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Amazon wird am Montag und Dienstag bestreikt

Nach Warnstreiks und ganztägigen regulären Streiks hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nun erstmals zu einem mehrtägigen Streik bei Amazon aufgerufen.

17.06.2013, 09:59 Uhr
Amazon© Amazon

Nach Warnstreiks und regulären ganztägigen Streiks hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nun erstmals zu einem mehrtägigen Streik bei Amazon aufgerufen. An den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld ruht seit der Frühschicht am Montag die Arbeit. Die Gewerkschaft kämpft um einen Tarifvertrag mit dem Online-Versandhändler Amazon und hat bereits in der letzten Woche Dauerstreiks angekündigt, da war allerdings noch von einer unbefristeten Arbeitsniederlegung die Rede.

Amazon soll den Tarifvertrag anerkennen

"Da ist mächtig Druck auf dem Kessel. Bei jeder Aktion, die wir machen, beteiligen sich mehr Leute", so Bernhard Schiederig, Verhandlungsführer von ver.di Hessen. "Die Stimmung vor Ort wird immer besser und die Kolleginnen und Kollegen werden langsam richtig sauer über das Verhalten der Geschäftsführung von Amazon, sich keinen Millimeter in der Frage der Tarifbindung zu bewegen", so Jörg Lauenroth-Mago, Verhandlungsführer von ver.di Sachsen.

Ihre gemeinsame Forderung: "Jetzt wird es endlich Zeit, dass Amazon einlenkt und zur Aufnahme von Verhandlungen bereit ist. Wir wollen Tarifverhandlungen führen, an deren Ende ganz klar ein Anerkennungstarifvertrag stehen muss." Bis jetzt lehnt es Amazon ab, Tarifverhandlungen aufzunehmen.

Eine lange Forderungsliste

Das Ziel von ver.di ist die Durchsetzung von Tariflöhnen auf Niveau der Einzel- und Versandhandelsbranche sowie die Zahlung von Zuschlägen für Sonn- oder Feiertagsarbeit und eine Ausweitung der Nachtarbeitsvergütung auf die Zeit vor Mitternacht. Ebenfalls auf der Forderungsliste stehen Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Bislang nutzt Amazon ein eigenes Vergütungssystem mit standortabhängigen Gehältern. In beiden Orten sind rund 3.300 (Bad Hersfeld) und 2.000 (Leipzig) Beschäftigte angestellt. Davon besitzen etwa 2.100 ein befristetes Arbeitsverhältnis.

Jörg Lauenroth-Mago: "ver.di lehnt es ab, dass Amazon dadurch Wettbewerbsvorteile genießt, dass es sich keiner Tarifbindung unterwerfen will. Damit verschafft sich der Versandhändler auch Vorteile bei den Kosten gegenüber den Versandhandelsunternehmen wie zum Beispiel Otto, Schwab oder Hess natur, bei denen die Einzel und Versandhandelstarifverträge angewendet werden." Amazon sieht seine Standorte als Teil der generell schlechter bezahlten Logistikbranche.

Politiker von SPD, Grünen und Linken haben sich solidarisch mit den Streikenden erklärt – unter anderem der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

(Peter Giesecke)

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