News

Apple: Neues Rekordergebnis enttäuscht Börsianer

Apple legte zwei Wochen nach dem Tod von Firmengründer Steve Jobs neue Rekordzahlen für das vierte Geschäftsquartal vor. Doch die Börsianer hatten mehr erwartet und sind enttäuscht: Nachbörslich brach der Apple-Aktienkurs um sechs Prozent ein.

19.10.2011, 00:31 Uhr (Quelle: DPA)
Apple© Apple

Die Börsenwelt ist manchmal verrückt: Da gelingt Apple ein neues Rekordergebnis - und die Aktie bricht um 6 Prozent ein. Grund sind die übermäßig hohen Erwartungen, die Apple mit seinen Erfolgen bei den Börsianern geschürt hatte.

Apple kann hohe Erwartungen nicht erfüllen

Die Erfolgsgeschichte von Apple bekommt einen Knacks: Nur zwei Wochen nach dem Tod von Steve Jobs, dem legendären Firmengründer und langjährigen Chef, hat der kalifornische Elektronikkonzern zwar neue Rekordzahlen vorgelegt. Doch zum ersten Mal seit Jahren konnte Apple die hochgesteckten Erwartungen der Börsianer nicht erfüllen. Sie hatten sich an gigantische Zuwächse gewöhnt und wollten nun immer größere Sprünge sehen.

Nach Bekanntwerden der Apple-Zahlen für das vierte Geschäftsquartal von Juli bis September fiel der Kurs nachbörslich um mehr als 6 Prozent. "Ich traue meinen Augen nicht", sagte die Moderatorin des US-Wirtschaftssenders Bloomberg TV am Dienstag, als die Zahlen draußen waren. "Das ist total ungewöhnlich."

Beispiel iPhone-Handy: Von diesem wurde Apple 17,0 Millionen Stück los. Das waren zwar immer noch 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Doch an die hohen Verkaufszahlen des Vorquartals und die hoch gesteckten Erwartungen von bis zu 22 Millionen verkauften Stück kam Apple nicht heran. Viele Kunden hatten scheinbar auf das neue iPhone 4S gewartet, das Apple aber erst jüngst herausgebracht hatte.

Apple steigert Umsatz um 39 Prozent und Gewinn um 54 Prozent

Der neue Konzernchef Tim Cook sprach von einem "sehr starken Abschluss eines außergewöhnlichen Geschäftsjahres 2011". Mit dieser Meinung stand er aber zumindest an der Börse ziemlich alleine da. Auch Umsatz und Gewinn verfehlten die Erwartungen. Dabei stiegen sie deutlich: Der Umsatz kletterte um 39 Prozent auf 28,3 Milliarden Dollar (20,5 Milliarden Euro); der Gewinn stieg um 54 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Im gesamten Jahr verdiente Apple damit knapp 26 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 108,2 Milliarden. Die Vergleichszahlen des Geschäftsjahres davor: 65 Milliarden Dollar Umsatz, 14 Milliarden Dollar Gewinn.

Cook versprach weitere Zuwächse: "Die Rückmeldung der Kunden auf das iPhone 4S war fantastisch, wir gehen mit Volldampf in die Weihnachtszeit und wir bleiben wirklich enthusiastisch, was unsere kommenden Produkte angeht." Welche das sind, verriet Cook nicht. Geheimnisse sind ein Teil des Erfolgs von Apple.

Bereits über vier Millionen iPhone 4S verkauft

Vom iPhone 4S hatte Apple alleine am ersten Wochenende mehr als 4 Millionen Stück verkauft. Es hat gegenüber dem Vorgängermodell unter anderem einen schnelleren Prozessor und eine verbesserte Kamera mit 8 Megapixeln. "Ich bin überzeugt, dass wir im Dezember-Quartal einen Rekord bei iPhone-Verkäufen aufstellen werden", prophezeit Cook. Zudem untermauerte Apple die Ambitionen mit einer Prognose deutlich über den bisherigen Erwartungen der Analysten: 37 Milliarden Dollar Umsatz und 9,30 Dollar Gewinn pro Aktie. Im abgelaufenen Quartal hatte Apple je Aktie 7,05 Dollar verdient, während die Experten-Schätzung bei 7,39 Dollar lag.

Die Verkäufe des iPad-Tabletrechners stiegen im vierten Geschäftsquartal um 166 Prozent auf 11,1 Millionen Exemplare. Damit setzte Apple seit dem Start im Frühjahr 2010 rund 40 Millionen iPads ab und beherrscht weiterhin das Geschäft mit dieser neuen Geräteklasse. Er glaube, dass auf Dauer der Tablet-Markt größer als der PC-Markt sein werde, betonte Cook. Und Apple werde dabei auf der Gewinnerseite sein: "Manche Menschen ziehen ein iPad einem Mac-Computer vor. Aber ich denke, dass mehr Leute ein iPad einem Windows-PC vorziehen." Vom Mac-Computer wurde Apple 4,9 Millionen Stück los, immerhin 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Einzig die Verkäufe des iPod-Musikspielers gingen weiter um 27 Prozent auf 6,6 Millionen zurück. Viele Leute hören ihre Musik inzwischen lieber über ihr Smartphone.

Bohrende Fragen der Wall-Street-Analysten gab es zu dem Geldberg von Apple, der inzwischen auf über 80 Milliarden Dollar angewachsen ist. Investoren fordern angesichts des überragenden Geschäftserfolgs schon lange eine Dividende oder einen Aktienrückkauf. Doch Apple setzte die Milliarden lieber für Deals mit Zulieferern oder Zukäufe ein. Cook sagte, Apple werde mit dem Geld keine "Dummheiten" machen. "Es brennt kein Loch in unsere Tasche. Zugleich sei es für ihn keine Glaubensfrage, ob Apple die Milliarden auf der hohen Kante hält oder nicht. Man werde das tun, was im Interesse der Firma ist.

Apple hat mit Steve Jobs seinen genialen Kopf verloren

Kopf hinter den Erfolgsprodukten war Steve Jobs. Er stark am 5. Oktober im Alter von Jahren 56 Jahren nach einem langen Krebsleiden. Sein Tod hatte die Fans weltweit erschüttert. Viele legten vor den Apple-Geschäften weltweit Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Auch im Internet gab es eine Welle der Anteilnahme. Jobs wurde im engen Familienkreis beerdigt; am Sonntag fand eine Trauerfeier mit vielen bekannten Namen aus der Technologie- und Showwelt statt.

Der Firmengründer hatte sich nach und nach zurückgezogen. Anfang des Jahres nahm er geschwächt durch die Krankheit eine Auszeit und überließ seinem langjährigen Weggefährten Tim Cook das aufreibende Tagesgeschäft. Viele Fans hegten insgeheim die Hoffnung, dass Jobs am Ende doch wiederkehrt. Im August zerschlug sich diese Hoffnung aber: Jobs gab die Konzernführung endgültig an Cook ab und zog sich auf den neu geschaffenen Posten des Verwaltungsratschefs zurück. Seitdem war Jobs nicht mehr öffentlich aufgetreten.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang