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Apple: Darum unterstützen iPhone & Co. kein Flash

Auf der Apple-Website hat Steve Jobs seine "Gedanken über Flash" geäußert und sechs Gründe angeführt, warum iPhone, iPad und iPod ohne Flash auskommen. Auch Adobe und Microsoft bezogen Stellung.

30.04.2010, 08:51 Uhr
Apple© Apple

Neben einer Anfälligkeit für Fingerabdrücke ist die fehlende Flash-Unterstützung ein Nachteil des iPads. Auch dem iPhone und iPod fehlt der Flash-Support für Videos, Multimedia-Websites oder Spiele. Warum dies so ist, will Apple-Chef Steve Jobs in einem Beitrag auf der Firmen-Website klarstellen und nennt sechs Gründe, warum Adobe und nicht Apple das geschlossene System habe. Auch Microsoft widmete sich am Donnerstag kurz der Flash-Debatte.

Adobe sei geschlossen, nicht Apple

Vor rund einer Woche gab Adobe bekannt, die Weiterentwicklung des iPhone-Flash-Plugins einzustellen, nachdem Apple zur Präsentation des neuen iPhone OS 4 neue Einschränkungen für App-Entwickler einführte. Adobe kritisierte die Bindung an die iPhone-Plattform, Flash hingegen habe immer als oberstes Ziel gehabt, Entwicklungen für unterschiedliche Browser, Plattformen und Geräte zu ermöglichen. Diese Offenheit von Adobe sieht Steve Jobs genau umgekehrt.

Flash sei Schuld an Mac-Abstürzen

Die Flash-Produkte seien hunderprozentig proprietär, nur bei Adobe erhältlich und auch die künftige Preisgestaltung liege bei dem Konzern. "Dass sie weit verbreitet sind, heißt nicht, dass sie offen sind", schreibt Jobs. Der iPod und das iPhone würden hingegen auf offene Standards wie HTML5, CSS und JavaScript setzen – anstelle von Flash. Dass daher nicht alle Videos abgespielt werden können, kann Jobs natürlich nicht leugnen, da YouTube jedoch auf iPad, iPhone und iPod vorinstalliert sei und Dienste und Websites wie Facebook, Netflix und das "Wall Street Journal" bereits auf H.264-Videos setzen, entgingen den Apple-Hardware-Besitzern nicht viele Videos. Zudem könnten Kunden aus über 50.000 Spielen im App-Store wählen. Auch bei der Sicherheit sieht Jobs Mängel. Laut Symantec weise Flash bezogen auf 2009 eine der schlechtesten Sicherheitsbilanzen auf und sei der Grund Nummer 1 für das Abstürzen von Macs. Auch die Akkulaufzeit fällt dem Apple-Chef zufolge beim Abspielen mit H.264-Videos länger aus. Als fünften Grund nennt Jobs das schlechtere Zusammenspiel mit Touch-Oberflächen, "Flash wurde für PCs mit Mausbedienung entwickelt, nicht für Touchscreens mit Fingersteuerung", heißt es in dem ausführlichen Statement.

Update von 15:30 Uhr: Reaktionen des Adobe-CEO

In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" äußerte sich jetzt der Adobe-CEO Shantanu Narayen zu den Vorwürfen von Apple und wies die Kritikpunkte als "Vorwand" zurück.

Weiter auf Seite 2: Der Hauptgrund für die Flash-Verweigerung und Statements von Adobe und Microsoft

Der wichtigste Grund, warum Flash nicht auf iPhone, iPod und iPad darf, sei, dass Adobe die App-Entwickler für das Schreiben von Anwendungen zur Nutzung von Flash anhalte: "Wir können nicht hinnehmen, dass Entwickler von der Nutzung unserer Innovationen und Verbesserungen ausgeschlossen werden, weil sie auf der Plattform unser Mitbewerber nicht verfügbar sind." Was andere als geschlossenes System beurteilen, sieht Apple als Win-win-Situation: "Jeder gewinnt – wir verkaufen die meisten Geräte, weil wir die besten Apps haben, Entwickler erreichen eine immer größere Zielgruppe und Nutzer können sich weiterhin über die beste und größte App-Auswahl aller Plattformen freuen."

"Rat" an Adobe und Sichtweise von Adobe

Zum Abschluss schreibt Steve Jobs: "Vielleicht sollte sich Adobe auf die Entwicklung guter HTML5-Tools für die Zukunft konzentrieren und weniger darauf, Apple dafür zu kritisieren, die Vergangenheit hinter sich zu lassen".

Kevin Lynch von Adobe reagierte auf den Brief von Apple im Adoble Weblog und sieht als Problem, dass Apple sowohl Adobes Entwicklungswerkzeuge als auch die Technologien anderer Anbieter blockiere. Würde Apple mit Adobe zusammenarbeiten, wäre eine hervorragende Flash-Umsetzung für den iPod Touch, das iPhone und das iPad möglich. Dennoch habe man sich bereits entschlossen, den Fokus weg vom Flash Player und AIR für Apple-Geräte zu lenken. "Wir arbeiten daran, den Flash Player und AIR für alle großen Firmen im mobilen Ökosystem bereitzustellen, inklusive Google, RIM, Palm (bald HP), Microsoft, Nokia und andere". Flash für Android-Smartphones soll im Mai als Vorschau-Variante erscheinen, der Release könnte im Juni anstehen.

Das sagt Microsoft

Am gleichen Tag meldete sich auch Microsoft im Internet Explorer Blog zu Wort: "Die Zukunft des Internets ist HTML5". Heutzutage seien Videos im Web aber überwiegend Flash-basiert und der einfache Browser-Zugriff auf Videos in anderen Formaten sei für den Konsumenten eine Herausforderung. "Flash hat einige Probleme, insbesondere hinsichtlich der Zuverlässigkeit, Sicherheit und Performance", räumt Dean Hachamovitch, General Manager für den Bereich Internet Explorer, ein. Trotzdem bleibe Flash ein wichtiger Bestandteil im Internet.

(Saskia Brintrup)

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