Fristen und Kontrolle

Glasfaserausbau und VDSL-Vectoring: Diese Regeln gelten in Deutschland

Schnelle Internetanschlüsse lassen sich per VDSL oder per FTTH via Glasfasern realisieren. Für diese gibt es unterschiedliche Regelungen für ausbauwillige Provider im Hinblick auf Fristen zur Umsetzung und auf die Kontrolle durch die Bundesnetzagentur.

25.09.2020, 15:26 Uhr
Telekom Netzausbau TiefbauarbeitenEin Kabelverzweiger bzw. Multifunktionsgehäuse am Straßenrand wird per Glasfaser angebunden.© Deutsche Telekom AG

Laut einer Anfang September 2020 veröffentlichten Analyse des Branchenverbandes BREKO ist der Glasfaserausbau in Deutschland "auf der Überholspur". Es seien deutliche Fortschritte gemacht worden. In vielen Regionen in Deutschland laufen derzeit Glasfaserausbauprojekte oder sind in Planung. Die ausbauenden Unternehmen können dabei aber nicht schalten und walten wie sie möchten. Es gibt etliche Regeln und Vorschriften. Doch welche Fristen gelten für die Fertigstellung und wer kontrolliert diese? Dabei gilt zu beachten: Unter Glasfaseranschlüssen verstehen die auszubauenden Unternehmen teils unterschiedliche Varianten der Glasfaser-Erschließung.

Glasfaser ist nicht gleich Glasfaser

VDSL-Taste auf TastaturMittels Vectoring- bzw. Super-Vectoring-Technik lässt sich ein VDSL-Anschluss auf 100 bzw. 250 Mbit/s beschleunigen.© Deutsche Telekom AG

Bei der bei VDSL-Anschlüssen üblichen Erschließung per FTTC (Fibre to the curb) werden nur die Kabelverzweiger (KVz), die grauen Kästen am Straßenrand, mit Glasfaser erschlossen. Die konkrete Anbindung der Endkunden erfolgt jedoch weiterhin per klassischem Kupferkabel. Wird an solchen Anschlüssen der VDSL-Turbo Vectoring bzw. Super-Vectoring eingesetzt, sind Internetanschlüsse mit bis zu 100 Mbit/s bzw. bis zu 250 Mbit/s realisierbar. Bis in das Gebäude oder gar in die Wohnung der Endnutzer wird dagegen die Glasfaserleitung bei FTTB/H (Fibre to the building/home) verlegt. Diese reinen Glasfaseranschlüsse ermöglichen Gigabit-Bandbreiten von bis zu 1 Gbit/s und mehr.

Keine Fristen für Aus- und Aufbau reiner Glasfaseranschlüsse

Nach Angaben der Bundesnetzagentur gibt die Bonner Regulierungsbehörde für FTTB/H-Glasfaseranschlüsse keine Fristen vor, in der der Aus- bzw. Aufbau von Glasfaseranschlüssen erfolgen muss. Auch für die Deutsche Telekom gebe es bei reinen Glasfaseranschlüssen bislang nur begrenzte Regulierungsverpflichtungen. Dies könnte sich aber in der Zukunft ändern.

Nur ein Unternehmen kann einen KVz mit Vectoring-Technik erschließen

Weitaus strikter geregelt ist der FTTC-Ausbau. Ein paralleler Betrieb von VDSL2-Vectoring-Technik am selben KVz durch unterschiedliche Netzbetreiber ist nicht erlaubt. Stattdessen hat nur ein Anbieter im jeweiligen KVz den rechnerischen Zugriff auf sämtliche über den Kabelverzweiger geführten und mit VDSL-Signalen bespielten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL). Welches Unternehmen welchen KVz mit eigener Vectoring-Technik erschließen darf, richtet sich laut Bundesnetzagentur nach fairen und transparenten Regeln. Hierbei werde unterschieden, ob der Vectoring-Ausbau im Nahbereich, also im Umkreis von 550 Metern um die Vermittlungsstelle/Hauptverteiler, oder im sogenannten Außenbereich ab 550 Metern erfolgt.

Diese Vorgaben gelten für den Vectoring-Ausbau im Außenbereich

Das Unternehmen, das nach dem sogenannten Windhundprinzip zuerst eine entsprechende Erschließungsabsicht angemeldet hat, kann im Außenbereich eines KVz Vectoring ausbauen. Die Ausbauabsicht kann ein Unternehmen in die sogenannte Vectoring-Liste eintragen, die von der Telekom geführt wird. Angegeben werden muss der betroffene Kabelverzweiger und der geplante Ausbautermin. Dabei dürfe der Ausbautermin maximal ein Jahr in der Zukunft liegen. Ein Kabelverzweiger lässt sich also nicht auf mehrere Jahre hinaus durch ein Unternehmen reservieren, ohne dass dort ein Ausbau erfolgt. Auch die Telekom selbst muss bei ihren Ausbauplanungen so vorgehen. Für alle am deutschen Breitbandmarkt tätigen Unternehmen gebe es somit klare Regeln für den Einsatz der Vectoring-Technik.

Gibt es Verzögerungen bei der Erschließung des KVz können die Unternehmen dies vor Ablauf des ursprünglich angegebenen Ausbautermins mitteilen und eine Verschiebung des zunächst angekündigten Ausbaus beantragen. Die Verzögerungsmeldung werde an die Bundesnetzagentur weitergeleitet, die im Anschluss prüft, ob die Verzögerung unverschuldet erfolgt. Ist das ausbauende Unternehmen jedoch selbst schuld an der Verzögerung, so werde eine Terminverschiebung nicht anerkannt. Stattdessen wird die Reservierung des KVz für dieses Unternehmen aufgehoben und eine partielle Eintragungssperre in die Vectoring-Liste für das Unternehmen verhängt. Andere ausbauwillige Firmen können sich dann für den betroffenen KVz in die Vectoring-Liste eintragen lassen.

Vectoring-Ausbau im Nahbereich: Großteil von der Telekom zugesagt

TelekomDie Telekom hat den Großteil der Hauptverteiler-Nahbereiche mit VDSL/Vectoring ausgebaut.© Deutsche Telekom AG

Die Deutsche Telekom hatte sich gegenüber der Bundesnetzagentur für einen nahezu flächendeckenden Vectoring-Ausbau der bundesweit über 7.100 Hauptverteiler-Nahbereiche verpflichtet. Konkret wurde zugesagt, dass die Telekom innerhalb dieser Nahbereiche rund 38.500 reguläre Nahbereich-Kabelverzweiger und rund 6.500 Hauptverteiler mit VDSL-Vectoring erschließt. Für insgesamt knapp 400 weitere Nahbereiche gibt es Ausbauzusagen von 23 weiteren Unternehmen. Seit dem 9. Februar 2019 ist der Ausbau dieses durch Wettbewerbsunternehmen zu erschließendem Nahbereich bereits abgeschlossen. In einzelnen Ausbauregionen kam es aber zu Verzögerungen, daher sei der Telekom-Ausbau noch nicht endgültig abgeschlossen worden.

Die Bundesnetzagentur überprüfe den gesamten Nahbereichs-Ausbau von Beginn an. Die Telekom müsse monatlich Bericht erstatten. Sie müsse erklären, welche Nahbereiche schon erschlossen wurden und wo und warum es zu Verzögerungen des Ausbaus kam.

Erhalten Endkunden Auskunft über Ausbauabsichten der Unternehmen?

Router Welche Internet-Bandbreite ist vor Ort verfügbar? Darüber gibt der Breitbandatlas des Bundes Auskunft.© borissos / Fotolia.com

Die Vectoring-Liste, in der die Unternehmen ihre Ausbauplanungen festhalten, ist nicht öffentlich einsehbar. Denn die Informationen geben Ausblick auf die Strategie und Investitionen der Unternehmen. Sie gelten daher als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse. Die Vectoring-Liste diene der Telekom zur Bearbeitung von Vorleistungsnachfragen. Jedes ausbauwillige Unternehmen entscheide selbst über die öffentliche Bekanntgabe ihrer Ausbauprojekte.

Welche Unternehmen welche Bandbreiten und Technologien am eigenen Wohnort anbieten, lässt sich jedoch über den Breitbandatlas des Bundes abfragen. Zudem geben Kommunen oder der Landkreis Auskunft über einen möglicherweise geplanten, öffentlich geförderten Breitbandausbau.

Ob schnelle Internettarife per DSL, VDSL oder Kabel verfügbar sind, lässt sich auch über unseren Breitband-Tarifrechner ermitteln.

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