Vor- und Nachteile

VDSL oder Kabel: Wofür sollte man sich entscheiden?

Soll es schnell ins Internet gehen, so bietet sich entweder ein VDSL-Anschluss oder aber Kabel-Internet an. Was bieten die beiden Anschlussarten und mit welchen Kosten müssen Kunden rechnen?

18.02.2020, 11:33 Uhr
Router© Pavel Morozov / Fotolia.com

Ist an der eigenen Adresse sowohl ein Anschluss per DSL bzw. VDSL als auch Kabel-Internet verfügbar, so hat man die Wahl. Entweder entscheidet man sich für einen DSL-Anbieter wie die Deutsche Telekom, Vodafone, 1&1 und O2 oder aber man bucht einen Internet-Tarif bei Kabelnetzbetreibern wie Vodafone und PŸUR. Doch was ist vorteilhafter, wo liegen die Vor- und Nachteile beider Anschlussarten?

Geschwindigkeit: Kabel bietet Gigabit-Speed - VDSL maximal 250 Mbit/s

Vodafone Gigabit-SpeedVodafone Deutschland-Chef Ametsreiter wirbt für Gigabit-Speed per Kabelnetz.© Vodafone GmbH

Die Kabelnetzbetreiber liegen bei den Download-Geschwindigkeiten mit deutlichem Abstand vor der Konkurrenz, die häufig auf die Leitungen der Telekom zugreifen. Über das Kabelnetz stellt Vodafone Kabel Deutschland im Februar 2020 bereits Gigabit-Internet für bundesweit 17 Millionen Haushalte zur Verfügung. Bis Ende 2022 soll Gigabit-Internet für rund 25 Millionen Haushalte in Deutschland über das Kabelnetz nutzbar sein. Mitte Februar 2020 hatte Vodafone die Vermarktung der 2019 übernommenen Kabelmarke Unitymedia eingestellt und bietet seitdem alle Kabelprodukte nur noch unter der Marke Vodafone an.

Über VDSL-Anschlüsse lassen sich bei Einsatz der Turbo-Technologien Vectoring und Super-Vectoring Download-Bandbreiten von bis zu 100 bzw. 250 Mbit/s erreichen. VDSL-Anschlüsse haben standardmäßig meist höhere Upload-Geschwindigkeiten von bis zu 40 Mbit/s geboten, die Kabelnetzbetreiber haben hier inzwischen aber auch nachgelegt und bieten je nach Tarif teils Uploads von bis zu 50 Mbit/s an.

Telefonie sowohl per VDSL als auch per Kabel komfortabel

Telefonieren lässt sich sowohl über DSL- und VDSL-Anschlüsse als auch über das Kabelnetz. Ein oder mehrere analoge Telefone lassen sich an den meisten gängigen WLAN-Routern direkt anschließen. Viele Router wie etwa die weit verbreiteten Fritz!Box-Modelle von AVM fungieren häufig auch als DECT-Basisstation für Schnurlostelefone. Eine Festnetz-Flat ist in Doppel-Flats sowohl beim klassischen Festnetzanschluss als auch im Kabelnetz enthalten. Je nach Tarif lassen sich sowohl per DSL bzw. VDSL als auch per Kabel mehrere Telefonnummer nutzen. Beachtet werden sollte: Bei manchen Anbietern ist nicht nur eine Festnetz-Flat, sondern auch eine Telefon-Flat in die deutschen Mobilfunknetze enthalten.

TV: Digitales Fernsehen mit breitem Angebot

Telekom MagentaTV Internetanbieter wie die Deutsche Telekom halten auch TV-Angebote wie beispielsweise MagentaTV für ihre Kunden bereit.© Deutsche Telekom AG

Wer zu Internet und Telefonie auch noch digitales Fernsehen hinzubuchen möchte, kann bei der Telekom (MagentaTV), bei Vodafone (Giga TV), 1&1 (1&1 Digital TV) und O2 (O2 TV) ein TV-Angebot nutzen. Das Paket "1&1 HD-Fernsehen" gibt es im Rahmen von Aktionen sogar kostenlos zum VDSL-Tarif. Viele Sender sind inzwischen in HD-Qualität verfügbar. Nicht immer ist ein Festnetzanschluss des jeweiligen Anbieters zwingende Voraussetzung. MagentaTV beispielsweise lässt sich optional mit einem beliebigen Internetanschluss verwenden. Vodafone bietet mit GigaTV Net ebenfalls ein Produkt per Internetanschluss an.

Die Kabelnetzbetreiber verfügen noch über viele Kunden, die das klassische Kabelfernsehen nutzen, das TV-Geschäft ist aber rückläufig. Angeboten werden auch Triple-Play-Pakete, die bei Vodafone GigaTV (bzw. Horizon TV der eingestellten Marke Unitymedia) sowie bei PŸUR advanceTV beinhalten. Wählen Kunden ein Paket inklusive TV, so wird zusätzlich zu den monatlichen Tarifkosten noch eine Kabelanschlussgebühr von je nach Anbieter bis zu fast 21 Euro/Monat fällig, wenn diese nicht bereits in den Mietnebenkosten enthalten ist. Nutzen Kunden nur Internet und Telefonie bei einem Kabelnetzbetreiber, so fällt die monatliche Gebühr nicht an.

Hardware: WLAN-Router vom Provider oder eigenes Gerät

Für DSL/VDSL als auch Kabel-Internet ist ein Router erforderlich, damit Geräte wie PC, Smartphone, Tablet, Smart TV & Co. per WLAN oder LAN-Verbindung auf das Internet zugreifen können. Entsprechende WLAN-fähige Hardware stellen die Provider entweder kostenlos zur Nutzung oder kostenpflichtig zur Miete bereit. Im Rahmen der seit einigen Jahren geltenden, sogenannten Routerfreiheit können Endkunden aber auch eigene, im Handel gekaufte WLAN-Router einsetzen. Wer zusätzlich TV-Empfang benötigt, muss meist einen entsprechenden Receiver oder ein CI+ Modul für den Fernseher nutzen.

Kosten: Einstieg für rund 20 Euro pro Monat

Neukunden profitieren dank Tarifaktionen sowohl bei DSL-Anbietern als auch bei Kabelnetzbetreibern in den ersten Monaten von reduzierten Preisen und weiteren Vorteilen. Eine Online-Buchung ist dank zusätzlicher Boni wie Gutschriften oder weiteren Extras zu empfehlen. Die Kabelnetzbetreiber locken Wechsler, die noch an ihren alten Anbieter gebunden sind, aber schon jetzt zum Provider wechseln wollen, oft mit Gratismonaten.

Einen Eindruck der aktuellen Preissituation (Februar 2020) zeigt unsere kleine Übersicht über ausgewählte Tarife:

VDSL 100

  • Telekom (MagentaZuhause L): sechs Monate 19,95 Euro/Monat, danach 44,95 Euro/Monat
  • Vodafone (Red Internet & Phone DSL 100): zwölf Monate 19,99 Euro/Monat, danach 39,99 Euro/Monat
  • 1&1 (DSL 100): zehn Monate 19,99 Euro/Monat, danach 39,99 Euro/Monat
  • O2 (O2 my Home L): Zwölf Monate 24,99 Euro/Monat, danach 34,99 Euro/Monat

Kabel-Internet bis 1 Gbit/s

  • Vodafone (GigaCable Max 1000): dauerhaft 39,99 Euro/Monat
  • PŸUR (Pure Speed 1000 mit Festnetz-Flat): Sechs Monate 5 Euro/Monat, danach 93 Euro/Monat

Preislich gibt es nur noch geringe Unterschiede zwischen Tarifen für VDSL-Anschlüsse sowie für Kabelanschlüsse. Die Kabelnetzbetreiber stellen allerdings deutlich höhere Surfgeschwindigkeiten bereit.

Verfügbarkeit von VDSL bzw. Kabel-Internet

Die Deutsche Telekom hat ihre VDSL-Anschlüsse in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Die Chance einen VDSL-Anschluss buchen zu können ist nicht nur in Städten inzwischen recht gut, auch in kleineren Orten ist immer häufiger VDSL verfügbar. Die Vermittlungsstelle ist mit dem Verteilerkasten, den grauen Kästen am Straßenrand, mit Glasfaser verbunden. Von dort werden Daten jedoch weiterhin über die relativ langsame, kupferbasierte Leitung ins Haus des Kunden übertragen. Kabel-Internet wird über den TV-Anschluss übertragen, der ein Koaxialkabel nutzt. Allerdings ist ein Kabelanschluss nicht überall vor Ort verfügbar. Eine Erschließung neuer Gebiete mit Kabel findet eher in kleinerem Rahmen statt.

Die gebuchte Bandbreite wird bei Kabelnetzbetreibern in der Praxis häufiger erreicht als bei DSL-Anschlüssen. Zu Einbrüchen bei der Geschwindigkeit kann es jedoch auch bei Kabelanschlüssen kommen, da Kabel ein sogenanntes "Shared Medium" ist. Kunden in einem Gebiet werden in Cluster eingeteilt, sind diese überlastet, werden weitere kleinere Cluster angelegt.

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