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Amazon im Streit mit Verlagen: Kunden sollen woanders kaufen

Online-Händler Amazon besteht offenbar auf 50 Prozent statt 30 Prozent Verkaufsanteil bei E-Books der Hachette-Verlagsgruppe - und verzögert absichtlich Lieferzeiten. Notfalls müssten die Kunden woanders kaufen, so Amazon. Auch die Bonnier-Verlagsgruppe ist betroffen. Doch jetzt gibt es offenbar kartellrechtlichen Gegenwind.

02.06.2014, 18:01 Uhr
Amazon© Amazon

Das beliebte US-Online-Versandhaus Amazon spielt derzeit mit seinem guten Ruf. Der Konzern verweigert seinen Mitarbeitern Gehälter nach Einzelhandels-Tarif, und setzt offenbar widerspenstige Partner unter Druck, die sich nicht dem Konditionsdiktat des Hauses beugen. So geschehen mit dem Hachette-Verlag, dessen Arbeit man bei Amazon nach eigenen Angaben durchaus "schätzt und bewundert".

Verstößt Amazon gegen Kartellrecht?

Der schwedischen Bonnier-Verlagsgruppe (Ullstein, Piper, Carlsen und andere) droht offenbar ähnliches Ungemach: Wer 50 Prozent statt 30 Prozent Rabatt bei E-Books ablehnt, muss mit Repressalien wie künstlich verlängerten Lieferzeiten rechnen. Dabei ist Amazon durchaus bereit, sich ins eigene Fleisch zu schneiden: Kunden, die Verlagsprodukte zügig haben möchten, sollen eben woanders kaufen, so der Online-Händler in seiner Stellungnahme zum Streit mit Hachette.

Amazon hat nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" (FR) außerdem die Bestell-Option von Büchern der Verlagsgruppe in den USA entfernt. Begründung: Ein Händler könne entscheiden, ob er bestimmte Produkte in großen oder kleinen Mengen oder überhaupt nicht anbieten wolle.

Freunde macht sich der Konzern damit nicht: Auch bei den Autoren brodelt es kräftig. Mit denen möchte Amazon sich offenbar nicht anlegen: Der Händler hat einen Fond vorgeschlagen, der die Auswirkungen des Vertriebskonfliktes auf den Umsatz der Autoren mindern soll. Er soll zur Hälfte von Amazon und zur anderen Hälfte von Hachette bestritten werden. Laut FR muss sich aber auch das Versandhaus warm anziehen: Offenbar prüft der Börsenverein des Deutschen Buchhandels derzeit ein kartellrechtliches Vorgehen gegen Amazon.

(Dorothee Monreal)

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