Big Brother Awards
Computer Sicherheit© Jürgen Fälchle / Fotolia.com

"Big Brother Awards": Negativpreis für Datenkraken und Überwachung

Mit den "Big Brother Awards" werden in mehreren Ländern regelmäßig Datensünder und Datenkraken in Politik und Wirtschaft 'ausgezeichnet'. Die Riege der bisherigen Preisträger in Deutschland in diversen Kategorien ist prominent besetzt.

Die Privatsphäre und der Datenschutz haben einen hohen Rang. Dennoch werden diese durch dreiste Datensünder und rücksichtslose Datenkraken in Politik und Wirtschaft immer wieder verletzt. Um ein solches Vorgehen in das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu rücken, werden international in bis zu 19 Ländern die Negativpreise "Big Brother Awards" an Firmen, Organisationen und Personen verliehen. Der Startschuss der auch als "Oscars für Überwachung" bezeichneten Preise fiel 1998 in London.

Deutsche "Big Brother Awards" werden seit 2000 verliehen

Hierzulande gibt es die "Big Brother Awards", deren Name auf George Orwells Roman "1984" zurückgeht, seit dem Jahr 2000. Stifter und Ausrichter in Deutschland ist der gemeinnützige Verein Digitalcourage e.V. aus Bielefeld. Unterstützt wird das Projekt als Mitveranstalter unter anderem auch vom Chaos Computer Club e.V. (CCC), der Deutschen Vereinigung für Datenschutz e.V. (DVD) und der Internationalen Liga für Menschenrechte e.V. (ILFM).

Verlieren "Big Brother Awards" an Unterstützung?

Die Zahl der Preisverleihungen von teilnehmenden Länder ging in den vergangenen Jahren zunehmend zurück. Gab es 2003 in 14 Ländern Verleihungen von "Big Brother Awards", so fanden 2017 Verleihungszeremonien nur noch in den fünf Ländern Deutschland, Österreich, Niederlande, Belgien und die Tschechische Republik statt. In Deutschland werden die "Big Brother Awards" jährlich im Frühjahr vergeben, nur 2010 gab es keine Preisverleihung. Der Preis ist eine Tonstatue ohne Gesicht, die auf einem Sockel steht. Ein auf einer Glasplatte eingebrannter Zahlenstrom durchtrennt die Statue. Ein Rückgrat hat die Statue nicht – und verdeutlicht damit recht deutlich die Kritik an den jeweiligen Preisträgern.

Nominierungen für "Big Brother Awards" können von jedermann vorgeschlagen werden

Jeder kann per Post, Mail oder Kontaktformular auf der Webseite bigbrotherawards.de jeweils bis zum Ende des Vorjahres Vorschläge machen, welche Firmen, Behörden und Personen für die "Big Brother Awards" nominiert werden sollen. Eine mehrköpfige Jury mit Vertretern von Digitalcourage und der oben genannten Mitveranstalter entscheidet über die Preisvergabe. Die "Big Brother Awards" werden in mehreren Kategorien wie Behörden, Politik, Bildung, Arbeit, Wirtschaft, Verbraucherschutz und Technik vergeben. Darüber hinaus gibt es aber auch tadelnde Erwähnungen.

Wer erhielt bereits einen "Big Brother Award"?

Die "Sieger" der Überwachungs-Preise sind bunt gemischt. So wurde 2017 beispielsweise der IT-Branchenverband BITKOM 'ausgezeichnet', weil er Big Data unkritisch promotet habe. Die Bundeswehr und die Bundesverteidigungsministern Ursula von der Leyen bekamen den "Big Brother Award" in der Kategorie Behörden für die "massive digitale Aufrüstung" in Form des "Kommando Cyber- und Informationsraum", mit der die Truppe fit werde für den Cyberkrieg und militärische Cyberangriffe auf IT-Systeme anderer Staaten. "Big Brother Awards" gingen in der Vergangenheit zudem an den Verfassungsschutz, an den Bundesnachrichtendienst, an Amazon Logistik, RWE, LG und zahlreiche mehr. Mit früheren Preisverleihungen haben die Organisatoren beispielsweise auf die Payback-Karte als Datensammelkarte, auf die Machenschaften beim Mautsystem von TollCollect oder die Überwachung von Lidl-Angestellten hingewiesen. Alle Preisträger finden sich online auf der Homepage der "Big Brother Awards".

"Big Brother Awards" als Chance und Gesprächsangebot

Nicht jeder Ausgezeichnete freut sich über die zweifelhafte Ehre einen "Big Brother Award" zu erhalten. Kaum jemand hat den Preis beispielsweise tatsächlich auch entgegengenommen. Zu den wenigen gehören nach Auskunft der Organisatoren die Deutsche Telekom, Microsoft und Zensus. Der Preis solle aber eigentlich auch ein Gesprächsangebot sein: Die ausgezeichneten Unternehmen, Behörden und Organisationen sollen eine Chance auf Besserung erhalten und mit Datenschützern ins Gespräch kommen.

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