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Anti-Rechts-Demo in Internet-Spiel "Second Life"

Im Internet-Spiel "Second Life" haben Teilnehmer gegen eine virtuelle Niederlassung der rechtsextremen französischen Partei Front National (FN) demonstriert.

12.01.2007, 15:01 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Im Internet-Spiel "Second Life" haben Teilnehmer gegen eine virtuelle Niederlassung der rechtsextremen französischen Partei Front National (FN) demonstriert. Wie die zur französischen Tageszeitung "Libération" gehörende Computer-Website "Ecrans" berichtet, versammelten mehrere Spieler ihre virtuellen Figuren vor dem FN-Gebäude in der Simulation.
Wie im wirklichen Leben
Die Website zeigte dabei Bilder aus "Second Life", auf denen ein halbes Dutzend "Demonstranten" vor der Parteizentrale mit Protestplakaten zu sehen waren. Darauf war Parteichef Jean-Marie Le Pen mit einem Hitler-Bart über dem Text "Ban the FN - Out of SL" - "Verbannt die FN - raus aus S(econd) L(ife)" - abgebildet.
Die FN-Jugendorganisation aus dem ostfranzösischen Département Moselle hatte Ende 2006 eine Niederlassung in "Second Life" eingerichtet, um Werbung für die Kandidatur Le Pens bei den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr zu machen. Der Auftritt soll laut ihr auch "eine Vitrine der Partei für die Franzosen und das Ausland sein".
"Die Demonstration hat in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mehrere Stunden gedauert", sagte Protest-Initiator Nicolas Mircovich laut "Ecrans". "Ich war überrascht, dass die Leute sich mit den Plakaten wie bei einer echten Streikkette im richtigen Leben ablösten." Die FN habe inzwischen bei der Spielleitung ein Verbot der gegen Le Pen gerichteten Plakate erreicht. Mircovich verteilt jetzt mit seinem "Second Life"-Ebenbild akustische Anti-FN-Slogans an Passanten, die diese in der Nähe der FN-Zentrale skandieren sollen.
Mircovich erzählte, er sei auf die Idee mit der Protestaktion gekommen, als er zum ersten Mal auf die FN-Zentrale in dem Spiel gestoßen sei. "Ich habe vier Typen in FN-T-Shirts gesehen, die mit Kindern von 15 Jahren diskutierten und sie anwerben wollten", sagte er "Das hat mich wütend gemacht." Die FN-Werber seien in dem Spiel "immer anwesend, selbst um vier Uhr morgens" und sehr geschickt. Mircovich hofft, dass die Anti-FN-Gruppe in "Second Life" von zur Zeit "30 auf 300 Leute" anwächst, um eine Großdemonstration zu veranstalten.
Hintergrund zu Second Life
"Second Life" war von der kalifornischen Firma Linden Lab aus San Francisco geschaffen worden. Zur Zeit "leben" mehr als 2,5 Millionen Internet-Nutzer in der dreidimensionalen Simulation, bei der Spieler über eine eigene Währung auch Dinge des täglichen Bedarfs wie Kleidung oder Immobilien erwerben können.

(Hayo Lücke)

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