31 Uhr
Apple© Apple

Das auf der WWDC vorgestellte HealthKit von Apple für iOS 8 ist eine spannende Entwicklung. Nun haben zwei Ärzte aber ihre Bedenken gegenüber dem Forbes Magazin geäußert. Mit der Plattform HealthKit will Apple eine zentrale Verwaltung für Fitness- und Gesundheitsdaten schaffen, auch andere App-Hersteller sollen auf diese Schnittstelle zugreifen können.

Zweifel an Genauigkeit der Daten

Dr. Dushan Gunasekera, Besitzer einer Praxis in der Londoner myHealthCare Klink, sieht ein Problem mit der angeblichen Genauigkeit der übermittelten Daten, sei es der Blutdruck oder der Blutzuckerspiegel. So lange dieses Problem nicht gelöst wird, ist es laut Gunasekera unwahrscheinlich, das ein Arzt nach dem Blick auf das Smartphone eine Diagnose stellen kann.

Dr. Rakesh Kapila, Mediziner an der South Kensington Klinik stimmt dem zu. Die App müsste individuell für den Patient programmiert werden, um den persönlichen Grenzen gerecht zu werden. So hat ein Athlet nach Angaben von Kapila einen Ruhepuls von 40 Schlägen in der Minute. Dies wäre für einen Großteil der Leute aber ein abnormer Wert: Das Auslesen der Rohdaten lässt also keine Rückschlüsse auf den medizinischen Zustand des Patienten zu.

Ein weiteres Problem sehen die beiden Ärzte bei der Psyche: Ob eine ständige Überwachung der Gesundheit, die Nutzer eher beruhigt oder gar paranoid machen kann, hängt wesentlich von der korrekten Interpretation der Daten ab.

Kann Arzt nicht ersetzen

In diesem Zusammenhang sieht Gunasekera Apple in der Verantwortung, klar zu kommunizieren, dass HealthKit nicht den Gang zum Arzt erspart: "Die Technologie ist mit Sicherheit noch nicht an dem Punkt, wo sie einen echten Doktor ersetzen kann." Auch der Datenschutz spiele eine wichtige Rolle: Wem die Daten gehören, müsse wohlüberlegt sein.

Gunasekera sieht aber auch die positiven Aspekte: So könne HealthKit das Leben von Diabetes-Patienten deutlich erleichtern, zudem sei eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung auch bei Schwangerschaften denkbar. Kapila sieht zudem Einsatzpotential bei Patienten mit COPD, Asthma oder Schlafapnoe.

HealthKit soll für das iPhone 4S, das iPhone 5, den iPod touch, und für iPads ab der zweiten Generation erscheinen. Im Zentrum steht aber eindeutig das iPhone 6, dass über eine Reihe neuer Sensoren verfügen soll und somit die genauste Überwachung bietet.

(Marcel Petritz)

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