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Apple: Was ist mit den Macbooks los?

Apples Notebooks waren optisch und technisch immer einen Schritt voraus. Auch bei den Macbooks mit Intel-Prozessor sollte das so sein. Diese übertreffen die Konkurrenz aber eher im Bereich "Fehleranfälligkeit".

29.09.2006, 08:01 Uhr
Apple© Apple

Es ist ein unangenehmes Geräusch, das sich irgendwo aus den Tiefen des Macbook-Gehäuses erhebt. Es hört sich an wie Grillenzirpen, manchmal wie ein Knistern oder wie Elektronik kurz vor einem Kurzschluss. Manchmal wird das Geräusch vom kurzen Aufheulen des Lüfters übertönt. Es riecht nach heiß gewordener Elektronik. Dann ist plötzlich Totenstille: Das Macbook hat sich ohne Vorwarnung ausgeschaltet.
Neue Macs mit Fehler-Bonus
Apple-Kunden haben es zurzeit sehr schwer mit ihren neuen Apple-Notebooks mit Intel Core-Duo-Prozessor: Störgeräusche und Ausschalten wie von Geisterhand, zu laute Lüfter und gemessene Prozessor-Temperaturen von bis zu 90 Grad Celsius sind die Probleme, von denen Anwender seit der Vorstellung der Macbook Pros im Januar und der Macbooks im Mai 2006 berichten.
Der Umstieg auf Intel-Prozessoren – ansonsten allgemein als vernünftig empfunden – verschafft Apple ein massives Qualitätsproblem. Beim Intel-Umstieg hat Apple dem Powerbook und dem iBook ein neues Design verpasst und sie mit einem neuen Namen versehen: Aus dem iBook wurde das Macbook, aus dem Powerbook das Macbook Pro. Auf den ersten Blick handelt es sich um Traumgeräte: Statt der altersschwachen PowerPC G4-Prozessoren arbeitet im Inneren ein moderner Intel Core-Duo-Prozessor mit mindestens 1,83 Gigahertz und zwei Kernen. Die Haptik wurde gegenüber den PowerPC-Modellen verbessert und neben Mac OS X lässt sich mit dem Apple-Tool Boot Camp auch Windows nativ auf den Rechnern betreiben. Der kompromisslose Fortschritt, ein Traum in Alu und Plastik.
Heiße Laptops
Doch die Freude über die neue, von Apple bislang nicht gekannte Geschwindigkeit wich schnell der Ernüchterung: Störgeräusche und Hitzeprobleme machen sowohl dem Macbook, als auch dem Macbook Pro zu schaffen. Besonders die Hitze ist für zahlreiche Anwender ein Problem: "Auf der linken Seite kann man bei den aktuellen Temperaturen Eier braten", beschreibt Macbook-Nutzer "FReitag" das Hitzeproblem im Mediengestalter-Forum. Die Blogosphäre machte aus der Not eine Tugend und briet einfach Eier auf der Unterseite der Books, während Apple reagierte: Der Begriff "Laptop" auf der Apple-Website wurde durch "Notebook" ersetzt. Aufgrund der Hitzeentwicklung ist der Betrieb der kleinen Rechner auf dem Schoß ("Lap") nämlich nicht mehr möglich.
Zuviel Wärmeleitpaste
"Man kann die aktuellen Notebooks von Apple auch als Verhütungsmittel sehen", schreibt Anwender "juniorclub" in ein Apple-Forum, begründet mit der biologischen Tatsache, dass hohe Temperaturen Hoden und Spermien schädigen. Im Fall des Macbook Pro war das Hitzeproblem schnell aufgespürt: Offensichtlich war zu viel Wärmeleitpaste verbaut worden, wodurch sich die Notebooks unnötig erhitzten.
Außerdem war die Lüftersteuerung sowohl bei den Macbooks, als auch bei den Macbook Pros Apple-typisch auf größtmögliche Lautsstärke-Verringerung ausgelegt, mit dem Erfolg, dass die Books eine enorme Hitze entwickelten. Dem Lüfter-Problem wurde per Firmware-Update abgeholfen, bei manchen Macbooks war zudem eine entfernbare Schutzfolie am Lüfter schuld an der Hitzeentwicklung. Die Temperatur pendelte sich bei 50 bis 65 Grad Celsius ein, zum Preis einer höheren Betriebslautstärke.
Geräusche wie zirpende Grillen
Was blieb, war das Fiepen. Und das macht vielen Anwendern zu schaffen. Betroffen sind nach verschiedenen Angaben zwischen fünf und dreißig Prozent der Macbooks und Macbook Pros. Das lästige Geräusch tritt auf, sobald der Prozessor nichts zu tun hat, die genaue Ursache ist rein spekulativ: Zu dicht aneinander verbaute Bauteile, die Interferenzen verursachen oder eine mangelhafte Implementierung des Ruhezustandes für den Prozessor. Apple schweigt sich über die Ursachen des Problems aus und verweist stattdessen auf den eigenen Support. Fakt ist: Betroffene Macbooks lassen sich laut Anwender-Berichten beruhigen, indem die Prozessoren arbeiten oder ein Kern der Doppelkern-Prozessoren abgeschaltet wird. Spezielle Software-Tools wie QuietMBP beschäftigen den Prozessor im Hintergrund und verhindern so das anstrengende Fiepgeräusch, verringern jedoch wegen der dauerhaften Aktivierung des Prozessors auch die Akku-Laufzeit und verschärfen das Hitzeproblem. Im Windows-Betrieb tritt das Fiepen nicht auf.
Totalausfall nach zwei Sekunden
Inzwischen behandelt Apple das Fiepen der Macbook Pros als Hardware-Problem und weist in seiner Knowledge Base darauf hin, sich mit dem Apple-Support in Verbindung zu setzen. In der Regel erfolgt daraufhin ein Hardware-Tausch in Form eines Wechsels des Logic-Boards, wodurch das Fiepen zumindest größtenteils behoben werden soll. Ein leises Geräusch bleibt jedoch, das sich aber in einem tolerierbaren Bereich bewegt.
Die Probleme mit dem Umstieg auf Intel-Prozessoren scheinen also weitgehend behoben. Doch schon zieht weiteres Ungemach auf: "Habe das Problem seit mehreren Tagen auch. Beim Starten geht das Book nach 2 Sekunden bis zu 1-2 Minuten einfach aus. Zack. Dabei ist es noch kalt", berichtet Anwender "Bidone" im Macuser-Forum. Und er ist nicht allein: Zahlreiche Anwender melden sich mit ähnlichen Problemen. Betroffen ist die gesamte Macbook-Reihe ohne "Pro".
Neue Macs mit Fehler-Bonus
Die Ursache für das Problem ist schnell ausgemacht: Beim Design des Mainboards scheint Apple ein Fehler unterlaufen zu sein. Durch die Hitzeentwicklung wird ein ungünstig über die Heatpipe geführtes Kabel im Notebook unnötig erhitzt. Das Resultat ist eine geschmolzene Isolierung, die einen Kurzschluss verursacht. Der schaltet das Notebook auf der Stelle und ohne Vorwarnung aus.
Auch hier hüllt sich Apple in Schweigen über das wahre Ausmaß der Schwierigkeiten. Die Reaktionen im Macuser-Forum deuten jedoch darauf hin, dass es sich um einen Serienfehler handelt. In der Apple-Knowledge-Base verweist Apple auch in solchen Fällen auf den Support. Bei betroffenen Books werden die entsprechenden Kabel samt der Heatpipe auf Garantie ausgetauscht.
Auf Nachfrage, woher die Probleme mit den Macbooks stammen und wie hoch der Anteil der betroffenen Geräte sei, antwortete Frank Limbacher, Sprecher von Apple: "Wenn ein Anwender einen Defekt bei seinem Mac vermutet, sollte er sich an die AppleCare-Hotline wenden, um mögliche Ursachen zu analysieren und das weitere Vorgehen abzustimmen." Trotz intensiver Nachfrage wird von Apple nur auf die Hotline (01805 009 433) und den Apple-Support verwiesen und zwar bei allen Problemen mit sämtlichen Macs.
Apple schweigt sich aus
Über das wahre Ausmaß der Schwierigkeiten lässt sich also nur spekulieren. Allerdings berichten Macbook-Anwender in verschiedenen Foren über Austausch-Zeiten von mehreren Wochen und Lieferengpässen beim Macbook und Macbook Pro. Somit liegt nahe, dass Apple zurzeit mit einer riesigen Welle von Garantieabwicklungen zu kämpfen hat, werden Garantiefälle doch normalerweise schneller abgewickelt.
Klammheimlich überarbeitet?
Hitze, Geräusche und geschmolzene Kabel: Die Macbook-Modellreihe verfügt über zahlreiche Kinderkrankheiten, die Apple offensichtlich unangenehm sind. Interessanterweise haben die ebenfalls im Lauf des Jahres 2006 eingeführten Desktop-Rechner mit Intel-Technik keinerlei vergleichbare Probleme. Zwar gibt es auch hier hin und wieder Reklamationen, wie ein Mitarbeiter von Gravis versicherte, ein bestimmter Fehlertyp lässt sich jedoch nicht nachweisen.
Für Apple gilt es also, nachzubessern. Denn bereits jetzt sind viele Macbook-Käufer skeptisch, sich nicht ein vollständig fehlerhaftes Gerät ins Haus zu holen. Diese Kunden beruhigt Apple-Sprecher Limbacher jedoch: "Mir sind keine Probleme mit aktuellen Geräten bekannt." Offensichtlich hat Apple klammheimlich bei den aktuell produzierten Geräten nachgebessert: An Macbooks ab der 35. Produktionswoche soll der Fehler behoben sein, allerdings ohne offizielle Bestätigung.

(Christian Rentrop)

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