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3.000 Jobs futsch: Nach BenQ-Desaster taumelt weitere Siemens-Tochter

Mit dem Bankrott von BenQ endete die einstige Siemens-Handysparte 2006 im Desaster. Damit es bei der Ausgründung von Unify besser läuft, hatte Siemens seine Tochter aufwändig saniert und dann 51% veräußert. Seither wurden tausende Stellen gestrichen, mehrere Bosse gaben sich die Klinke. Jetzt droht ein weiterer Kahlschlag. Die Gewerkschaft IG Metall mahnt Siemens-Chef Joe Kaeser öffentlich ab.

28.06.2014, 15:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Umbau und Stellenstreichungen - die frühere Siemens-Sparte Unify steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Die Beschäftigten machen Front gegen die Pläne und fordern Hilfe vom Miteigentümer Siemens.

Betriebsrat: "Wir möchten Sie eindringlich an Ihre Verantwortung erinnern"

Die Beschäftigten der früheren Siemens-Sparte Unify wehren sich gegen den angekündigten Kahlschlag und fordern vom Miteigentümer Siemens Unterstützung. "Wir möchten Sie eindringlich an Ihre Verantwortung als Eigentümer von Unify erinnern", schrieben Vertreter des Unify-Gesamtbetriebsrats und der IG Metall in einem am Freitag veröffentlichten Brief an Siemens-Chef Joe Kaeser sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme. "Wir bitten Sie hiermit, umgehend mit uns über eine tragfähige Zukunftsperspektive zu sprechen."

Unify hatte einen tiefgreifenden Umbau angekündigt, bei dem etwa die Hälfte der weltweit der zuletzt rund 7.700 Arbeitsplätze gestrichen werden soll, wie das auf Firmentelefon-Lösungen spezialisierte Unternehmen Anfang Juni bekanntgab. Mit dem Umbau solle Unify verschlankt und an veränderte Markterfordernisse angepasst werden, hieß es.

Nur noch 9 von 43 Standorten sollen übrig bleiben

Die Arbeitnehmervertreter dagegen sprechen von einer Zerschlagung. Von 43 Standorten sollten nur noch neun übrig bleiben und die Zentrale in die Schweiz verlegt werden, hieß es in dem offenen Brief. "Die Entwicklung, der Service und große Teile des Vertriebs werden angeblich nicht mehr benötigt. Für uns bedeutet dies in erster Linie, dass die Eigentümer von Siemens und Gores sowie das Management nicht oder nicht mehr an die Zukunft von Unify glauben." Dies werde man nicht kampflos hinnehmen. Bei dem Unternehmen war am Freitagnachmittag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Unify ist aus der früheren Siemens-Sparte Enterprise Communications hervorgegangen und gehört noch zu 49 Prozent Siemens, die übrigen 51 Prozent hält die amerikanische Gores Group. Unter der Führung von Siemens hatte das Unternehmen zeitweise rund 17.500 Beschäftigte. Um ein weiteres Desaster wie beim Handyhersteller BenQ Mobile zu vermeiden, hatte Siemens die einstige Tochter vor dem Mehrheitsverkauf im Jahr 2008 noch aufwändig saniert und mit frischem Kapital ausgestattet. Seither wurden tausende Stellen gestrichen, auch mehrere Chefwechsel durchlief Unify.

(Michael Frenzel)

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