Glasfaserausbau

Glasfaser: Das ist der Unterschied zwischen FttH, FttB und VDSL

Wenn die Rede vom Glasfaserausbau ist, muss man genau hinschauen. Denn nicht immer handelt es sich dabei um Glasfaseranschlüsse auf Basis von FttB und FttH. Wir geben einen Überblick über die unterschiedlichen Anschlussarten.

Highspeed Internet© Silvano Rebai / Fotolia.com

Glasfaser soll die Zukunft gehören bei der Realisierung schneller Internetzugänge. Das fordern zumindest die führenden Telekommunikationsverbände in Deutschland. In der Praxis sind Glasfaseranschlüsse jedoch hierzulande noch nicht sonderlich weit verbreitet. Zwar wies beispielsweise die Deutsche Telekom im ersten Quartal 2017 rund 7,6 Millionen ihrer insgesamt 12,99 Breitbandanschlüsse als Anschlüsse auf Glasfaser-Basis aus. Doch um reine Glasfaseranschlüsse handelt es sich dabei nur zum kleinen Teil. Denn die Telekom fasst in ihren Quartalszahlen Anschlüsse per VDSL und Glasfaser zusammen. Doch wann redet man von einem echten Glasfaseranschluss? Wir geben einen Überblick über die diversen Zugangstechniken.

DSL: Breite Verfügbarkeit - relativ geringe Bandbreite

Bewährt, vielfach genutzt aber auf längere Sicht nicht mehr zukunftsfähig ist DSL (Digital Subscriber Line). Realisiert werden DSL-Anschlüsse über die Telefonleitung, also die klassischen kupferbasierten Leitungen. Glasfasern kommen hier nicht zum Einsatz. Die beim Endkunden ankommende Bandbreite hängt sehr stark von der Entfernung zur Vermittlungsstelle ab. In der Regel werden über DSL-Anschlüsse Surfgeschwindigkeiten von bis zu 16 Mbit/s vermarktet, der Upload erreicht bis zu rund 2 Mbit/s. Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime & Co. lassen sich zwar nutzen, doch greifen in einem Haushalt mehrere Personen gleichzeitig auf Online-Games und Videostreams zu, reicht die Bandbreite für eine ruckelfreie Nutzung schnell nicht mehr aus.

VDSL: Glasfasern bis zur Vermittlungsstelle

Eine Verbesserung von DSL stellt VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) dar. Unterschieden wird zwischen VDSL1 und VDSL 2. Für die Strecke von den Vermittlungsstellen bis zu den Kabelverzweigern, den grauen Kästen am Straßenrand, werden bereits Glasfaserleitungen eingesetzt (Fiber to the Curb – FttC). Nur auf dem letzten Stück bis zum Endkunden werden noch die klassischen Kupferkabelleitungen genutzt.

VDSL wartet mit deutlich höheren Bandbreiten als DSL auf. So finden sich auf dem Markt vielfach VDSL-Tarife mit Download-Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s und einem Upload von 10 Mbit/s. Wie bei DSL hängt aber auch bei VDSL die verfügbare Surfgeschwindigkeit von der Entfernung zur Vermittlungsstelle ab.

VDSL2 mit Vectoring: Bis zu 100 Mbit/s dank Verminderung von Störsignalen

Weiter beschleunigen lassen sich die seit 2006 in Deutschland genutzten VDSL2-Anschlüsse durch Einsatz der sogenannten Vectoring-Technologie. Dabei werden Störsignale reduziert, die Download-Bandbreite erhöht sich auf bis zu 100 Mbit/s. Im Upload lassen sich bis zu 40 Mbit/s erzielen. Vectoring wird von den Telekom-Wettbewerbern nur als Brückentechnologie gesehen. Zur Schaffung der vielfach geforderten Gigabit-Gesellschaft, also von Netzwerken mit Bandbreiten von 1 Gbit/s und mehr, ist Vectoring nicht geeignet.

Mit Supervectoring (Supervectoring 35b) gibt es jedoch eine weitere Erweiterung des VDSL2-Standards. Vectoring wird dabei optimiert, so dass sich Download-Bandbreiten von bis zu 300 Mbit/s realisieren lassen – allerdings nur auf eine relativ kurze Entfernung von bis zu 300 Metern.

HFC: Glasfaser-Koax-Mix im Kabelnetz

Kabelnetzbetreiber nutzen einen Mix aus Glasfaser und Koax-Kabeln: Hybrid Fiber Coax (HFC). Bis in die Nähe der Haushalte werden Glasfasern verlegt, über Koaxialkabel gelangen die Daten aus dem Internet oder Kabelfernsehen zum Endkunden. Die per Kabelnetz verfügbaren Surfgeschwindigkeiten liegen um ein Vielfaches höher als DSL und erreichen mehrere hundert Mbit/s auf Basis des Standards EuroDOCSIS 3.0. Mit dem ab 2018 verfügbaren EuroDOCSIS 3.1 lassen sich Kabelanschlüsse auf Gigabit-Geschwindigkeit beschleunigen.

FttB und FttH: Glasfasern bis ins Gebäude und die Wohnung

Als "echter Glasfaseranschluss" gilt unter anderem Fibre to the Building (FttB), bei dem Glasfaserleitungen bis in den Keller des Gebäudes verlegt werden. Für die Überbrückung der noch verbleibenden relativ kurzen Strecke bis zum Kunden werden die vorhandenen Kupferleitungen genutzt.

Noch weiter geht Fibre to the Home (FttH). Hier werden die schnellen Glasfaserleitungen direkt bis in die Wohnung des Kunden verlegt. Die gesamte Datenübertragung kann über die Lichtwellenleiter erfolgen. Auch bei größeren Distanzen von der Vermittlungsstelle zum Kunden kommt es nicht zu drastischen Bandbreitenverlusten. Glasfaserleitungen erlauben das Surfen mit Geschwindigkeiten von 1 Gbit/s und mehr. Glasfasernetze werden auch zur Anbindung von Mobilfunk-Basisstationen genutzt.

Schleppende Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen in Deutschland

Die Zahl der Glasfaseranschlüsse auf Basis von FTTH/B lag Ende 2016 in Deutschland nur bei knapp 800.000. Davon waren 707.000 FTTH/B-Anschlüsse von Wettbewerbern wie die regionalen Provider NetCologne und M-net. Lediglich 84.000 Glasfaseranschlüsse entfielen dabei auf die Telekom. Insgesamt bereits technisch erreichbar per Glasfaser waren zu dem Zeitpunkt bei Bedarf 2,69 Millionen Anschlüsse.

Open Access als Lösung für Glasfasernetze?

Branchenverbände fordern verstärkt eine Gigabit-Strategie bis 2025, also eine politische Zielsetzung zur Schaffung möglichst flächendeckender Glasfasernetze. Bislang haben vor allem die hohen Kosten durch den erforderlichen Tiefbau für die Verlegung von Leerrohren den Glasfaserausbau gebremst. Die Bereitschaft zur Kooperation in der Branche bei der Errichtung von Glasfasernetzen wächst aber. Im Rahmen von Open Access ermöglichen Betreiber von Glasfasernetzen beispielsweise anderen Anbietern die Nutzung der Highspeed-Netze.

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Jörg Schamberg

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