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Angetestet: Das neue Windows Mobile 6

Vor Kurzem ist eine neue Version des PDA-Betriebssystems Windows Mobile erschienen. Ob die Version 6 hält, was sie verspricht? Wir haben es getestet.

06.06.2007, 08:01 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Der Nachfolger von Windows Mobile 5 ist da. Version 6 des Betriebssystems für PDAs verspricht viele Neuerungen gegenüber dem Vorgänger. Ein neuer, an Windows Vista angelegter Look will der Mehrheit der Windows-Mobile-Nutzer gefallen - doch halten auch die Änderungen unter der Haube, was sie versprechen?
Aus alt mach neu
Windows Mobile 6 (WM6) ist eine Weiterentwicklung von Version 5 (WM5) und baut auf dessen Software-Kern auf. Der Vorteil: Weitgehend alle Programme, die in Version 5 liefen, sind auch mit WM6 kompatibel. Einzig problematisch können Applikationen sein, die in Abläufe oder Einstellungen des Betriebssystems eingreifen. Diese machen jedoch prozentual gesehen nur einen Bruchteil der Gesamtmasse an erhältlichen Programmen aus. Von daher stellt ein Upgrade auf Windows Mobile 6 für die meisten Anwender keine "Gefahr" dar.
Die Redaktion konnte einen o2 XDA Orbit mit Windows Mobile 6 testen. Besonders vorteilhaft daran: Erst kürzlich unterzog onlinekosten.de dem XDA Orbit einem ausführlichen Test. Damals noch mit Version 5 - der direkte Vergleich beider Ausgaben sollte aus diesem Grund leichter fallen.
Schick und modern
Beim ersten Blickkontakt fällt auf, dass sich die Bedienoberfläche von Windows Mobile mit Version 6 geändert hat - jedenfalls optisch. Neuerdings sind die Leisten standardmäßig in glänzendem dunkelblau gehalten. Der Heute-Bildschirm ist geblieben und hat sich in Form und Umfang nicht geändert. Man merkt direkt, dass es sich bei Windows Mobile 6 um keine Neu- sondern eine Weiterentwicklung einer bestehenden Software handelt. Es folgt die Analyse der Arbeitsgeschwindigkeit: Microsoft verspricht mit Windows Mobile 6, dass Operationen schneller ausgeführt werden sollen. In unserem Test kann dies nicht bestätigt werden. Rein subjektiv hat sich in der Geschwindigkeit nichts getan. Weder im positiven, noch im negativen Sinne. Dies kann jedoch auch daran liegen, dass unser Testgerät mit einem recht schwachen 201-Megahertz-Prozessor bestückt ist, bei dem ohnehin keine großen Leistungssprünge möglich sind. Vorstellbar, dass besser "bestückte" Geräte mit WM6 schneller arbeiten.
Safety first!
Zurück zu den wahrnehmbaren Neuerungen: Microsoft hat in WM6 ein neues Sicherheitsfeature eingeführt. So ist es jetzt möglich, den Inhalt der Speicherkarte zu verschlüsseln. Dadurch sind die enthaltenen Daten nur noch auf dem Gerät lesbar, mit dem sie auch verschlüsselt wurden. Auf externen Lesegeräten sind die Daten unbrauchbar. Eine Verbesserung, die besonders für Geschäftsleute mit sensiblen Daten im Gepäck von Interesse sein könnte. Sollte das Handy einmal verloren gehen, bietet Windows Mobile 6 übrigens auch die Option, sensible Daten "aus der Ferne" zu löschen.
Auch für Business-Nutzer interessant: die HTML-Darstellungsfunktion des integrierten Messaging-Clients. Dieser beherrscht jetzt die vollständige Darstellung von HTML-Mails - mit Bildern, Links, Farben und allem, was dazu gehört. Bei einem Test überzeugte die Ausgabe voll und ganz, wenngleich das kleine PDA-Display natürlich nicht unbedingt dafür geeignet ist, große Bildanhänge darzustellen. Doch das ist der mobile Internetnutzer ja schon vom Surfen gewohnt.
Kalender ausgebaut
Die Termin-Verwaltung des integrierten Kalenders wurde erweitert. So ist es in Windows Mobile 6 möglich, Zeitleisten anzuzeigen. Diese Neuerung gefällt! So sieht man auf einen Blick, welche Termine sich möglicherweise überschneiden könnten. Effektives Zeitmanagement ist somit gewährleistet. Einen großen Sprung macht die Terminverwaltung von Windows Mobile damit aber leider nicht. Das kostenpflichtige Kalender-Tool "Pocket Informant" macht vor, wie umfangreich ein Kalender sein kann. Weitere schöne Neuerungen: völlig überarbeitete Klänge (Klingeltöne, Systemtöne), eine Weck- und Alarmfunktion sowie eine ausgebaute Telefonfunktion. Diese ermöglicht es jetzt, beim Drücken der Anruftaste nach einzelnen Kontakten zu suchen. Ähnlich wie beim Texteingabestandard T9 kann der Benutzer den gesuchten Namen über die auf dem Display eingeblendeten Tasten eintippen - je Zahl sind zwischen null und vier Buchstaben oder Zeichen zugewiesen (siehe Bild unten). Windows beginnt sofort damit, in Frage kommende Einträge vorzuschlagen. Damit kann man den zeitaufwändigen "Gang" über das Adressbuch umgehen.
Wo Licht ist...
Alle genannten Verbesserungen sprechen definitiv für ein Upgrade auf das neue mobile Microsoft-Betriebssystem. Doch bevor übereifrig umgestiegen wird, sollte man auch wissen, was sich mit Windows Mobile 6 verschlechtert hat. Umständlicher wurde die Verwaltung der WLAN-Verbindung. Das Aktivieren läuft weiter über die obige Systemleiste. Leider kann das drahtlose Netzwerk aber nicht mehr über die gleiche Leiste abgeschaltet werden, wie noch in WM5 - neuerdings erscheint die Option "WLAN einschalten" auch dann noch, wenn WLAN bereits aktiv ist. So muss der lange Weg über die Netzwerkübersicht gegangen werden.
Auch wundern sich manche WM6-Nutzer über den höheren Stromverbrauch im Vergleich zur Vorgängerversion. Tests der Nutzer brachten jedoch ans Tageslicht, dass dafür nicht das Betriebssystem, sondern installierte Programme verantwortlich sind. Wer umsteigt, sollte sich also unbedingt danach erkundigen, ob das wichtige Programm X auch wirklich mit Windows Mobile 6 kompatibel ist.
Fazit: Ein Fortschritt
Der Fazit unseres Kurztests: Windows Mobile 6 sieht nicht nur gut aus, es arbeitet auch stabil und effizient. Dadurch, dass es auf dem WM5-Kern aufbaut, ist die Kompatibilität mit altbekannten Programmen weitgehend gewährleistet. Die wenigen Bugs, die noch enthalten sind, lassen sich verschmerzen. Schließlich sind es keine schwerwiegenden Fehler, die den Nutzer Nerven kosten. Wer also Lust auf ein modernes Aussehen, umfangreichere Funktionen und verbesserte Sicherheitsoptionen hat, der sollte schnellstens auf Windows Mobile 6 umsteigen.

(Michael Müller)

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