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Alt 27.06.2015, 13:13
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Nachdem ich nun endlich ITU-T G.9701 einsehen konnte, kann man ja mal einen Thread über diese Technik anfangen.

Auf physikalischer Ebene ist G.FAST erst einmal "VDSL2 (Profil 17a) mal 12". Die Trägerbreite wurde von 4,3125kHz auf 51,75kHz und die Symbolrate wurde von 4kbaud auf 48kbaud verzwölffacht. Die maximale Anzahl Bits pro Träger und DMT-Symbol wurde von 15 auf 12 gesenkt, während die maximale Trägerzahl von 4096 beibehalten wurde, sodass ein Spektrum von 4096 * 51,75 kHz = ~212MHz genutzt werden kann. Derzeit gibt es allerdings nur das Profil 106a mit maximal 2048 Trägern, das Profil 212a mit der vollen Trägerzahl soll erst noch ausgearbeitet werden.

Durch diese Veränderung ist G.FAST "spektral inkompatibel" mit VDSL2, d.h. man kann sie nicht frequenzüberlappend in einem Kabelbündel mit Vectoring betreiben. Die Möglichkeiten sind nur, das jeweils andere System in einem Kabelbündel nicht zuzulassen - oder G.FAST nur den Frequenzbereich oberhalb von VDSL2 nutzen zu lassen. Vor diesem Hintergrund möchte man der Telekom vom "SuperVectoring", einem auf 35MHz aufgebohrten VDSL2, eigentlich stark abraten, denn das würde G.FAST ein sattes Drittel vom Profil 106a wegfressen, sodass es schwierig wird, mit G.FAST noch nennenswert mehr Bandbreite zu liefern als mit SuperVectoring...

Zur Bandbreitenaufteilung zwischen Upstream und Downstream: G.FAST ist "halbduplex", d.h. es kann zu jedem Zeitpunkt nur entweder gesendet oder empfangen werden - oder keins von beidem, um Strom zu sparen. Welche Seite wann senden kann, d.h. wie die Gesamtbandbreite auf Upstream und Downstream verteilt wird, kann statisch oder dynamisch aufgeteilt werden. Wer sich jetzt erhofft, einen Anschluss bekommen zu können, der in beiden Richtungen bis zu 1Gbps übertragen kann - nur eben nicht gleichzeitig - bekommt allerdings gleich den Dämpfer: Innerhalb einer Vectoring-Gruppe = eines Kabelbündels darf nicht gleichzeitig auf einer Leitung gesendet und auf einer anderen empfangen werden. Das dürfte die dynamische Aufteilung praxisuntauglich machen und es ist damit zu rechnen, dass nur eine statische Aufteilung mit höherer Downstream- als Upstream-Datenrate angeboten wird, die dann für alle Kunden einheitlich sein wird.
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Alt 27.06.2015, 13:44
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Meester Proper Meester Proper ist offline
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Genau deswegen wird die Telekom FTTdp (in Kombination mit G.fast) wahrscheinlich nicht ausrollen, sondern G.fast nur in Kombination mit FTTB einsetzen.
__________________
Zitat:
Consumers have only limited interest in NGA at present – incremental willingness to pay (WTP) for ultra-fast broadband is at most only about € 5 per month, which is nowhere near enough to fund the initial investment needed in most parts of the national territory.
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Alt 27.06.2015, 13:52
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Jetzt noch eine Abschätzung, was für Bandbreiten mit G.FAST maximal angeboten werden könnten. Dabei wird angenommen, dass wie bei VDSL2-Vectoring ca. 60% der Rohkapazität als Bandbreite angeboten wird, und ein ähnliches Verhältnis von Upstream-Bandbreite = 40% der Downstream-Bandbreite:

G.FAST Profil 106a alleine im Kabelbündel:
Rohkapazität: 2048 Träger * 12 Bits/Träger * 48 kTräger/s = 1.179.648kbps. 60% davon = ~700Mbps gesamt -> 500/200Mbps

G.FAST Profil 106a mit VDSL2-17a im Kabelbündel:
Rohkapazität: 1706 Träger * 12 Bits/Träger * 48 kTräger/s = 982.656kbps. 60% davon = ~590Mbps gesamt -> 400/160Mbps

G.FAST Profil 106a mit SuperVectoring ("VDSL2-35a") im Kabelbündel:
Rohkapazität: 1364 Träger * 12 Bits/Träger * 48 kTräger/s = 785.664kbps. 60% davon = ~470Mbps gesamt -> 300/150Mbps

Diese Variante parallel mit 250/40Mbps SuperVectoring zu betreiben, ist vielleicht nur bedingt sinnvoll...
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  #4  (Permalink
Alt 27.06.2015, 14:25
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Und mit G.FAST Profil 212a ergäben sich dann jeweils 500/200Mbps mehr, also:

G.FAST Profil 212a alleine im Kabelbündel: 1Gbps/400Mbps

G.FAST Profil 212a mit VDSL2-17a im Kabelbündel: 900/360Mbps oder vielleicht eher 1Gbps/250Mbps

G.FAST Profila 212a mit SuperVectoring im Kabelbündel: 800/350Mbps oder vielleicht auch im Stil der Kabelanbieter 1Gbps/150Mbps
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  #5  (Permalink
Alt 27.06.2015, 14:29
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Zitat:
Zitat von Meester Proper Beitrag anzeigen
Genau deswegen wird die Telekom FTTdp (in Kombination mit G.fast) wahrscheinlich nicht ausrollen, sondern G.fast nur in Kombination mit FTTB einsetzen.
Warum? Ich würde erwarten, dass im FTTdp-Szenario die Chancen besser stehen, dass keine VDSL2-Bestandskunden im Kabelbündel stecken.
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  #6  (Permalink
Alt 27.06.2015, 14:48
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Zitat:
Zitat von robert_s Beitrag anzeigen
Warum? Ich würde erwarten, dass im FTTdp-Szenario die Chancen besser stehen, dass keine VDSL2-Bestandskunden im Kabelbündel stecken.
Die Chancen mögen besser (kleiner) sein, aber sie werden immer noch sehr hoch sein.

Wenn ich bei uns im MFH (60 Wohnungen) die CuDa-Unterverteilung sehe, so gehen vom zentralen Technikraum 5 Stränge raus (Länge ca. 20 bis 100m), die dann eine weitere Verteilungsebene bedienen. Ich schätze das schon auf der 1. inhouse Verteilungsebene VDSL & G.FAST sich heftig dazwischenfunken werden.

Probleme, die es bei FTTH nicht gibt...
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  #7  (Permalink
Alt 27.06.2015, 15:06
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Zitat:
Zitat von kriewald Beitrag anzeigen
Die Chancen mögen besser (kleiner) sein, aber sie werden immer noch sehr hoch sein.
In der EFH-Siedlung wäre FTTdp doch optimal: Da braucht man nicht einmal Vectoring, der störende Bestandsanschluss wird ja abgelöst, und man könnte prinzipiell sogar die dynamische Bitratenaufteilung verwenden, um dann 1/1Gbps im Speedtest hinzubekommen...

Zitat:
Zitat von kriewald Beitrag anzeigen
Wenn ich bei uns im MFH (60 Wohnungen) die CuDa-Unterverteilung sehe, so gehen vom zentralen Technikraum 5 Stränge raus (Länge ca. 20 bis 100m), die dann eine weitere Verteilungsebene bedienen. Ich schätze das schon auf der 1. inhouse Verteilungsebene VDSL & G.FAST sich heftig dazwischenfunken werden.
Was eben genau der These von @Meester Proper widerspricht: Bei FTTB wird es mit G.FAST deutlich schwieriger als bei FTTdp am EFH...
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  #8  (Permalink
Alt 27.06.2015, 15:09
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Ja, für EFH sind das alles wunderbare Zwischenschritte. Für MFH eher weniger, zumindest wenn man mit Altbeständen-/techniken rechnen muss.
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  #9  (Permalink
Alt 27.06.2015, 17:25
NokDar NokDar ist offline
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Für (größere) MFH wird man sicherlich kaum auf FTTdp setzen, da macht FTTB Sinn. In (bestehenden) EFH-Siedlungen wäre FTTB dagegen wenig sinnvoll (wenn dann ist es da gleich FTTH) und somit könnte man dort evtl. mit FTTdp rechnen (auch 2/3FH würde ich noch dazu zählen)...
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Alt 27.06.2015, 21:07
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weezyfuzzy weezyfuzzy ist offline
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Lieber direkt auf FTTB setzen. Wie sieht es mit der Latenz bei G.Fast aus? weiß das einer? Problem ist nur wenn man auf FTTdp setzt muss man doch eh am ende bis in den Keller oder bis ins Haus da muss wieder gebuddelt werden. Geht bei G.Fast die Dämpfung auch in die Höhe?
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