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Adnewmedia: der Gerichtsvollzieher kommt

ISDN© Daniel Kühne / Fotolia.com

Die Meinungen über den Flatrate-Anbieter Adnewmedia gehen unter unseren Lesern weit auseinander. Michael S. (Name geändert) konnte seine persönlichen Erfahrungen allerdings so gut belegen, dass das Amtsgericht Stuttgart einen Vollstreckungsbescheid ausgestellt hat und nun der Gerichtsvollzieher in Schwerin erscheint. Ist dies nur ein Einzelfall, oder sind die Adnewmedia-Probleme Methode?

Wer in diesem Land eine Flatrate nutzen will, bestellt meistens T-DSL. Die Deutsche Telekom lässt den potentiellen Neukunden dann einige Zeit warten oder schickt das folgenschwere Urteil: T-DSL ist unter Ihrer Adresse nicht verfügbar. Es muss also ein andere Flatrate her. Nach dem Aus von Muchmoretele.com bleibt aber fast nur noch der Weg zu Adnewmedia, die ihre Dienste auch über ISDN-Leitungen anbietet.

Keine Einwahldaten, aber Geld weg

Vor Weihnachten häuften sich allerdings im Onlinekosten-Forum die Beschwerden über Adnewmedia. Kein Wunder, denn nach der Insolvenz von Internet Professionell suchten viele Geschädigte einen neuen Anbieter. Das kann einen kleinen Anbieter wie Adnewmedia durchaus in Bedrängnis, zumindest in erheblichen Verzug bringen.

Bei unvollständigen Anmeldedaten oder bei einer falschen Zuordnung des überwiesenen Geldes zum Kunden musste man extrem lange warten, oder die Anmeldung wurde gleich ganz abgebrochen. Doch sollten dies keine Einzelfälle bleiben, und bei Beschwerden müsste das Unternehmen Missverständnisse und Irrläufer umgehend aufklären. Wer jedenfalls die Anmeldegebühr und die Rate für den ersten Monat überwiesen hat, hat ein Recht darauf, diese zurückerhalten, wenn er von Adnewmedia nicht freigeschaltet wird.

Das lange Warten von Michael S.

Nach seiner Anmeldung im letzten Jahr hörte Michael S. plötzlich gar nichts mehr von Adnewmedia. Nachdem er allzu lange auf die heiß ersehnten Einwahldaten gewartet hatte, entschloss er sich, sein Geld zurückzufordern. Doch Adnewmedia schaltet seitdem auf stur. Nach Schwerin wurden Einschreiben, Briefe vom Rechtsanwalt, und ein Mahnbescheid vom Amtsgericht Stuttgart geschickt.

Schriftstücke von Adnewmedia sind bei unserem Leser allerdings keine eingegangen. Gesetzte Fristen ließ man verstreichen. Nach Aussagen des Anwalts von Michael S. hätte Adnewmedia lediglich seinen Mandaten freischalten oder den Betrag zurückzahlen müssen. Am 8. Mai ist nun vom Amtsgericht Stuttgart ein Vollstreckungsbescheid ausgestellt worden. Zu den 229,90 Euro hat das Gericht nochmal 62,53 Euro an Gebühren und Auslagen aufgeschlagen.

Der Briefkasten von Adnewmedia

Nicht nur, dass einige Leser übereinstimmend berichten, dass Einschreiben an Adnewmedia zurückgekommen sind, weil sie erstens nicht persönlich übergeben werden konnten und dann von der zuständigen Postfiliale nicht abgeholt wurden, auch das Gericht hatte Probleme, seine Post zuzustellen. Bei der Übergabe des Mahnbescheids ist es zu unerwarteten Verzögerungen gekommen, die das Gericht nicht näher benennt, gegenüber Michael S. auch nicht näher benennen muss.

Letztlich hat das Gericht doch noch die sogenannte Post-Zustellungsurkunde erhalten, die auch ausgestellt wird, wenn die Zustellung "per Niederlegung" erfolgt. In einem solchen Fall wird das Schreiben eingeworfen und außen ein Aufkleber befestigt, der auf den Inhalt hinweist. Ob Adnewmedia also nun das Schreiben aus dem Briefkasten genommen und gelesen hat, ist uns nicht bekannt. Das Geld wurde an Michael S. jedenfalls nicht zurückgezahlt.

Fazit: Einzelfall oder Methode?

Dem Fall von Michael S. stehen aber auch einige positive Beispiele gegenüber. So berichtet uns eine Leserin von ihrer unkomplizierten Kündigung bei Adnewmedia. Eine Anfrage nach den Kündigungsbedingungen am Wochenende wurde am Montag prompt mit einem Rückruf beantwortet. Die Deaktivierung geschah dann innerhalb weniger Stunden. Adnewmedia rechnet außerdem bei einer Kündigung auf den Tag genau ab, es wird nicht noch einmal ein voller Monat erhoben. Bei einer Wiederanmeldung sollen auch die Anmeldegebühren entfallen.

Adnewmedia ist umstritten. Unter unseren Lesern, die sich auch als Adnewmedia-Kunden zu erkennen geben, aber auch in unserer Redaktion. Wir führen Adnewmedia nicht mehr in unserer Datenbank, weil wir nicht davon überzeugt sind, diesen Anbieter guten Gewissens empfehlen zu können. Ein umfassendes Bild lässt sich von Adnewmedia allerdings nicht zeichnen, aber der Fall von Michael S. lässt für weitere Problemfälle Schlimmes ahnen.

(Peter Giesecke)

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