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Abbruch der VDSL-Verhandlungen - VATM übt Kritik

Es werde von der Telekom versucht, sich strategische Vorteile im VDSL-Markt zu sichern. Die seit vielen Monaten laufenden Verhandlungen würden dadurch ad absurdum geführt, beklagt VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

04.08.2009, 16:25 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Schnelles Internet auf Basis von VDSL (DSL 50000) soll für die Deutsche Telekom zu einem Zugpferd werden. Mit Hilfe zügiger Übertragungsraten will der Bonner Konzern zum Beispiel das Internet TV und das Bundesliga-Fernsehen Liga Total auf die Überholspur bringen. Das funktioniert nach Telekom-Angaben aber nicht im Handumdrehen. Insbesondere teure Grabungsarbeiten bei der Verlegung von Glasfaserleitungen sorgen dafür, dass das Unternehmen um Konzernchef René Obermann einen gewissen Innovationsvorsprung bei der Vermarktung von VDSL-Produkten erwartet.
VATM mit scharfer Kritik
Trotzdem hatte der ehemalige Monopolist mit einigen Konkurrenten über die Mitnutzung von Kabelkanälen und den Zugang zu Multifunktionsgehäusen verhandelt. Auch, um einer möglichen Regulierung durch die Bundesnetzagentur aus dem Weg zu gehen. Aufgrund stark unterschiedlicher Preisvorstellungen hatte die Telekom am Montag jedoch bekannt gegeben, beim Regulierer entsprechende VDSL-Nutzungsentgelte zu beantragen. Nach eigenen Angaben, um die Wettbewerber bei der Investition in den Breitbandausbau zu "unterstützen".
Für den Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) ist das ein Schlag ins Gesicht. VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner geht mit dem Telekom-Vorgehen scharf ins Gericht. "Was die Telekom [...] als 'Unterstützung der Wettbewerber beim Infrastrukturausbau' darzustellen versuchte, macht alle Versuche zunichte, auf vertraglicher Basis einen möglichst weitgehenden Konsens zwischen den Marktteilnehmern zu erzielen." Es werde versucht, sich strategische Vorteile im Markt zu sichern. Die seit vielen Monaten laufenden Verhandlungen würden dadurch ad absurdum geführt.
Der VATM und seine Mitglieder wurden von dem Telekom-Vorstoß offenbar überrascht. Bereits im März sei ein Vorschlag zu technischen Rahmenbedingungen in Sachen Breitbandausbau ausgearbeitet und bei der Telekom vorgelegt worden. In Bonn sei dieser Vorschlag als durchaus diskussionswürdig betrachtet worden und am 20. August hätte weiter verhandelt werden sollen. "Durch den jetzt faktischen Abbruch weiterer VDSL-Verhandlungen durch die DTAG werden zahlreiche Unternehmen nun gezwungen sein, ihrerseits Anträge auf eine für sie sinnvolle Zusammenschaltung bei der Bundesnetzagentur einzureichen", kritisiert Grützner.
Telekom gewinnt Zeit
Für die Telekom bedeutet das vor allem eins: Zeit. Zeit, in der sie weiterhin exklusiv ein schnelles Glasfaser-Netz betreiben und auf VDSL-Resale-Produkte setzen kann. Dafür kann sie von Konkurrenten für jeden vermittelten Kunden für Produkte wie Vodafone VDSL, 1und1 VDSL, Alice VDSL oder o2 VDSL eine monatliche Mietzahlung verlangen.

(Hayo Lücke)

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