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25 Jahre Preisverfall im Mobilfunkmarkt

Vor 25 Jahren wurde die erste GSM-Lizenz an private Netzbetreiber vergeben. Der Startschuss für Wettbewerb im Mobilfunkmarkt war das Ende des Monopols der Deutschen Bundespost, Abteilung Fernmeldewesen. Handys ersetzten die zuvor koffergroßen Funktelefonapparate.

05.12.2014, 14:33 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Handys und Smartphones gehören heute zum Alltag. Täglich telefonieren heute Menschen in Deutschland rund 303 Millionen Minuten mobil. Gigantische 395 Millionen Gigabyte beträgt der mobile Datenverkehr 2014.

Milliarden in das private Mobilfunknetz investiert

Der Startschuss für die Liberalisierung des Mobilfunkmarktes fiel vor 25 Jahren. Das Düsseldorfer Unternehmen Mannesmann Mobilfunk, eine Tochter des Stahlkonzerns Mannesmann und heutige Deutschland-Niederlassung von Vodafone, erhielt am 7. Dezember 1989 die erste Lizenz für den Betrieb eines privaten Mobilfunknetzes. Damals hatte die Bundesregierung unter Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling erstmals Wettbewerb zum Monopolisten Deutsche Bundespost erlaubt – wenngleich zunächst nur im damals sehr kleinen Teilmarkt Mobilfunk. Für Mannesmann D2 leistete Harald Stöber, der später 13 Jahre lang auch Vizepräsident des VATM war, hier Pionierarbeit und gestaltete den Marktstart des D2-Netzes wesentlich mit.

Heute herrscht harter Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt mit etwa 150 konkurrierenden Marken. Allein Vodafone hat seit dem damaligen Lizenzerwerb bereits mehr als 23 Milliarden Euro in sein deutsches Netz investiert. Durch den digitalen Mobilfunk entstanden nach Vodafone-Berechnungen mehr als 100.000 neue Arbeitsplätze. Denn im Umfeld der Mobilfunktechnik entwickelte sich über die Jahre eine vielfältige moderne Industrie, die von Entwicklern, Herstellern und Zulieferern bis hin zu Vertriebspartnern und Dienstleistungsunternehmen reicht.

"Die erste GSM-Lizenzvergabe an einen privaten Netzbetreiber hatte eine entscheidende Bedeutung für die totale Veränderung des Telekommunikationsmarktes in Deutschland. Die Erfolgsstory des GSM-Systems auf dem Gebiet des Mobiltelefons und der Wettbewerb zwischen den Monopolunternehmen und privaten Anbietern führten zugleich zur Spitzenposition Europas. Die damaligen Ziele der Reformgesetzgebung, wie technische Innovationen und Erreichung des Massenmarktes mit niedrigeren Verbraucherpreise, sind erreicht worden", so der ehemalige Bundespostminister Christian-Schwarz Schilling.

Zehn Millionen Mobilfunknutzer erschienen utopisch

Telekommunikations-Experte Torsten J. Gerpott, Professor an der Universität Duisburg-Essen, erinnert sich: "In der Planung gingen wir 1989 von rund 10 Millionen aktivierten SIM-Karten zum Jahresende 2000 aus. Wir wurden damals als 'Spinner' ausgelacht. Tatsächlich gab es dann Ende 2000 über 48 Millionen SIM-Karten in Deutschland. Zu diesem so nicht erwarteten Erfolg hat entscheidend die Öffnung des Mobilfunks für Wettbewerb zunächst durch Vodafone und später durch zwei weitere Netzbetreiber, heute o2 und E-Plus, beigetragen."

Gerpott war damals Mitglied eines Beraterteams, das für einen der zahlreichen GSM-Lizenzbewerber die Geschäftsplanung erarbeitete. "25 Jahre nach der ersten Lizenzerteilung an einen privaten Konkurrenten der Telekom stehen wir heute an der Schwelle zur Vernetzung der Alltagswelt. Auf dem Weg zu einem 'Internet der Dinge' werden zukünftig Mobilfunknetze eine entscheidende Rolle spielen", lautet sein Ausblick.

Smartphones und die rasante Verbreitung des mobilen Internets lassen zudem neuartige mobile Anwendungen entstehen – von Musik über Spiele und Videoclips bis hin zu TV-Angeboten auf dem Handy. Die Infrastruktur der Mobilfunknetze wird von zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen (Versicherungen, Automotive, Maschinenhersteller, Energie, Gesundheitswesen, Verkehr und Logistik usw.) genutzt. "Eine starke Netzinfrastruktur ist im digitalen Zeitalter der entscheidende Rohstoff der Wirtschaft, damit Deutschland im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleibt", meint denn auch Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum.

Luxusgut Mobilfunk wurde für die breite Bevölkerung erschwinglich

Die Vision vor 25 Jahren war, das Luxusgut Mobilfunk – zum Start des D-Netzes 1992 kostete ein Handy noch rund 3.000 Mark - für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich machen. Das ist gelungen. Durch den digitalen Mobilfunk konnten auch Daten und Schrift übertragen werden. 1993 kam die erste Lizenz für das E-Netz für E-Plus hinzu, 1997 für Viag Intercom (heute o2).

Auch beim Ausbau des Breitband-Internets für ganz Deutschland und für Haushalte und Betriebe in ländlichen Regionen deckt Mobilfunk "weiße Flecken" ab. Der Weg zum Breitbandziel führt über einen Technologiemix aus Festnetz, Kabel, Mobilfunk und Satellit.

VATM-Präsident Witt will Digitale Dividende 2 schnell und zu fairen Konditionen

"Die Geschichte des innovativen Mobilfunks in Deutschland ist eine Erfolgsstory. Damit das so bleibt, müssen jetzt schnellstmöglich die richtigen Weichen für die ultraschnellen mobilen Netze der Zukunft gestellt werden. Wir brauchen die Digitale Dividende 2 und wir brauchen Sie schnell und zu fairen Konditionen", so VATM-Präsident Martin Witt. In Bezug auf die laufende Debatte um die Verwendung der Versteigerungserlöse unterstreicht er: "Die Vergabe der Lizenzen und die Verwendung der Erlöse für den Breitbandausbau müssen unbedingt wettbewerbskonform erfolgen. Wir brauchen ein Verfahren, dass nicht am Ende zu Wettbewerbsverzerrungen führt, indem die Fördergelder am meisten dem Ex-Monopolisten zugutekommen."

Während sein Fazit im Mobilfunk sehr positiv ausfällt, kritisiert VATM-Präsident Martin Witt, dass die Telekom im Festnetz nach wie vor über 40 Prozent Umsatzanteil verfügt. Zudem ist der Bonner Konzern im Besitz von rund 98 Prozent der Teilnehmeranschlussleitungen bis zum Endkunden.

Zahlen zum Mobilfunkmarkt stehen in der aktuellen VATM-TK-Marktstudie 2014 zur Verfügung.

(Michael Frenzel)

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