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Amazon-Mitarbeiter rebellieren gegen Verdi

"Wir arbeiten gern für Amazon", heißt es in einem Statement von mehr als 1.000 Amazon-Beschäftigten, die sich öffentlich gegen die Forderungen von Verdi zur Wehr setzen.

06.01.2014, 12:09 Uhr
Amazon© Amazon

Amazon gegen Verdi – Der Kampf um einen Mindestlohn soll in den kommenden Wochen in eine neue Runde gehen. Und das möglicherweise nicht nur an den bisher schon häufig bestreikten Standorten in Bad Hersfeld und Leipzig, sondern auch in anderen deutschen Logistikzentren des Versandhändlers. Doch was auf den ersten Blick nach einem harten Arbeitskampf aussieht, ist offenbar ein Konflikt, der von Amazon mehr oder weniger locker weggesteckt werden kann. Auslieferungen an Kunden verzögern sich nach Angaben des Online-Shops nur in wenigen Fällen und jetzt schlagen sich auch viele Mitarbeiter auf die Seite ihres Arbeitgebers - und verhageln Verdi so die Streik-Strategie.

Viele Mitarbeiter sind zufrieden

Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, distanzieren sich zahlreiche Amazon-Beschäftigte mit einer Unterschriftenaktion von Verdi und den Forderungen der Gewerkschaft. Insgesamt 1.018 Mitarbeiter der Standorte Leipzig und Bad Hersfeld machten bereits Ende Dezember darauf aufmerksam, dass sie sich "distanzieren von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen der Verdi, die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über uns verbreitet werden."

Verdi erwecke mit der öffentlichen Schlammschlacht ein negatives öffentliches Bild, dass die Mitarbeiter bis ins Privatleben verfolge. Die Darstellungen der Gewerkschaft entsprächen "nicht der Realität und nicht unserem täglichen Arbeitsleben", heißt es in einem eigens ins Leben gerufenen Blog. Und weiter: "Wir arbeiten gern bei Amazon, sind selber zufriedene Kunden, haben einen sicheren Arbeitsplatz und möchten nicht weiter tatenlos zusehen, wie unser Ansehen und damit unsere Existenz in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt werden."

Als nächstes sei eine T-Shirt-Aktion geplant, sagte Initiatorin Sandra Münch am Montag in Leipzig der Nachrichtenagentur dpa. Es sollten Shirts mit der Aufschrift "Pro Amazon" bedruckt werden. Die Mitarbeiter wollten damit zeigen, dass sie gerne bei dem Branchen-Riesen aus den USA arbeiten und nicht hinter den seit Monaten andauernden Streiks der Gewerkschaft Verdi stehen.

Amazon will standhaft bleiben

Ein Amazon-Sprecher kündigte unterdessen gegenüber der "NOZ" an, auch in Zukunft nicht auf die Forderungen von Verdi eingehen zu wollen. "Verdi hat unserer Sichtweise nichts entgegen gesetzt als zu sagen, dass im Einzelhandel mehr bezahlt würde." Das sei zwar richtig, das Geschäft von Amazon sei aber der Logistikbranche und nicht dem Einzelhandel zuzurechnen. Heiner Reimann von Verdi Hessen kritisierte die Unterschriften-Aktion als "Spaltung der Belegschaft" und rief zu respektvollem Umgang auf. Verdi erklärte zudem, die Unterschriften seien zum Teil unter Aufsicht von Mitgliedern der Betriebsleitung gesammelt worden.

(Hayo Lücke)

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