News

ANGA COM: ZDF zweifelt an Sinn eines gemeinsamen Jugendkanals

ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky zeigte sich auf der Branchenmesse ANGA COM im Gegensatz zu MDR-Intendantin Karola Wille wenig begeistert von einem gemeinsamen Jugendkanal.

06.06.2013, 10:11 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Der Streit um die öffentlich-rechtlichen Digitalkanäle geht weiter. Angesichts der Debatte um die Rundfunkgebühren und entsprechendem Einsparpotential hatte die ARD dem ZDF die Fusion von Digitalkanälen vorgeschlagen. Der Mainzer Sender zeigt sich jedoch skeptisch. Erst Ende Mai hatte ZDF-Intendant Thomas Bellut den Sparwillen der ARD angezweifelt. Die ARD sei entscheidungsunfähig, es handele sich um ein Scheinangebot. Der von der ARD außerdem angestrebte gemeinsame Jugendkanal sei schwer finanzierbar. Auf der Branchenmesse ANGA COM wurden im Rahmen einer Podiumsdiskussion die unterschiedlichen Auffassungen von ARD und ZDF hinsichtlich eines Jugendkanals erneut deutlich.

ZDF stellt sich quer

"Man muss alle erreichen in der Gesellschaft", skizzierte MDR-Intendantin Karola Wille die Verpflichtung der öffentlich-rechtlichen Sender. Junge Leute würden nach wie vor lineares Fernsehen nutzen, auch wenn es schwieriger sei, an sie heranzukommen. Bei dem angedachten Jugendkanal "sind wir mitten in der Diskussion". Angesichts des erfolgreichen gemeinsamen Kinderkanals KIKA zeigte sich Wille jedoch zuversichtlich: "KIKA läuft super." Ein Sendestart bis spätestens 2015 sei angestrebt.

ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky gab zu bedenken, dass erst einmal geklärt werden müsse, wie ein Jugendkanal überhaupt definiert werde. Eine Verjüngung der Inhalte sei klar, die Inhalte und Zielgruppe aber nicht. Erreicht werden sollen junge Menschen bis 28 Jahre. Bereczky war die Frage in den Raum: "Muss es unbedingt ein Gemeinschaftsprogramm sein?". Mit dem eigenen Sender ZDFneo sind die Mainzer dagegen sehr zufrieden. Der Kritik, dass dort immer häufiger Wiederholungen gezeigt werden, die bereits früher einmal im ZDF-Hauptprogramm liefen, entgegnete der ZDF-Manager, dass Wiederholungen für junge Zuschauer ein "neues Geschäft" seien.

ProSiebenSat.1 bezweifelt Erfolg eines Jugendkanals

Conrad Albert, Vorstandsmitglied von ProSiebenSat.1, kritisiert in diesem Zusammenhang, dass ein weiterer Nischensender nicht notwendig sei. Er zweifelt an dem Erfolg eines Jugendkanals von ARD und ZDF. Aus seiner Sicht müsse mit einer Verjüngung im Hauptprogramm angesetzt werden. Zugleich dauere es bis zur Realisierung des Sendestarts zu lange. Der Sender SIXX sei beispielsweise innerhalb acht Monaten gestartet worden.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang