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1&1-Chef: Kunden akzeptieren DSL-Drosselung

Die Telekom steht wegen ihren Drosselungsplänen in der Kritik, 1&1 bietet dagegen schon seit Jahren problemlos einen gedrosselten DSL-Tarif an. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth erklärte gegenüber dem "Wall Street Journal", dass Kunden eine Drosselung durchaus akzeptieren.

22.05.2013, 16:08 Uhr
1&1© 1&1

In den vergangenen Wochen stand die Deutsche Telekom wegen ihrer Drosselungs-Pläne für Festnetz-Flatrates im Kreuzfeuer der Kritik. Doch wirklich neu ist eine Reduzierung der nutzbaren Bandbreite bei DSL-Anschlüssen nicht. Und verkauft ein Provider seinen Kunden das Konzept richtig, führt es auch nicht zu breitem Protest. "Geschwindigkeits-Drosselung gibt es bei unserem Einsteigertarif schon seit Jahren", erklärte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth gegenüber dem "Wall Street Journal" (WSJ).

1&1: Gedrosselter Tarif ist günstiger

Dommermuth bezieht sich auf den Tarif Surf & Phone Flat Special, der schon lange unter der Marke 1&1 angeboten wird. In den ersten 24 Monaten zahlen Neukunden einen reduzierten Preis von 19,99 Euro statt 29,99 Euro. "Die Akzeptanz bei den Kunden für eine Drosselung ist durchaus da", so der United-Internet-Chef.

Allerdings ist 1&1 bei der Vermarktung des Tarifs auch anders vorgegangen als der Bonner Konzern. Die Telekom führt ab 2016 Bandbreiten-Beschränkungen zusätzlich zu bestehenden Einschränkungen für VDSL- und Glasfaseranschlüssen erstmals auch für alle DSL-Internetzugänge ein. Die Tempobremse gilt für DSL-Einsteigertarife wie Call & Surf Comfort nach einem verbrauchten Datenvolumen von 75 Gigabyte (GB) im Monat, nutzen lassen sich dann bis zum Ende des Monats lediglich 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s).

Drosselung nach 100 GB auf 1 Mbit/s

1&1 dagegen wendet die Drosselung nur bei seinem bis zu 16 Mbit/s schnellen Einstiegstarif an. Statt bei 75 GB wird die nutzbare Download-Bandbreite erst ab 100 GB reduziert. "Für den Normalverbraucher sind 100 GB in der Regel völlig ausreichend", erklärt Dommermuth. Die Surfgeschwindigkeit liegt bei dem 1&1-Tarif aber selbst gedrosselt noch bei bis zu 1 Mbit/s. Uploads erfolgen mit bis zu 128 Kbit/s, regulär lassen sich in dem Tarif ansonsten 1.024 Kbit/s nutzen. Kunden haben zudem die Wahl zwischen dem einen gedrosselten, dafür aber günstigeren Tarif und den ungedrosselten Standardtarifen. Telekom-Vielsurfer müssen dagegen mit einer Preiserhöhung von bis zu 20 Euro rechnen, wenn sie ab 2016 weiterhin mit voller Bandbreite im Netz unterwegs sein wollen. Die Preise für Normalnutzer sollen dagegen stabil bleiben. Eine Preissenkung für gedrosselte Tarife hat die Telekom bislang nicht angekündigt.

VDSL-Tarife verkaufen sich gut - 1&1 setzt auf Vectoring-Anschlüsse der Telekom

Der 1&1-Chef sieht trotz des günstigen DSL-Einstiegstarifs einen Trend hin zu Anschlüssen mit höheren Bandbreiten. "Unseren schnellsten Internetanschluss mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde verkaufen wir sehr gut", so Dommermuth. Eine Drosselung gibt es bei dem Highspeed-Angebot 1&1 Doppel-Flat 50.000 nicht, in den ersten 24 Monaten zahlen Neukunden zudem nur 29,99 Euro statt 39,99 Euro.

Während Kritiker der Telekom vorwerfen, den eigenen Dienst Entertain im Rahmen der neuen Bandbreitenpolitik zu bevorzugen, setzt 1&1 auf das Prinzip der Netzneutralität: "Wir unterscheiden beim Datenverkehr nicht zwischen eigenen und fremden Diensten." Dennoch bleibt die Telekom ein wichtiger Kooperationspartner für United Internet, 1&1 greift unter anderem auf die Infrastruktur des ehemaligen Monopolisten zurück. "Wir haben schon vor einem Jahr mit der Telekom einen Kontingent-Vertrag abgeschlossen. Wir setzen darauf, dass es mit dem Vectoring jetzt schnell geht", betont Dommermuth.

(Jörg Schamberg)

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