Nach Drillisch-Euphorie

1&1-Mutter United Internet gewinnt weniger Neukunden als erwartet

United Internet hatte die Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal für den 15. Mai geplant. Nach der Bekanntgabe der angestrebten Drillisch-Übernahme gab es die Quartalszahlen dann doch schon früher. Diese brachten etwas Ernüchterung.

Jörg Schamberg, 15.05.2017, 09:35 Uhr (Quelle: DPA)
1&1United Internet hatte im ersten Quartal 2017 mit Marken wie 1&1 einen schwächeren Jahresstart als gedacht.© 1&1

Montabaur - Leichte Enttäuschung nach der Euphorie um die Drillisch-Übernahme: Der Telekomkonzern United Internet, Mutterkonzern von 1&1 (www.1und1.de/dsl Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) ist unerwartet schwach ins Jahr gestartet. Der Umsatz legte nur leicht zu, und auch beim operativen Ergebnis schnitt das Unternehmen nicht so gut ab wie gedacht.

Anstieg bei Neukunden und Umsatz geringer als erwartet

Konzernchef Ralph Dommermuth musste den Anlegern mit den am Freitagabend überraschend vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal etwas Wasser in den Wein gießen. Die Anzahl der Vertragskunden wuchs im ersten Quartal aus eigener Kraft um 190 000 - davon waren 140.000 Mobilfunkverträge sowie 10.000 DSL-Verträge. Im Geschäftsbereich "Applications", zu denen auch die E-Mail-Dienste Web.de und GMX gehöhren, meldete der Konzern 40.000 kostenpflichtige Verträge sowie 270.000 werbefinanzierte Free-Accounts. Analysten hatten mit deutlich mehr Neukunden gerechnet.

Der Umsatz kletterte um 2,1 Prozent auf 989,2 Millionen Euro. Das war ebenfalls weniger als erwartet. Belastet wurde der Umsatz im Wesentlichen von zwei Effekten: Zum einen fallen die EU-Roaminggebühren schrittweise weg, zum anderen hatte die Bundesnetzagentur im Dezember einen Schnitt bei den Entgelten für die Durchleitung von Anrufen aus fremden Netzen gemacht.

Gewinn kletterte um 6 Prozent auf 215 Millionen Euro

Aber auch daneben lief nicht alles rund: Das Geschäft mit Werbeanzeigen auf Internetseiten entwickelte sich schlechter als geplant, dazu dämpfte das Projektgeschäft der Glasfasertochter Versatel. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen steigerte das TecDax-Schwergewicht den Gewinn um sechs Prozent auf 215 Millionen Euro, was ebenfalls etwas weniger war als am Markt erwartet.

Unter dem Strich musste Dommermuth erneut Abstriche machen, weil die Aktien des Start-up-Brutkastens Rocket Internet im ersten Quartal weiter an Wert verloren. United Internet ist mit 8 Prozent an Rocket Internet beteiligt. Schon vor einem Jahr hatte das über Wertminderungen deutlich ins Kontor geschlagen, diesmal fiel die Abschreibung mit 19,8 Millionen Euro jedoch deutlich erträglicher aus als im Vorjahr mit fast 157 Millionen.

Je Aktie machte United Internet einen Gewinn von 46 Cent - bei 205 Millionen Aktien rechnerisch rund 94 Millionen Euro nach fast 56 Millionen Euro Verlust ein Jahr zuvor. Sondereffekte jeweils ausgeklammert hätte der Gewinn um rund 10 Prozent zugelegt.

800.000 neue Vertragskunden bis Ende 2017?

Den Ausblick bestätigte das Management. Der Umsatz soll im Gesamtjahr um 7 Prozent auf dann rund 4,2 Milliarden Euro steigen, das operative Ergebnis um 12 Prozent - das wären gut 940 Millionen Euro. Im Jahresverlauf sollen 800.000 Vertragskunden dazukommen, ohne den Zukauf des Webhosters Strato gerechnet, für den Dommermuth der Telekom rund 600 Millionen Euro zahlt.

Am Freitag hatte United Internet (1&1, GMX, Web.de) angekündigt, den Rivalen und Mobilfunkanbieter Drillisch (Smartmobil, Yourfone) in einem Milliardendeal übernehmen zu wollen. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth will so eine starke vierte Kraft im deutschen Telekommarkt neben den Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland etablieren.

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