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Amazon: Eigene Packstationen als DHL-Konkurrenz

Der Online-Händler Amazon testet seit einiger Zeit in den USA und London eigene Packstationen. Laut "Handelsblatt" stehe den "Amazon Delivery Lockers" auch in Deutschland nichts im Wege. Die Post prüft unterdessen Paketbriefkästen.

Amazon© Amazon

Die Packstationen der Post-Tochter DHL könnten in Deutschland Konkurrenz bekommen. Ausgerechnet einer der größten Kunden des Logistikunternehmens, der Online-Händler Amazon, ist laut "Handelsblatt" unzufrieden mit der Zustellung per Post. In den USA hat Amazon in den vergangenen Wochen in ersten Städten bereits testweise eigene Packstationen, "Amazon Delivery Locker" genannt, aufgestellt.

Amazon testet "Locker" in USA und London

Die Packstationen von Amazon finden sich in ausgewählten Läden der rund um die Uhr geöffneten Supermarktkette "7 Eleven", entsprechende Kooperationen hat der US-Konzern auch mit der Drogeriekette Rite-Aid und der Metzgereikette Gristedes geschlossen. In Europa stehen erste Packstationen des Versandriesen in Einkaufszentren und öffentlichen Plätzen in der britischen Hauptstadt London. Laut "Financial Times Deutschland" stehe auch einem Aufbau der Paketstationen in Deutschland nichts im Wege. Die Zeitung beruft sich dabei auf einen Vertrauten des Unternehmens.

Die Amazon-Lösung ähnelt den DHL-Packstationen optisch sehr, auch das Funktionsprinzip ist nahezu identisch. Kunden müssen zum Abholen von Paketen einen PIN-Code in das in die Amazon Packstation integrierte Computerterminal eingeben. Der US-Versandhändler möchte mit eigenen Packstationen zum Selbst-Abholen vor allem den Diebstahl von Warensendungen bekämpfen. "Generell ist es unser Ziel, unseren Kunden die Zustellung von Paketen so einfach und bequem wie möglich zu gestalten - und Amazon Lockers ist einer der verschiedenen Wege, die wir zur Erreichung dieses Ziels verfolgen", erklärte eine Amazon-Sprecherin gegenüber dem "Handelsblatt". Konkrete Pläne zum Aufbau eigener Stationen in Deutschland wollte sie jedoch nicht bestätigen.

Post befürchtet keine Konkurrenz von Amazon

Im September hatte Amazon zwei neue Logistikzentren in Koblenz und Pforzheim eröffnet und verfügt damit inzwischen über bundesweit acht zentrale Lager. Unter anderem dank Amazon sind die über 60.000 DHL-Zusteller gut ausgelastet. DHL liefert werktäglich rund drei Millionen Pakete aus – und verdient auch an dem Großkunden Amazon gut. Mit eigenen zentral platzierten Packstationen in den Städten könnte sich Amazon Extragebühren für die Auslieferung der Pakete in die Wohngebiete sparen. Branchenexperten sehen Amazon allerdings hierzulande nicht auf dem Weg zum Rundumlogistiker. Größere Chancen würden sich im Ausland ergeben. In China besitzen beispielsweise viele Menschen keine eigene Versandadresse.

Die Post zeigt sich derweil noch nicht beunruhigt über einen möglichen neuen Konkurrenten. "In Deutschland haben wir mit unseren Packstationen in den letzten zehn Jahren das einzige flächendeckende Automaten-Netz aufgebaut, mit dem Kunden rund um die Uhr Pakete versenden und empfangen können", zitiert das "Handelsblatt" einen Post-Sprecher. "Amazon und seine Kunden zählen zu den intensivsten Nutzern dieses Netzwerks. Uns sind keine Pläne bekannt, dass die Tests in den USA auf Deutschland ausgeweitet werden sollen." Zudem müssten die Waren auch von den Amazon-Logistikzentren zu den Packstationen transportiert werden, hier könnte dann wieder DHL oder Hermes zum Einsatz kommen.

Post testet Paketbriefkästen

Die Post selbst testet unterdessen in der Nähe von Bonn bereits rund 100 eigene Paketbriefkästen, um Pakete in Ein- und Zweifamilienhäuser direkt beim ersten Zustellversuch zustellen zu können. "Wir haben Kästen entwickelt, in die Pakete hineinpassen. Die gibt es in klein, mittel und groß. Der Kunde hat einen Schlüssel, der Zusteller auch" , erläuterte Brief-Vorstand Jürgen Gerdes im vergangenen Monat in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". Kunden sollen Pakete über die Paketbriefkästen nicht nur empfangen, sondern auch versenden können.

(Jörg Schamberg)

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