News

Alibaba gelingt größter Börsengang: Internetkonzern überflügelt Amazon und eBay

Großer Ansturm an der New Yorker Börse auf die Aktie des chinesischen Internetkonzerns Alibaba. Am Ausgabetag sprang die Aktie um über 36 Prozent auf knapp 100 Dollar hoch. Das Handelsvolumen von Alibaba ist nach eigenen Angaben größer als das von Amazon und eBay.

19.09.2014, 20:41 Uhr (Quelle: DPA)
Amazon© Amazon

Der chinesische Onlineriese Alibaba hat am Freitag bei seinem Rekord-Börsengang einen fulminanten Erfolg gefeiert. Zum Start an der New Yorker Börse sprang die Aktie überraschend deutlich auf 92,70 Dollar. Das war ein Plus von mehr als 36 Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis. Im Anschluss schnellte der Kurs sogar bis auf 99,70 Dollar hoch, bis er sich bei rund 91 Dollar einpendelte. Die Börse jubelte, als sich Firmengründer Jack Ma freudestrahlend auf dem Parkett zeigte.

Börsengang bringt Alibaba bis zu 25 Milliarden Dollar

Alibabas Aktienpremiere (Börsenprospekt) war ein Projekt der Superlative: 320 Millionen Anteilsscheine zum Ausgabepreis von 68 Dollar. Emissionserlös 21,8 Milliarden Dollar. Wenn Investmentbanken ihre Zeichnungsrechte ausüben, steigt das Volumen bis auf 25 Milliarden Dollar. Es ist damit der bisher größte Börsengang. Firmengründer Ma hatte zuletzt auch kräftig die Werbetrommel gerührt.

Der Andrang war seit dem Morgen gewaltig: Die Aktienbörse war mit Bannern des chinesischen Onlinekonzerns geschmückt, davor drängten sich die Journalisten, Händler und Offizielle um Firmengründer Jack Ma und sein Team. Das "Krokodil vom Jangtse" verzichtete jedoch darauf, persönlich die Börsenglocke zum Handelsstart zu läuten. Stattdessen ließ der Konzernchef acht Alibaba-Kunden den Vortritt, um das Firmenmotto "Customers first" symbolisch zu untermauern.

Alibaba beim Handelsvolumen größer als Amazon oder eBay

Noch nie hat ein Unternehmen bei seinem Aktiendebüt mehr Geld bei Investoren einsammeln können. Die bislang größten Börsengänge in den USA gelangen der Kreditkartenfirma Visa 2008, dem Autobauer General Motors bei seinem Neustart 2010 und Facebook im Jahr 2012. Weltweit liegt die Agricultural Bank of China bislang an der Spitze.

Alibaba ist beim tatsächlichen Handelsvolumen nach eigenen Angaben größer als Amazon oder Ebay. Zu den großen Handelsplätzen des Konzerns gehören die Plattformen Taobao, Tmall und Juhuasuan. 231 Millionen Käufer und acht Millionen Verkäufer wickelten hier im vergangenen Jahr Geschäfte über 248 Milliarden Dollar ab.

Alibaba außerhalb Chinas bislang fast unbekannt

Der chinesische Konzern wird an der Wall Street trotz seiner Größe ein Exot sein. Außerhalb Chinas war der Alibaba bislang vergleichsweise unbekannt. Die Konzernstruktur mit etlichen Beteiligungsverzweigungen und verstrickten Eigentumsverhältnissen ist für Außenstehende nur schwer zu durchblicken. Außerdem kritisieren Analysten die Machtballung im engen Führungszirkel um Gründer Jack Ma.

Trotzdem war die Nachfrage der Investoren nach den Aktien bereits im Vorfeld des Börsengangs so riesig, dass der Konzern das obere Ende der Preisspanne für seine Anteilsscheine am Dienstag erhöht hatte. Am Ende war der Ausgabepreis auf 68 Dollar festgelegt worden.

Mit Sondersendungen im Fernsehen und Sonderausgaben von Zeitungen waren Millionen Chinesen auf den Börsengang eingestimmt worden. Stunden vor dem erwarteten Aktiendebüt in New York verfolgten knapp 23 Millionen Nutzer Diskussionen um Chancen und Risiken von Alibaba auf Chinas größtem Mikroblog Sina Weibo. Gleichzeitig gab es jedoch auch Kritik. Wegen der strengen Kapitalverkehrskontrollen ist es den meisten Chinesen nicht möglich, Aktien im Ausland zu kaufen. Ein Nutzer kritisierte online: "Das ist doch paradox: Eine chinesische Firma geht an die Börse, und Chinesen können nicht mitbieten."

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang