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Analyse: Kinder haben Milliarden auf dem Konto und sind immer häufiger online

"Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst..." war offenbar gestern. Eine Analyse zeigt: Die Kinder von heute sind selbstbewusst und selbstbestimmt. Sie entscheiden mit bei Kleidung, Reisezielen und Einkaufskorb im Supermarkt. Und: Sie sind eine stille Wirtschaftsmacht mit Milliarden auf dem Konto.

13.08.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Wie ticken Kinder heute? Sie gehen immer häufiger ins Internet, lesen "Micky Maus" und fahren am liebsten in den Badeurlaub. Und sie sind eine Marktmacht: Geschätzt haben sie rund 2,42 Milliarden Euro auf ihren Sparkonten angehäuft. Das geht aus der KidsVerbraucherAnalyse 2014, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Ihr Geld geben sie am häufigsten für Süßigkeiten, Zeitschriften, Fastfood und Getränke aus.

"Grassierende Fehlernährung" durch Fastfood-Werbung

Die Verbraucherschutz-Organisation foodwatch kritisierte die "massiven und allgegenwärtigen" Marketing-Attacken für Junkfood auf Kinder. Durch ihren intensiven Medienkonsum und die Kaufentscheidung sei die Jugend der Werbung mehr denn je ausgesetzt. Getarnt als "falsche Freunde" verleite die Lebensmittelindustrie die Sprösslinge zu "grassierender Fehlernährung".

Im Auftrag des Egmont Ehapa Media Verlags wurden für die Analyse 1.660 Eltern und deren Kinder (6 bis 13 Jahre) sowie 397 Eltern von 4- und 5-jährigen Kindern befragt. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Computer / Internet: 82 Prozent der 6- bis 13-Jährigen (4,8 Millionen) Kinder verfügen über Computererfahrungen. Mehr als die Hälfte der 10- bis 13-Jährigen ist täglich online. Bei den 6- bis 9-Jährigen ist es schon fast jedes fünfte Kind. Der Nachwuchs nutzt das Netz vor allem für Hausaufgaben-Recherche (40 Prozent), E-Mails (40 Prozent), Musik hören (38 Prozent) und spielen (32 Prozent). 57 Prozent aller 6- bis 13-Jährigen besitzen ein eigenes Handy oder Smartphone - ein Plus von 8 Punkten auf 3,35 Millionen Kinder. Das seien 80 Prozent aller 10- bis 13-Jährigen (+11) und 33 Prozent aller 6- bis 9-Jährigen (+6). Doch selbst 6 Prozent aller 4- und 5-Jährigen haben ein Handy/Smartphone. 53 Prozent aller 4- bis 13-Jährigen bekommt ein gebrauchtes Endgerät.

Das Internet soll nach dem Willen der Eltern nur begrenzt genutzt werden. Ganz oben auf ihrer Liste der Verbote: Die Kinder sollen keine persönlichen Daten angeben. Das gilt für 90 Prozent der 6- bis 9-Jährigen und für 79 Prozent der 10- bis 13-Jährigen. Auch welche Internetseiten besucht werden und wie viele Stunden die Kids vor dem Computer sitzen dürfen, wird limitiert. Bei fast der Hälfte der Jüngeren (40 Prozent) muss auch immer ein Elternteil anwesend sein.

Bücher / Zeitschriften: 77 Prozent der 6- bis 13-Jährigen lesen mindestens einmal in der Woche in einem Buch. 74 Prozent schauen in Zeitschriften. "Micky Maus" und "Disney Taschenbücher" stehen nach wie vor an der Spitze, büßten aber zwischen 5,3 und 25,5 Prozent ein. Deutlich aufgeholt mit einem Plus von 21,6 Prozent hat das Wissensheft "Geolino". Vorschulkinder lieben weiterhin "Benjamin Blümchen" und "Winnie Puh".

Spielzeug: Die Klassiker wie Brettspiele (88 Prozent), Kartenspiele (87 Prozent), Puzzle (85 Prozent), Stofftiere (81 Prozent), Puppen (47 Prozent) und Rennbahnen (35 Prozent) leben in friedlicher Koexistenz mit Spielkonsolen (66 Prozent, für die gesamte Familie) und den stagnierenden Handhelds (57 Prozent).

Essen und Trinken: Kinder lieben Süßgebäck (40 Prozent). Kekse überholten Kaugummi (40/38 Prozent), Bonbons (36 Prozent) und Fruchtgummis (35 Prozent) verloren, salzige Knabbersachen (32 Prozent) legten zu. Durstlöscher Nummer 1 bleibt das Mineralwasser (81 Prozent), gefolgt von Milch und Kakao (73 Prozent) und Fruchtsäften (65 Prozent).

Mitbestimmung / Urlaub:: Kinder dürfen immer mehr mitbestimmen, was die Familie gemeinsam unternimmt, welche Lebensmittel gekauft werden, welche Bücher sie lesen, wie sie sich kleiden und wofür sie ihre Taschengeld ausgeben. Reisefavorit Nummer eins ist mit Abstand der Badeurlaub (69 Prozent), gefolgt von Ferienlager mit anderen Kindern (29 Prozent), Freizeitpark (25 Prozent) und Urlaub auf dem Bauernhof (21 Prozent).

Finanzen: Das Taschengeld ist 2014 nicht angestiegen. Wie 2013 bekommen Kinder in Deutschland im Schnitt 27,50 Euro im Monat. Sie erhalten darüber hinaus großzügige Geldgeschenke an Festtagen von Verwandten und Paten oder bekommen Geld für gute Noten (41 Prozent) und Hilfen im Haushalt (23 Prozent). Das summiert sich auf 189 Euro im Jahr (plus 19 Euro). 60 Prozent aller Kinder sparen aber auch: Auf ihren Konten liegen nach Angaben der Eltern geschätzt 2,42 Milliarden Euro.

(Dorothee Monreal)

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