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Android rooten: Wie funktioniert das und was bringt das?

Um sein Android-Smartphone besser unter Kontrolle zu bekommen, kann man es rooten. Rooten ist ein Begriff, der aus dem Linux-Umfeld stammt. Gemeint ist, dass man sich uneingeschränkten Zugriff auf das Gerät und sein Dateisystem verschafft und mehr Berechtigungen erhält, als ein Nutzer normalerweise hat.

Handy mit Android© georgejmclittle / Fotolia.com / i12 GmbH

Wer sein Android-Smartphone rootet, möchte damit in der Regel mehr Kontrolle über das System seines Smartphones erreichen. Gerootete Geräte erlauben eine Art Administrator-Zugriff, mit dem man tiefgreifende Änderungen am System vornehmen kann. Einfachstes Beispiel ist, dass auf diesem Weg quasi alle vorinstallierten Apps entfernt werden können - auch solche, die man normalerweise nicht deinstallieren kann. Ferner erhält man Zugriff auf das komplette Dateisystem inklusive versteckter Systemdateien.

Android rooten - Welche Vorteile hat das?

Zudem kann der Benutzer die Oberfläche und Menüführung verändern, die Zugriffsrechte im Detail bestimmen und normalerweise verborgene Einstellungen wie die maximale Lautstärke seinen Wünschen anpassen. Und man erhält einen Überblick darüber, welche Apps welche Berechtigungen wann nutzen. So kann man z. B. herausfinden, ob eine App zu einem unangemessenen Zeitpunkt Daten versendet oder aufs System zugreift.

Der uneingeschränkte Zugriff auf das Dateisystem bringt einen weiteren Vorteil: Mit einem gerooteten Android-Smartphone können vollständige Backups gemacht werden. Normalerweise schließen die Backups bei Android nur ausgewählte Daten mit ein, z. B. Fotos, installierte Apps oder Kontakte. Mit einem gerooteten Gerät lässt sich ein vollwertiger Abzug des Systems erstellen. Dieser kann später wieder geladen werden und verhält sich dann so, wie das System zum Zeitpunkt des Backups.

Einige Nutzer möchten auch ein komplett neues System auf ihrem Gerät installieren, z. B. eine ältere Version des Betriebssystems oder eine modifizierte Android Custom-ROM. Solche Änderungen erfordern in der Regel einen Bootloader, eine Software, die zum Startzeitpunkt das gewünschte System lädt.

Hat das Rooten des Android-Smartphones auch Nachteile?

Verlust der Garantie

Es ist nicht für jeden Anwender sinnvoll, sein Android-Gerät zu rooten. Der größte Nachteil gleich vorweg: Die meisten Hersteller von Smartphones bieten nur für unveränderte Geräte eine Garantie an. Rooten ist ein nicht unwesentlicher Eingriff in die Technologie des Smartphones und kann zu Schäden führen, die andernfalls nicht auftreten würden. So kann es bei einem fehlerhaften Root-Vorgang z. B. direkt passieren, dass das Handy nicht mehr funktionsfähig ist. Dieses Risiko decken die Hersteller nicht mit ab. Sprich: Wer sein Android-Handy rootet, verzichtet damit bewusst auf die Herstellergarantie. Es kann dann auch passieren, dass das Beheben eines Schadens verweigert wird, der gar nicht auf den Root-Vorgang zurückzuführen ist. Die gesetzlich vorgegebene Gewährleistung durch den Verkäufer bleibt grundsätzlich bestehen. Wurde der Schaden jedoch durch den Eingriff ins System vom Nutzer selbst verursacht, dürfte er auch hier Schwierigkeiten haben.

Einfallstor für Malware

Auch aus dem Blickwinkel der Sicherheit kann ein gerootetes Gerät ein erhöhtes Risiko bedeuten. Denn bei manchen Geräten müssen interne Sicherheitsmechanismen teils dauerhaft deaktiviert werden - und das öffnet potenziell neue Türen für Viren und Angriffe. Und diese fehlenden Sicherheitsmechanismen sind auch der Grund dafür, dass auf einem gerooteten Smartphone einige sicherheitskritische Apps nicht funktionieren, z. B. Bezahldienste wie Google Pay oder Apps fürs Banking. Es gibt zwar Anwendungen wie Magisk, die versuchen, den Root-Zugriff zu verbergen, damit Banking und Co. weiterhin funktionieren. Aber es kann vorkommen, dass die Verschleierungstaktik nicht funktioniert. Wer regelmäßig solche Dienste nutzen möchte, sollte also eventuell aufs Rooten verzichten.

Updates in Eigenregie

Ebenfalls sicherheitsrelevant: Gerootete Geräte erhalten keine automatischen Updates mehr, um die Stabilität des gerooteten Systems nicht in Gefahr zu bringen. Updates bringen jedoch häufig Änderungen, welche die Sicherheit des Systems betreffen, und sollten daher in der Regel nicht ignoriert werden. Sie müssen auf solchen Geräten von Hand durchgeführt werden.

Wie rootet man ein Android-Handy?

Um ein Android-Smartphone zu rooten, benötigt man einen PC, das Smartphone selbst und ein Kabel, um das Gerät mit dem Rechner zu verbinden. Außerdem wird spezielle Software benötigt, um das Gerät zu rooten - welche Programme das sind, hängt sehr stark vom Smartphone und der verwendeten Android-Version ab. Denn der Vorgang nutzt bestimmte Lücken im Betriebssystem, welche immer wieder von den Herstellern geschlossen werden. Das bedeutet, die nötige Software kann sich von Modell zu Modell und von Android-Version zu Android-Version verändern. Und für unterschiedliche Modelle kommen unterschiedliche Programme in Frage.

Tipp: Daten sichern

Bevor es losgeht, sollte noch ein Backup des vorhandenen Systems bzw. aller wichtigen Daten gemacht werden. Denn es ist möglich, dass beim Rooten Daten verloren gehen.

Es gibt verschiedene Anwendungen wie Odin, SuperSU oder Magisk, die das Rooten bei neueren Smartphones so einfach wie möglich gestalten und vergleichsweise wenig technisches Wissen voraussetzen. Odin ist beispielsweise die Software, die am häufigsten für Geräte von Samsung verwendet wird. Um eine exakte Anleitung passend zum jeweiligen Gerät zu finden, kann man ganz einfach den Namen des Modells +"rooten" in eine Suchmaschine eingeben. In den meisten Fällen läuft der Vorgang aber so ab, dass über den PC auf das Smartphone zugegriffen wird, um den Root-Zugriff zu aktivieren.

Tipp: Handy aufladen

Es wird empfohlen, dass das Smartphone mindestens 50 Prozent Akkuladung hat, bevor man mit dem Rooten beginnt. Denn wenn sich das Handy während des Rootens wegen zu geringer Akkuladung abschaltet, kann es zu Schäden kommen.

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