Der PC als Server

FTP-Server einrichten Schritt für Schritt

Ein eigener und kostenloser FTP-Server (File Transfer Protocol) ermöglicht das Hoch- und Herunterladen von Dateien auf dem heimischen Computer von jedem Internet-Rechner. Mit wenigen Schritten lässt sich jeder PC mit Internetanbindung kostenlos als FTP-Server einrichten.

Server© Scanrail / Fotolia.com

FTP-Server Freeware

Die Wahl an FTP-Clients, also der Software zum Zugreifen auf einen FTP-Server, ist recht groß. Das Angebot an Software zum Einrichten eines FTP-Servers ist hingegen überschaubar. Eine Möglichkeit stellt der bekannte FileZilla-Server dar, der auf Open-Source-Code basiert. Bei der Software Serv-U handelt es sich um einen kommerziellen Vertreter, allerdings ist bereits die Einsteiger-Version aufgrund ihres Preises eher für fortgeschrittene FTP-Vorhaben zu empfehlen. Unsere Redaktion hat sich für FileZilla Server entschieden, das auf der Hersteller-Website heruntergeladen werden kann.

Die Installation ist in wenigen Augenblicken abgeschlossen: Die Komponenten FileZilla Server (Service) und Administrator interface müssen installiert werden. Es empfiehlt sich FileZilla Server als Dienst zu installieren und automatisch starten zu lassen. Die Einstellung lässt sich später unter Systemsteuerung -> Verwaltung -> Dienste -> Eintrag FileZilla Server -> Eigenschaften -> Starttyp wieder ändern.

FTP-Server einrichten: FileZilla

Die Benutzeroberfläche lässt sich über FileZilla Server Interface starten. Danach fragt das Programm nach der lokalen IP-Adresse des Servers, also 127.0.0.1, auch bekannt als localhost. Die Voreinstellung kann also übernommen werden, ein Passwort ist nicht notwendig. In dem geöffneten Hauptfenster ist es nun möglich, einen Benutzer einzustellen - so weiß der FTP-Server, wer überhaupt auf die Daten zugreifen darf. Der Benutzername ist frei wählbar, Einfälle wie "User" vereinfachen potenziellen Angreifern ihr Vorhaben allerdings. Das Gleiche gilt für die Vergabe des Passwortes, wo mindestens acht Zeichen verwendet werden sollten. Eine gute Absicherung des Servers ist wichtig, es sei denn, die Daten sollen öffentlich zugänglich sein.

Ordner und Dateien auf dem FTP-Server freigegeben

Auch hier ist der FTP-Nutzer mit wenigen Klicks bereits am Ziel. Die Schaltfläche Add erlaubt das Hinzufügen eines beliebigen Ordners. Natürlich können auch mehrere Ordner gleichzeitig oder ganze Festplatten freigegeben werden. Die Punkte Read, Write und Delete unter Files (Dateien) sind entscheidend und beschränken den Zugriff auf die Ordner. Read erlaubt nur das Herunterladen von Dateien. Write lässt auch den Upload von Dateien zu. Delete gibt Nutzern das Recht Dateien zu löschen. Analog existieren für Directories (Ordner) mit Create und Delete die gleichen Optionen. Die Option +Subdir ermöglicht den Zugriff auf Unterordner. Mit OK die Einstellungen bestätigen, anschließend verbindet ein Klick auf den Blitz den Server mit der Außenwelt.

Nun läuft der FTP-Server. Lokal erreichbar ist er über das File Transfer Protocol entweder über die IP-Adresse 127.0.0.1 oder localhost. Der für unsere Zwecke interessante Zugriff über das Internet erfolgt also mit Hilfe von ftp//: (anstelle von http://) und der vom Provider zugewiesenen IP.

"Wie ist meine IP?"

Die einfachste Möglichkeit, diese zu ermitteln, ist der Besuch von Websiten wie meineip.de oder wieistmeineip.de. Eine mögliche FTP-Adresse lautet zum Beispiel ftp://99.123.12.34. Als Standard verwendet FTP übrigens den Port 21, falls dieser nicht geändert wird, ist keine Angabe nötig. Bei Bedarf kann auch gleich der Benutzer und ein anderer Port angegeben werden: ftp://benutzername:passwort@99.123.12.34:portNr. Um auf den FTP-Server zuzugreifen, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einem kann der Zugriff mit Hilfe eines "echten" Standalone FTP-Clienten erfolgen, wie zum Beispiel SmartFTP oder der FileZilla Client. Diese Klienten erlauben den Zugriff auf verschiedene FTP-Server und zeichnen sich durch erweiterte Funktionen aus.

Eine weitere Möglichkeit bietet der Zugriff per Browser: Wahlweise muss hierzu die FTP-Adresse einfach in die Adresszeile (mit ftp://) des IE oder des Windows-Explorers eingegeben werden. Der Firefox kann Dateien auf FTP-Servern anzeigen und herunterladen. Mehr Komfort schafft das Plugin FireFTP, welches den Feuerfuchs in einen vollwertigen FTP-Clienten verwandelt. Fortgeschrittene können sich auch mit Hilfe der Windows Eingabeaufforderung ftp->open IP Adresse/Servername auf dem Server einloggen und mit get Dateiname bedienen.

Damit der FTP-Sever anfragende Verbindung empfangen kann, muss die Windows-Firewall unter Umständen noch konfiguriert werden. Der Punkt findet sich unter Systemsteuerung -> Windows-Firewall -> Ausnahmen -> FileZilla Server.exe.

Wer über einen Router ins Netz geht, sollte prüfen, ob der FTP-Port 21 freigeben ist. Innerhalb eines Heimnetzwerkes kann der FTP Server auch über die entsprechende LAN Adresse 192.168.XX.XX kontaktiert werden.

Die Up- und Downloadgeschwindigkeit hängt von der verfügbaren DSL-Verbindung ab. Entscheidend ist die maximale Bandbreite des heimischen Uploadkanals. So kann der FTP-Server beispielsweise mit DSL 16.000 maximal 1.024 Kbit beziehungsweise 128 KByte pro Sekunde zur Verfügung stellen, auch wenn die Gegenseite mit weit höherer Geschwindigkeit laden könnte. Ein schneller Internetanschluss zu Hause ist hier natürlich von Vorteil.

Zwangstrennung

Provider führen in der Regel nach 24 Stunden eine Zwangstrennung der Internetverbindung durch. Die Folge: Der Nutzer erhält eine neue IP, der Server ist unter der alten Adresse nun nicht mehr zu erreichen. Eine Möglichkeit, dieses Manko zu umgehen, geben - neben einer Standleitung - die Dienste dyndns.com und no-ip.com. Die Dienste sind kostenlos zwar nur eingeschränkt nutzbar, dennoch reicht der gegebene Funktionsumfang für viele Anwendungen aus.

Nach der Anmeldung kann der Nutzer einen Host hinzufügen und die Adresse wählen. Weitere Einstellungen sind nicht nötig. Anschließend ist das Herunterladen und Installieren des Dynamic DNS Update Client (DUC) möglich. Das kleine Programm reagiert, sobald sich die IP ändert und sendet im Anschluss die aktuelle Adresse an den ausgewählten Dienst. Dieser weiß nun wiederum die richtige IP und leitet dementsprechend alle künftigen Anfragen um.

Wichtig beim FTP-Server - Sicherheit

FTP ist ein offenes Übertragungsprotokoll, auf das Übertragen sensibler Daten sollte also verzichtet werden. Ein FTP-Server ist für jeden, der die Adresse kennt, erreichbar - also Vorsicht bei der Freigabe von Festplatten, Dateien und Ordnern und der Vergabe der Zugriffsrechte. Auch Unbefugte können versuchen, sich Zugang zu verschaffen. Bei der Benutzung von Diensten wie No-IP mag ein griffiger Name wie zum Beispiel meinftp.myftp.org verführerisch erscheinen, erhöht jedoch das Risiko, von Angreifern "gefunden" zu werden. Daher ist es ratsam, ausgefallene Nutzernamen und starke Passwörter zu verwenden. Auch ein Wechsel des FTP-Ports kann zusätzlichen Schutz bringen: Im FileZilla-Menü Edit->Settings->General Settings->Listen to these ports lässt sich der Port entsprechend anpassen.

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