Tarifwissen

Kostenfalle Datenautomatik: Wie kann man sie vermeiden?

Seit einiger Zeit gibt es ein Verfahren bei vielen Mobilfunkern, das wenig verbraucherfreundlich ist. Es nennt sich Datenautomatik und sorgt dafür, dass bei einem Handytarif automatisch Datenvolumen nachgebucht wird – und bezahlt werden muss. Wie funktioniert das genau und wie kann man diese Kostenfalle vermeiden?

Mobiles Internet© ra2 studio / Fotolia.com

Das Prinzip der Datenautomatik ist immer das gleiche, auch wenn es im Detail Abweichungen gibt und die Bezeichnungen auch unterschiedlich sein können. Hat der Kunde sein vertraglich vereinbartes Datenvolumen verbraucht, wird automatisch weiteres Volumen nachgebucht. Das Kontingent kann 100 oder auch 250 MB betragen und kostet meist zwei bis drei Euro. Pro Monat wird bis zu dreimal nachgebucht und anschließend gedrosselt. So können sechs bis neun Euro zusätzlich pro Monat zum Tarifpreis hinzukommen, wenn der Nutzer seine Internetverbindung nicht ausschaltet.

Datenautomatik erkennen und Kostenfallen vermeiden

Mittlerweile setzen recht viele Mobilfunker auf die Datenautomatik. Insbesondere bei den günstigen Anbietern der Drillisch-Marken muss man auf die Datenautomatik achten, aber auch Vodafone verfolgt eine ähnliche Strategie, die sich in dem Fall aber "SpeedOn" nennt und immerhin abgelehnt werden kann. Das muss man allerdings jeden Monat aufs Neue tun. Bei den übrigen Providern gibt es Tarife, bei denen man der Datenautomatik widersprechen kann und andere, bei denen sie fester Tarifbestandteil ist. In dem Fall kann man sie nicht mehr abwählen. Hat man also einen solchen Vertrag abgeschlossen und möchte Zusatzkosten aus dem Weg gehen, hilft nur, den Verbrauch im Blick zu behalten und rechtzeitig die Datenverbindung zu kappen.

Wer die Tarifdetails aufmerksam liest, wird in den meisten Fällen recht transparent über die Datenautomatik und deren genauere Bedingungen informiert und kann entsprechend entscheiden, einen solchen Tarif abzuschließen oder eben nicht. Zu den Anbietern, die (derzeit) keine Datenautomatik einsetzen, gehören die Telekom und O2 (hier wurde die automatische Nachbuchung wieder abgeschafft). Unter den Discountern und Providern haben unter anderem klarmobil, congstar und otelo keine Datenautomatik, ebenso die meisten "Supermarkttarife".

Die Bezeichnung "Internet-Flat" oder "Internet-Flatrate" kann ein Hinweis darauf sein, dass ein Tarif keine Datenautomatik hat.

Hat eine Datenautomatik auch Vorteile?

Die Anbieter verkaufen die Datenautomatik als "fair" und "praktisch" und natürlich sind auch Nutzungsszenarien denkbar, in denen das zutrifft. Wenn ein Nutzer nämlich nur selten einmal sein Datenvolumen überschreitet und es dann wichtig für ihn ist, nicht gedrosselt zu werden, ist die Automatik eine gute Sache. Andererseits wäre eine einfache Nachbuchung per SMS ebenfalls keine große Hürde und man müsste nicht ständig aufpassen, wie viel man schon versurft hat. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei den "Häppchen", die man über die Datenautomatik bekommt, in der Regel schlechter als bei regulären Zubuchoptionen. Kommt man regelmäßig über die Grenze, ist es ohnehin besser, sich einen Tarif mit mehr Datenvolumen zu suchen.

Was sagt die Justiz?

Die Datenautomatik hat durchaus auch schon die Gerichte beschäftigt. So hat das OLG München Ende 2016 nach einem Berufungsverfahren entschieden, dass O2 seine Datenautomatik, die damals noch gab, fortführen dürfe. Die erste Instanz hatte das noch anders gesehen. Ein anderes Gericht entschied in einem weiteren Fall gegen mehrere Klauseln, die bei Vodafone verwendet wurden. Dabei ging es auch darum, dass Kunden nach Ausreizung der Automatik in einen anderen Tarif hochgestuft werden sollten. Zudem war ein wichtiges Thema, wie transparent die Kunden informiert werden. Generell unzulässig ist die Datenautomatik aber nicht. Immerhin werden die Informationen zur Nachbuchung von Datenvolumen zumindest online besser kommuniziert. Auch ein automatisches Hochstufen in einen teureren Tarif, wenn die Datenautomatik mehrfach ausgereizt wird, wird mittlerweile von keinem Anbieter mehr eingesetzt.

Datenautomatik oder Drosselung: Gehts denn nicht auch ohne?

Entweder das eine oder das andere – damit müssen Mobilfunkkunden leben. Einige Ausnahmen gibt es indes. Zum Einen kann man viel Geld bezahlen. Die Telekom bietet für rund 200 Euro im Monat unbegrenztes Datenvolumen. Alternativ kann man Tagespässe für 4,95 Euro bzw. 9,95 Euro (Smartphone/Tablet) erwerben, mit denen man 24 Stunden nicht gedrosselt wird, egal, wie viel Volumen man verbraucht. Würde man die DayFlat jeden Tag buchen, käme man also etwas günstiger weg als im teuren Premium-Tarif. Andere Möglichkeit: Man wählt einen Tarif, in dem weniger stark gedrosselt wird. Hier wären die "Free"-Tarife von O2 zu nennen, mit denen immerhin noch bis zu ein Mbit/s erreicht wird.

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