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Amazon oder iTunes: Download-Shops im Vergleich

Jetzt ist auch in Deutschland der MP3-Shop von Amazon online gegangen. Wie schlägt sich der Neuling gegen den Platzhirschen iTunes von Apple? Die Redaktion hat genau hingeschaut.

06.04.2009, 10:02 Uhr
Amazon© Amazon

Als der Online-Shopping-Riese Amazon sein MP3-Angebot in den USA und Großbritannien erfolgreich startete, war nach kurzer Zeit klar, dass hier ein echter Konkurrent zum Platzhirschen Apple und dessen iTunes entsteht. Jetzt gibt es Amazon MP3 auch in Deutschland und hierzulande ist ebenfalls mit einem Erfolg des neuen Angebots zu rechnen. Da bietet sich natürlich an, den Neuling genauer unter die Lupe zu nehmen - onlinekosten.de macht den Vergleichstest mit dem Marktführer.
Design & Übersicht
Bei Apple ist der Nutzer bekannterweise gezwungen, die iTunes-Software zu installieren. Das bringt Vorteile beim Bestellvorgang und liefert eine umfassende Dateiverwaltung gleich mit. Allerdings ist nicht jeder ein Freund von zusätzlichen Anwendungen oder der Abspiel-Software Quicktime.
Selbst wer iTunes noch nicht genutzt haben sollte, kann sich vorstellen, dass ein Musikportal von Apple durch ein elegantes Layout zu überzeugen weiß. Es ist schick und übersichtlich, die Kategorien sind gut organisiert und erleichtern das Stöbern im Repertoire.
Amazon erfordert zunächst für das Aufsuchen des Shops oder auch der Bestellung einzelner Titel kein spezielles Programm. Spätestens aber beim Kauf eines Albums muss der "Amazon MP3-Downloader" installiert werden. Diese recht kleine Anwendung wird dann durch den Download einer .amz-Datei aktiviert und organisiert das reibungslose Laden des Albums, inklusive Import in die Bibliothek von iTunes oder den Windows Media Player.
Der MP3-Shop ist unscheinbar in die bekannte Amazon-Seite integriert, das Layout typisch spartanisch. Die Startseite könnte etwas geordneter dargestellt werden, hier geht es mit Top-Alben, Bestsellern und Topsellern etwas drunter und drüber. Leider sind auch die Kategorien wie gewohnt viel zu unsystematisch unterteilt und bieten keine befriedigende Übersicht. Stöbern macht hier keinen Spaß.
Auswahl & Suchen
Bei den Suchergebnissen konzentriert sich Amazon auf das Wesentliche. Zunächst wird eine Reihe von beliebten Alben zur Suchanfrage angezeigt, direkt darunter eine komplette Auflistung der Einzeltracks ohne Alben. Was durchaus hilfreich sein kann, sind die eigene Einkaufsvergangenheit und die Käufe anderer Kunden, die unten auf den Seiten immer aufgeführt werden.
An die Qualität dieser Empfehlungen kommt iTunes trotz der ähnlichen Funktion Genius nicht heran. Bei den Suchergebnissen merkt der Nutzer zudem, dass es hier auch noch vieles anderes neben einfachen Musik-Dateien zu kaufen gibt. Im oberen Bereich teilen sich etwas zu viele Kästen mit Musikvideos, Essentials, Programmen oder Podcasts den Platz mit den gefunden Alben. Darunter werden dann aber auch alle Einzeltitel aufgelistet, die Alben sind in dieser Liste mit aufgeführt.
Die Auswahl bei iTunes ist unübertroffen groß. Von den zehn Millionen zur Verfügung stehenden Tracks ist inzwischen der Großteil von Kopierschutz und Rechteeinschränkungen befreit. Alle im Test gesuchten aktuellen Hits und Neuveröffentlichungen waren zu finden, die beiden Alben der eher unbekannten Newcomer-Band "Super 700" standen ebenfalls zur Verfügung. Die Single "Wrong" von Depeche Mode, die am Testtag erscheinen sollte, war im Original und in verschiedenen Remixen erhältlich. Hier zeigt sich bei Amazon, dass das Online-Kaufhaus zwar reichlich Erfahrung im Handel mit Tonträgern hat und hier natürlich einen umfassenden Katalog anbieten kann. Zum Start des Download-Angebots aber mit "nur" 6,5 Millionen Titel noch einige Lücken im Repertoire aufweist. Charts-Titel und Hit-Alben sind problemlos verfügbar, die unbekannteren beiden Alben von "Super 700" jedoch nicht. Dafür verweist Amazon direkt auf die entsprechenden CD-Alben als Alternative. Auch der an diesem Tag erst veröffentlichte Einzeltrack "Wrong" war noch nicht zu bekommen. Erst zwei Tage später sollten zwei Remix-Versionen erhältlich sein. Ein kurzer Check beim Konkurrenten Musicload zeigte übrigens, dass Amazon hier tatsächlich hinterher hinkt. Aber auch bei dieser erfolglosen Suche werden immerhin CDs und Vinyl-Platten alternativ angeboten.
Kaufen & Behalten
Inzwischen hat auch Apple eingesehen, dass die Einschränkung der Nutzungsrechte und ein Kopierschutz (Digitals Right Management, DRM) der Musikdateien ein Kaufhemnis sind. Mittlerweile sollen laut eigenen Angaben über acht Millionen der angebotenen Tracks DRM-frei sein. Leider möchte man sich im Hause iTunes nicht vom Dateiformat AAC trennen. Die Qualität dieser Dateien ist zwar in der Regel etwas höher anzusiedeln als bei MP3s, allerdings gibt es hier immer wieder Kompatibilitätsprobleme mit einigen Abspielgeräten.
Die Songs bei Amazon werden allesamt als kopierschutzfreie MP3-Datei verkauft, mit einer absolut ausreichenden Qualität von 256 Kilobit pro Sekunde kodiert. Die Dateien können aber nur einmal heruntergeladen werden, auch bei Dateiverlusten nach Hardware-Problemen. Deshalb empfiehlt Amazon ausdrücklich, eine Sicherheitskopie der MP3s anzulegen.
Der Kauf erfolgt entweder direkt über eine Klick oder über den Warenkorb, der Download funktioniert auch mit dem Amazon-Programm reibungslos. Die meisten aktuellen Titel kosten zwischen 97 und 99 Cent, einige frische Songs sind schon für 91 Cent zu haben. Aber auch für nur 77 Cent kann der Nutzer schon fündig werden. Zum Start des neuen Angebots gibt es zahlreiche Top-Alben zum Aktionspreis von 4,89 Euro, die Preisspanne reicht ansonsten von 5,99 Euro bis zu 9,99 Euro für ein Standard-Album. Gezahlt wird wie man es bei Amazon gewohnt ist, entweder mit Kreditkarte oder einfachem Bankeinzug.
Bei iTunes gibt es mittlerweile auch eine Alternative zur Kartenzahlung. Neu ist die Möglichkeit des Lastschriftverfahrens über Click&Buy, wofür sich der Käufer aber separat anmelden muss. Auf dem alten Stand ist noch die Preispolitik, jeder Track kostet 99 Cent. Zukünftig wird es aber ein flexibleres Modell geben, bei dem neuere und beliebtere Titel mehr kosten als andere. Die Spanne könnte dann zwischen 0,69 und 1,29 Euro liegen. Ein Album kostet zurzeit in der Regel 9,99 Euro. Kauf und Download lassen sich in einem Rutsch per Klick erledigen.
Amazon oder iTunes?
Marktführer iTunes muss sich wohl warm anziehen. Obwohl der Apple-Store mit einem umfangreichen Repertoire und einfachem Handling beweist, worum er so einen großen Erfolg hat, wird Amazon MP3 zügig den Anschluss an die Spitze schaffen. Das Suchen und Kaufen kennen die meisten von früheren Ausflügen ins Internet-Kaufhaus, das Dateiformat MP3 ist beliebter, die Preise flexibler und wenn schon nicht niedriger dann doch zumindest auch nicht teurer als bei iTunes. Amazon MP3 hat dieses Duell knapp für sich entschieden, aber es bleibt spannend auf dem Markt der Musik-Stores im Internet.

(Michael Posdziech)

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