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Alternative VoIP: Ohne Telekom geht’s auch

Über das Internet zu telefonieren, verspricht erhebliche Kostenvorteile. Nur zu gern würden Sparfüchse daher auf die Telefonleitung verzichten. Wir verraten, wie es geht.

28.10.2005, 16:17 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Voice over IP, das Telefonieren über die Internetleitung, ist nicht nur dank "Geiz ist Geil"-Mentalität beliebt. Doch in erster Linie das große Sparpotenzial lässt viele Centfüchse lieber heute als morgen auf die neue Technik umsteigen. Noch gibt es aber einige Hindernisse auf dem Weg zum richtigen Sparen.
Nicht ohne Telefon?
Neben potenziellen Sicherheitsrisiken, die vor dem Start bedacht werden sollten, ist besonders die Wahl eines geeigneten Internetzugangs wichtig. Bei der aktuellen Angebotsvielfalt wird allerdings eines klar: wer heute VoIP nutzen will, würde allzu gern auf eine Telefonleitung verzichten, doch das sehen die meisten Internetanschlüsse bisher nicht vor.
Lange soll es ja nicht mehr dauern, bis der Wunschtraum vieler Breitband-Anbieter und –Nutzer endlich Wirklichkeit wird: zuletzt Anfang September nannte die Bundesnetzagentur die Entbündelung als mittelfristiges Regulierungsziel, um anderen Anbietern und neuen Technologien wie VoIP eine Chance zu geben.
TV-Kabel wird multifunktional
Aber schon heute ist es in vielen Gebieten möglich, sich von den Paketangeboten aus Telefon und DSL der T-Com und ihrer Reseller ganz zu verabschieden. Neben bisher noch exotisch wirkenden Methoden wie beispielsweise WiMAX oder DSL per Funk, liegt ein vielversprechender Anschluss an die Telekommunikation der Zukunft bereits in etwa 70 Prozent der bundesdeutschen Haushalte: das Kabelfernsehen.
Nach einer aktuellen Marktübersicht "Breitbandkabel Deutschland 2005" der Solon Management Consulting ist eine Trendwende am TV-Kabelmarkt festzustellen. Zwar mussten die Betreiber in der Vergangenheit auf großes Umsatzwachstum verzichten, doch der aktuelle Trend zum Ausbau der Netze für Triple Play wendet nach Meinung der Beratungsfirma das Blatt. Kürzlich gab der Deutsche Kabelverband bekannt, seine Mitglieder seien mit dem Ausbau so gut vorangekommen, dass sie bereits heute eine Million Haushalte über dem Plan liegen – insgesamt können bereits 5,8 Millionen Haushalte die neuen Angebote in Anspruch nehmen.
Und die neuen Pakete der Kabelnetzbetreiber haben es in sich. Kabel Deutschland beispielsweise versorgt rund 9,6 Millionen Haushalte im gesamten Bundesgebiet mit Kabelfernsehen und ist damit nach eigenen Angaben größter Kabelnetzbetreiber in Europa. Bis Ende 2005 plant das Unternehmen, seinen Triple Play Service in über 15 Städten anbieten zu können. Bislang beläuft sich der Umsatzanteil des Internet-Geschäfts erst auf unter ein Prozent, doch das soll sich dank attraktiver Paketangebote, zu Kampfpreisen hart am Limit der DSL-Provider, bald ändern.
Wie dick darf es sein?
So bieten die Münchener den Breitband-Anschluss zwar für mit der T-Com vergleichbare 16,90 Euro an. Den Einsteiger-Tarif „Volume Basic“, mit einer Geschwindigkeit von rund zwei Megabit pro Sekunde und zwei Gigabyte Freivolumen monatlich gibt es aber bereits kostenlos dazu. Eine Zwei-Megabit-Flatrate, ohne Zeit- und Volumenbeschränkung, kostet monatlich nur 2,99 Euro zusätzlich. Leitungen mit mehr Transferrate sind ebenfalls erhältlich: sechs Megabit pro Sekunde kosten 26,90 Euro monatlich, acht Megabit sind für 46,90 Euro zu haben. Für die Flatrate kommen jeweils auch nur 2,99 Euro oben drauf.
Anders als bei anderen Anbietern kann man bei Kabel Deutschland wählen, ob man VoIP über Breitband-Internet oder nur einen IP-Telefonanschluss nutzen möchte, denn für beides gibt es Paket-Angebote. So gibt es beispielsweise die Zwei-Mbit-Flatrate, inklusive Leitung und dem VoIP-Tarif Kabel Phone Basic 24, bereits für monatliche 29,90 Euro. Der Telefontarif umfasst zwei Leitungen mit zwei Rufnummern, Anrufbeantworter, Rufnummernmitnahme und die bei VoIP gängigen kostlosen Gespräche zu anderen Kabel Deutschland Kunden.
IP-Telefonanschluss pur
Wer nur den Telefonanschluss nutzen möchte, erhält für monatlich 15,90 Euro zusätzlich einen Internetzugang mit 150 Kilobit pro Sekunde, um darüber telefonieren zu können. Gespräche ins deutsche Festnetz werden dann bei Kabel Deutschland mit 1,5 Cent pro Minute abgerechnet, Telefonate ins Mobilfunknetz kosten 23 Cent pro Minute.
Kunden der Baden-Württembergischen KabelBW können sich ebenfalls ihr individuelles Angebot mit den Komponenten digitales Fernsehen und Radio, Internet sowie Telefon selbst zusammenstellen. Bedingung ist natürlich ein Kabelanschluss der Heidelberger Firma. Die Internetanbindung per Kabel gibt es hier in verschiedenen Tarifvarianten, von der Einsteigerleitung mit 64 Kilobit pro Sekunde bis zum Profianschluss mit 20 Megabit pro Sekunde downstream und bis zu zwei Megabit pro Sekunde upstream, alles ohne Zeit- oder Volumenbegrenzung.
Für VoIP bietet KabelBW seinen Kunden spezielle Hardware, mit der das bisherige Festnetztelefon im Einsatz bleiben kann. Neben dem Standardtarif, mit Gesprächen ins Ortsnetz ab 1,1 Cent pro Minute und Verbindungen ins Mobilfunknetz für 22 Cent pro Minute, gibt es auch eine Telefonflatrate, die für 18,90 Euro monatlich unbegrenzte Telefonate ins deutsche Festnetz bietet. Die Kunden des Kabelbetreibers telefonieren untereinander, wie bei VoIP üblich, kostenlos.
Preisvergleich lohnt
Bei dieser Lösung würde der Kunde mit Einzelnutzervertrag fürs Kabelfernsehen 14,50 Euro für die Leitung zahlen, zuzüglich 29,90 Euro für die Internet-Flatrate mit zwei Megabit pro Sekunde. Alles in allem sind das 44,40 Euro monatlich. Bei der T-Com dagegen wären für den günstigsten Analog-Telefonanschluss 15,95 Euro monatlich fällig, eine gleichwertige Internetanbindung ohne Zeit- und Volumenbegrenzung kostet insgesamt 34,94 Euro, so dass der Kunde unterm Strich 50,89 Euro berappen müsste - etwa sechs Euro mehr als bei KabelBW.
Ähnlich sieht das Angebot der Nordrheinwestfälischen ish GmbH aus. Auch hier kostet der Basis-Kabelanschluss monatlich 14,50 Euro. Darauf aufbauend gibt es drei Internet-Flatrates zur Auswahl, mit Geschwindigkeiten zwischen 256 Kilobit und fünf Megabit pro Sekunde. Eine volumen- und zeitunbegrenzte Flatrate mit zwei Megabit pro Sekunde kostet monatlich 34,90 Euro, der VoIP-Dienst kostet zusätzlich fünf Euro im Monat. Damit liegt ish allerdings rund vier Euro über den entsprechenden Preisen der T-Com. Ish Internet ist mittlerweile in Köln, dem Großraum Düsseldorf, Bochum, Dortmund sowie Bonn verfügbar. Auch kleinere, lokale Netzbetreiber wie die Magdeburger MDCC bieten inzwischen Internetzugänge an.
Vorteile berechenbar
Auch wenn der Preisvorteil auf den ersten Blick verschwindend gering wirkt, ist die Kommunikation per TV-Kabel in jedem Fall eine Rechnung wert. Schließlich zahlen viele den Kabelanschluss bereits mit den Nebenkosten ihrer Miete. Zudem lassen sich über den Internetzugang eines Kabelanbieters nicht nur deren eigene VoIP-Angebote nutzen, die durchschnittlich höhere Minutenpreise verlangen.
Der Zugang kann ebenso gut mit einem VoIP-Anbieter genutzt werden, der seinen Service unabhängig von der Internetleitung anbietet. Diese sind in unserer Übersicht entsprechend in der letzten Spalte markiert. Welcher Tarif sich am besten für Kosteneinsparungen eignet, hängt dabei vom individuellen Telefonverhalten ab.
Neben den großen Kabelnetzbetreibern gibt es aber auch DSL-Anbieter, die ihr Produkt ohne Telefonleitung anbieten. Momentan gibt es davon im Bundesgebiet zwei, deren Angebote für Privatkunden interessant sind und die auch VoIP anbieten. Die Kölner QSC AG beispielsweise nutzt für Q-DSL zwar die letzte Meile der T-Com, um ihre Kunden anzuschließen, ein Telefonanschluss ist aber keine Bedingung für den Service.
DSL ganz nackt
In über 70 Städten im Bundesgebiet können Kunden "Q-DSL mittlerweile nutzen. Wahlweise gibt es volumenbeschränkte Flatrates mit einem oder zwei Megabit pro Sekunde, jeweils mit 20 Gigabyte Daten inklusive, für 39 beziehungsweise 49 Euro monatlich. Die entsprechenden Angebote ohne Volumenbegrenzung werden mit 59 beziehungsweise 89 Euro im Monat in Rechnung gestellt. Auf Wunsch gibt es auch eine Doppelflatrate: Mit QSC flatflat gibt es für 59 Euro – zusätzlich zur zwei Megabit-Flatrate – auch eine VoIP-Pauschale für Gespräche ins deutsche Festnetz.
Was auch von Tiscali für Dezember diesen Jahres angekündigt wurde, ist bei Broadnet bereits Realität: "Nacktes" DSL. Auch bei Broadnet können Kunden eine DSL-Leitung bekommen, ohne auf die Telefonleitung der T-Com angewiesen zu sein. Wie QSC hat der Anbieter eher Geschäftskunden im Visier, doch finden sich auch hier interessante Angebote für Privatnutzer.
Magenta muss nicht sein
VoIP ist hier als Zusatzoption im Paket mit ADSL buchbar. Dabei gibt es drei Abstufungen: der Anschluss mit der geringsten Bandbreite bietet zwei Megabit downstream, der Volumentarif kostet monatlich 21,99 Euro, allerdings ohne Inklusivdatenmenge. Jedes Megabyte wird mit 1,25 Cent berechnet, eine Preisdeckelung gibt es bei 69,99 Euro. Der VoIP-Anschluss ist hier im monatlichen Grundpreis inklusive. Zwar bietet broadnet keine Telefonflatrate, dafür sind die Minutenpreise auch im Standardtarif vergleichsweise günstig.
Auch Internet über Funk ist eine Option, vom Festnetzanschluss weg zu kommen. Allerdings sind die Angebote hier noch spärlich gesät - mit der zunehmenden Entwicklung von WiMAX könnte hier jedoch eine ernstzunehmende Zugangs-Alternative heranwachsen. Jeder, der sich von seiner Telefonleitung verabschieden möchte, sollte zunächst individuell prüfen, welche Alternativanbieter an seinem Wohnort Breitbandinternet zur Verfügung stellen und welcher Dienst dem individuellen Surfverhalten am ehesten gerecht wird. Dabei muss VoIP nicht zwangsläufig im Paket inbegriffen sein. Viele VoIP-Services lassen sich über beliebige Internetanbindungen realisieren. Bei der Umstellung ist allerdings noch wichtig, dass nur wenige VoIP-Anbieter momentan eine Notruffunktion anbieten. Es sollte also zukünftig wenigstens ein Handy vorhanden sein, um Polizei oder Krankenwagen rufen zu können.

(Aleksandra Leon)

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