News

21C3-Nachlese: Hacker auch mal Offline

Auf dem 21. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs drehte sich längst nicht alles um Cracks, Computer und Code.

08.01.2005, 09:54 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Geeks, Nerds, Hacker – für die Besucher des 21. Chaos Communication Congress gibt es viele Bezeichnungen. Allerdings dreht sich auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs längst nicht alles um Cracks, Computer und Code.
Schlösser knacken
Die größte Ausnahme vom Alltag des durch dunkle Räumen und Computersurren geprägten Kongresses stellen wohl die Lockpicker dar. Die Sportsfreunde der Sperrtechnik haben am Rand der Veranstaltung wieder ihre Skills unter Beweis gestellt - aber nicht an Servern, sondern Schlössern. Mit Geschick, etwas Handwerkszeug und vor allem viel Erfahrung versuchen die Schlossknacker, alltägliche Sicherheitstechnik zu überwinden. Dass es dabei lustig zugeht, beweisen die geröteten Gesichter, angekratzten Stimmen und müden Augen am Ende des Kongresses.
Große Augen gab es stellenweise, wenn die schnellsten Knacker zeigten, wie einfach und fix man mit ein paar Tools physische Barrieren überwinden kann – auch digital geht’s selten schneller. Ein richtiges Highlight für die Besucher gab es allerdings erst am dritten und letzten Messetag. Dann wurden auch Ungeübte in die Kunst des Schlösserknackens eingeweiht und konnten sich im Öffnen von einfachen Schließwerken probieren. Auch unser Redakteur war mehr oder minder erfolgreich – zumindest bei zwei der vorhandenen Testschlösser war er erfolgreich. Neben den Aktivitäten im Schließbereich gab es auch noch Kunstwerke der ganz anderen Art zu bestaunen. Im Foyer des Berliner Kongresszentrums stellte der Erfinder des mechanischen Pongs sein Werk aus – allerdings war das Spielgerät schon nach kurzer Zeit defekt und schien damit dem großen Ansturm nicht unbedingt gewachsen.
Blinkende Lichter
Für fulminante Lichtspiele sorgten die Blinkenlights, LEDs oder Glühbirnen, die von einem Mikrocontroller kontrolliert schöne Muster hervorbrachten. Besonders imposant: In tagelanger Kleinarbeit rüsteten die Blinkenlights-Macher wieder das zum Kongresskomplex gehörende "Haus des Lehrers" mit der Technik aus und zauberten die Lichteffekte auf die Fensterfront des Hochhauses.
Die Tagungsstätte selbst lag zumindest im Untergeschoss permanent im Halbdunkel – dort fühlten sich die auch ansonsten licht- und kamerascheuen Teilnehmer offenbar am wohlsten. Tagelang saßen sie dort vor ihren Laptops und wagten sich nur ungern ins Licht der Öffentlichkeit. Nicht umsonst hingen an den Wänden "Bitte Duschen!!!"-Schilder. Denn das Kongresszentrum in der Hauptstadt war nicht nur Arbeits- sondern auch Schlafraum für viele der Besucher. Davon zeugten die Schlafsäcke und Isomatten, die in abgelegenen Winkeln ausgebreitet waren.
Der 21. CCC-Congress war kurz vor dem Jahreswechsel definitiv noch einmal ein Highlight 2004. Zwar kann man die Vorträge bald auch Online auf den Seiten des CCC beziehen, die Atmosphäre allerdings und vor allem die netten Gespräche, die sich mit den Teilnehmern ergaben, sind nicht durch keinen Computermonitor zu ersetzen.

(Sven Wagenhöfer)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang