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Amazon: Niederlage im e-Book-Preiskampf

Sie wollten ihre Bücher nicht "verramschen" – da setzte Online-Händler Amazon einen der größten US-Amerikanischen Verlage kurzerhand vor die Tür.Lenkte dann aber ein: Jetzt schweigen die Waffen – und Macmillan hat seine E-Book-Preise durchgesetzt.

01.02.2010, 16:23 Uhr
Amazon© Amazon

Die Schlittenhunde mucken auf: Der US-amerikanische Verlag Macmillan ist nicht länger bereit, sich von Amazon vor den Promotionsschlitten für den E-Book-Reader Kindle spannen zu lassen. Man wolle seine E-Books nicht länger zu Amazon-Preisen im Internet verramschen, so der Kontext. Mit Erfolg: Nach anfänglichem Muskelspiel lenkte der Online-Händler ein – und drohte möglichen Trittbrettfahrern im konzerneigenen Blog, die Finger vom Nachahmen zu lassen. Macmillan-Bücher kosten bei Amazon jetzt zwischen 12,99 Dollar und 14,99 Dollar und nicht mehr 9,99 Dollar wie zuvor von Amazon gewünscht.
iBook-Store macht's möglich
Das neue Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Apple-Chef Steve Jobs enthüllte kürzlich mit dem i-Pad nicht nur einen neuen Stern am Apple-Hardware-Himmel, der als Minimalversion kaum mehr kostet als der teuerste Kindle, aber mehr kann als E-Books lesen.
Zugleich schlug auch die Stunde des iBook Store: Die Downloadplattform für digitale Bücher bietet Marktführer Amazon Paroli und will die Preisgestaltung für die E-Books weitgehend den Verlagen überlassen. Nicht so Amazon: Um den Kindle im Markt zu etablieren, drückt der Händler die Verkaufspreise der digitalen Literatur auf 9,99 Dollar, zahlt notfalls sogar drauf, um den Preis zu halten.
So ist es wohl kein Zufall, dass Macmillan-Chef John Sargent kurz nach der Enthüllung des iPads zu den Waffen griff und Amazon aufforderte, mehr für die Bücher aus dem Hause der Holtzbrinck-Tochter zu verlangen. Zumal Macmillan zu den fünf Partnern zählt, die mit dem iBook Store zusammenarbeiten.
Amazon drohte mit Rausschmiss
Zunächst schien es, als habe sich der Exklusiv-Verleger zahlreicher Bestseller zu weit aus dem Fenster gelehnt. Amazon knallte mit der Peitsche, um den Schlittenhund in die Reihe zu bewegen, und drohte mit dem Rausschmiss der Macmillan-Bücher aus seinem Online-Store. Nicht nur die E-Books, sondern auch Bücher aus Papier und Pappe sollten nicht mehr den virtuellen Ladentisch passieren.
Zwischenzeitlich hat Amazon jedoch zähneknirschend eingelenkt. "Wir müssen kapitulieren und Macmillans Bedingungen akzeptieren, weil sie ein Monopol auf ihre eigenen Titel haben", heißt es im Kindle-Blog von Amazon. Man wolle die Literatur weiterhin anbieten, "auch wenn die Preise für E-Books unnötig hoch sind." Die weiße Fahne schwenkt Amazon hier wohl nur vordergründig, wird doch indirekt zu einem Boykott der "zu teuren" Macmillan-Werke aufgerufen.
Triumph der versklavten Verlage? Täter und Opfer haben im Preisdruck-Kartell der Literatur schwache Konturen. Denn auch Schlittenhunde können ihre Zähne zeigen: Macmillan gehört laut "Süddeutsch.de" zu den Verlagen, die die E-Book-Tantiemen für Autoren auf 20 Prozent der Erlöse senkten – sehr zum Unmut mehrerer Autorenverbände.

(Dorothee Monreal)

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