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ANGA: Kabel-TV bleibt wichtigster TV-Empfangsweg

TV-Empfang per Satellit oder Kabel: Astra machte kürzlich Sat-TV als dominierenden TV-Empfangsweg in Deutschland aus. Der Branchenverband ANGA sieht dagegen Kabel TV mit einem Marktanteil von 48,6 Prozent weiter vor Sat-TV und DVB-T und beruft sich auf aktuelle GfK-Zahlen.

11.02.2012, 14:16 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Satellitenbetreiber SES Astra hatte in dieser Woche auf Basis der Zahlen der TNS Infratest Erhebung "TV Monitor 2011" verkündet, dass der TV-Empfang per Satellit in Deutschland Kabel-TV erstmals überholt hat. Mit anderen Zahlen wartet dagegen nun der Kabel-Branchenverband ANGA auf. Im AGF-Fernsehpanel von Anfang Januar dieses Jahres bescheinigen die GfK-Marktforscher dem Kabelfernsehen hierzulande weiter die führende Position als TV-Empfangsweg.

GfK: Kabel-TV weiter vor Sat-TV

Demnach versorgten die Kabelnetzbetreiber zum Jahresanfang mehr als 18 Millionen Fernsehhaushalte. TNS Infratest hatte dagegen in einer eigenen, im November und Dezember des vergangenen Jahres durchgeführten Erhebung lediglich 17,27 Millionen Haushalte ermittelt, die Kabel TV als Erstempfangsweg nutzen. Per Satellit gelangten die TV-Programme in 17,54 Millionen Haushalte.

Die GfK-Zahlen jedoch sehen Kabelfernsehen mit einem Marktanteil von 48,6 Prozent führend gegenüber den 47,4 Prozent für den Satellitendirektempfang. Beide TV-Empfangsarten liefern sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ein Blick auf die von der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung und der GfK veröffentlichten Grafik zeigt allerdings auch klar den seit Jahren bestehenden Trend hin zum Sat-TV.

"Trotz des stetig wachsenden Wettbewerbs haben unsere Mitgliedsunternehmen ihre Führungsrolle bei der TV-Versorgung mit mehr als 18 Millionen Fernsehhaushalten auch im vergangenen Jahr behauptet", kommentiert ANGA-Präsident Thomas Braun die aktuellen Zahlen. Bei der zukunftsträchtigen Kombination von TV, Internet und Telefonie hätten die Kabelnetzbetreiber ihren Abstand zu IPTV bzw. Sat-TV im vergangenen Jahr noch ausweiten können. "Mit mehr als 3,5 Millionen Haushalten, die sowohl TV- als auch Internetkunden sind, führen die Kabelunternehmen in dieser Königsdisziplin der interaktiven Medienwelt völlig unangefochten", betont Braun.

Zudem sieht er Anbieter, die alleine auf Fernsehen setzen, "auf einer Einbahnstraße, die irgendwann in der Sackgasse enden wird". Der Kampf um die Fernsehzuschauer wird im Umfeld der am 30. April anstehenden Abschaltung der analogen Satelliten-TV-Sender zunehmend heftiger geführt. Die Kabelnetzbetreiber werben aktuell für einen Umstieg von analogem Sat-TV auf Kabelfernsehen. Am Anfang der Woche preschte Kabel BW mit einem Kabelanschluss-Starter-Angebot vor, Kabel Deutschland zog mit einem Sparpaket für Sat-Wechsler nach.

ANGA: Sat-TV nur vordergründig gratis

Der ANGA-Präsident beklagt eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Kabelnetzbetreiber. Der TV-Empfang per Satellit oder per terrestrischer Antenne ist für die Bürger nur auf den ersten Blick gratis. Alleine die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF würden pro Jahr aber mehr als 60 Millionen Euro für die Satellitenausstrahlung und mehr als 240 Millionen Euro für die terrestrische Verbreitung ihrer TV- und Rundfunkprogramme ausgeben. Millionenbeträge, die nur dank der GEZ-Gebühren fließen können.

Kabelnetzbetreiber würden dagegen deutlich weniger oder gar keine Zahlungen für die Einspeisung der Programme in die Kabelnetze erhalten. Die Kabelnetzbetreiber müssten aber an ARD und ZDF erhebliche urheber- und leistungsschutzrechtliche Vergütungen zahlen. "Die Programmveranstalter sollten den verschwenderischen Einsatz von Rundfunkgebühren konsequent eindämmen und sich stattdessen fair und angemessen an den Infrastrukturkosten aller konkurrierenden Netzbetreiber beteiligen", fordert Braun zum Verzicht auf eine Diskriminierung des Kabels gegenüber Satellitenverbreitung und DVB-T auf.

(Jörg Schamberg)

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