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100 Euro: 1&1 kauft wieder Power-User raus

DSL-Provider aus Montabaur will Flatrate-Nutzer, die regelmäßig über 20 Gigabyte im Monat an Traffic verursachen, aus seinem Kundenstamm aussortieren.

1&1© 1&1
Das Internet ist eine feine Sache. Gerade dann, wenn das weltweite Datennetz mit einem schnellen DSL-Anschluss und einer Flatrate durchstöbert werden kann, macht die Angelegenheit so richtig Spaß. Auch 1&1 bietet seit geraumer Zeit DSL-Flatrates an, seit April sogar zum Discountpreis ab 6,99 Euro monatlich.

Mal ganz ehrlich...

Nun stellt sich allerdings die Frage, wie 1und1 den Begriff "Flatrate" definiert. Zum Pauschaltarif surfen, schön und gut, alle Kunden sollen das künftig aber offensichtlich nicht mehr können – zumindest nicht über das 1&1-Netz. Seit einigen Tagen sehen sich nämlich zahlreiche Kunden des DSL-Anbieters aus Montabaur mit Anrufen und E-Mails aus dem Hause der United-Internet-Tochter konfrontiert. Darin wird den überraschten Flatrate-Nutzern ein Wechsel zu einem anderen Provider nahe gelegt. Als Entschädigung winken 100 Euro.

Die Begründung: Man sei davon ausgegangen, dass die Nutzer "zwar rund um die Uhr online sind, dass das übertragene Daten-Volumen aber nur gelegentlich über 20GB/Monat liegen würde." Aufmerksame Leser von onlinekosten.de werden sich erinnern: Schon einmal, vor knapp 15 Monaten, startete 1&1 die gleiche Aktion, um unliebsame Poweruser loszuwerden. Nun scheint das Unternehmen seinen Kundenstamm erneut genauer unter die Lupe genommen zu haben. Diejenigen Nutzer, die am Ende mehr Geld kosten, als über die monatlichen Grundgebühren eingespielt werden kann, sollen aus den eigenen Reihen gekegelt werden.



Besonders heikel: Stimmt der Nutzer der vorzeitigen Vertragsauflösung zu, verpflichtet er sich damit, bei gleichbleibendem Nutzungsverhalten nie mehr einen DSL-Flat-Tarif von einem United-Internet-Unternehmen zu strapazieren. Das heißt, auch ein Wechsel zu GMX bleibt ihm verwehrt. Dies geht aus mehreren Kündigungs-Schreiben von 1&1 hervor, die unserer Redaktion vorliegen.

Stellt sich die Frage, wie 1&1 zu der neuerlichen Bereinigung der Kundenstruktur steht. 1&1 bestätigte auf Anfrage, dass in den vergangenen Tagen mehrere Kunden für ein "Beratungsgespräch" angerufen worden seien. Die genaue Zahl der betroffenen Kunden wollte man allerdings nicht nennen. Das Unternehmen verwies darauf, dass nur Kunden kontaktiert worden seien, die über einen der alten Flatrate- oder Staffel-Tarife online gehen. Nicht betroffen sind danach Kunden der neuen City- oder Deutschland-Flats.

Flat oder nicht?

Deutlich wehrt sich 1&1 gegen den Vorwurf, mit den ergriffenen Maßnahmen eigentlich keine echte Flatrate anzubieten. Weder intern noch extern nutze man bei United Internet den Begriff "Poweruser" und auch die Grenze von 20 Gigabyte im Monat gebe es nicht. Warum steht das dann so in den Briefen? Der Wert gelte als durchschnittliches Übertragungsvolumen aller DSL-Nutzer, heißt es dazu. Für die Flatrate selbst habe er allerdings keine Bedeutung. Der Pauschaltarif werde weder im Gigabyte-Volumen noch durch technische Maßnahmen in der Nutzung eingeschränkt.

Internetsurfer mit stark überdurchschnittlichem Übertragungsvolumen möchte man in Montabaur allerdings tatsächlich nicht haben. Der im Kündigungsschreiben hinterlegte Passus, dass bei gleichbleibender Nutzung keine andere Flatrate aus der United Internet-Gruppe bestellt werden dürfe, sei verpflichtend. Wer jetzt 100 Euro kassiert und später doch wieder zu 1&1, GMX oder Schlund wechselt und dann wieder mit überdurchschnittlicher Nutzung auffällt, läuft Gefahr, fristlos von 1&1 gekündigt zu werden.

Verträge laufen weiter

Nutzer, die nicht auf das 100-Euro-Wechselangebot eingehen möchten, können ihren Vertrag zu den bestehenden Konditionen weiternutzen. Zu Preiserhöhungen, die einigen Lesern nach eigenen Angaben angedroht wurden, werde es nicht kommen. Auch soll es keine weiteren Erinnerungsschreiben seitens 1&1 geben.

(Hayo Lücke)

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