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AMD soll Nutzungsrechte von Intel verlieren

Der weltgrößte Chiphersteller Intel macht Ernst und will gegen den kleineren Rivalen vorgehen. AMD habe gegen ein Abkommen zur gegenseitigen Techniknutzung verstoßen.

16.03.2009, 20:46 Uhr (Quelle: DPA)
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Der weltgrößte Chiphersteller Intel setzt seinem angeschlagenen Rivalen AMD mit der Drohung eines Lizenzentzugs für die Chipproduktion weiter zu. AMD verstoße durch den jüngsten Konzernumbau gegen das 2001 gemeinsam geschlossene Patentabkommen, teilte Intel in Santa Clara mit.
Keine Nutzungsrechte für Dritte
Intel räumt dem Konkurrenten 60 Tage Zeit ein, um die strittigen Punkte aus dem Weg zu räumen, anderenfalls würden die Nutzungsrechte enden. Das könnte die Prozessorenfertigung von AMD erheblich beeinträchtigen. Bei den fraglichen Patenten geht es um die Herstellung sogenannter x86-Chips, die das Herz fast jeden PCs bilden.
Auslöser des Streits sind die Besitzverhältnisse bei der neuen AMD-Tochter Globalfoundries, in die der Konzern seine Produktion ausgelagert hat. Hauptanteilseigner ist mit knapp zwei Dritteln das Emirat Abu Dhabi, AMD hat sich allerdings 50 Prozent der Stimmrechte gesichert. Intel argumentiert nun, dass die Nutzungsrechte aus dem sogenannten Cross License Agreement, das die Kontrahenten 2001 geschlossen haben, nicht an Dritte übertragen werden dürften. Streitpunkt ist nun, ob die Globalfoundries von der Rechtslage her als Tochtergesellschaft von AMD interpretiert wird. Nur dann hätte AMD in den Augen von Intel das Recht die Lizenzen für die Produktion zu nutzen. AMD könne nicht einfach ungefragt Intels Lizenzen an Dritte weitergeben, sagte Intel-Anwalt Bruce Sewell. Globalfoundries könne ja unabhängig von AMD ein eigenes Lizenzabkommen mit Intel schließen.
Lediglich Ablenkungsversuch
AMD dagegen sieht in dem Vorwurf lediglich einen Ablenkungsversuch. "Das ist ein Versuch, von den Fragen nach möglichen Wettbewerbsverstößen abzulenken", sagte AMD-Anwalt Harry Wolin. AMD wirft dem großen Konkurrenten seit einigen Jahren unter anderem vor der EU-Kommission vor, etwa mit Exklusivabsprachen bei Kunden den freien Wettbewerb behindert zu haben.
AMD täte gut daran, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, schätzt Alex Gauna, Analyst bei JMP Securities in San Francisco. Intel werde den Druck in dieser Sache voraussichtlich auch weiter erhöhen. Bereits kurz nach Bekanntgabe der Produktionsausgliederung vor einigen Monaten hatte Intel mit einer Auflösung des gegenseitigen Lizenzabkommens gedroht. Intel-Prozessoren stecken in vier Fünfteln aller Rechner weltweit, der größte restliche Teil entfällt auf den chronisch defizitären AMD-Konzern.

(Michael Posdziech)

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