VoIP: Was es ist, was es bringt

Dank DSL, Kabel, Sat und Co. steht vielen Privatanwendern heute genug Bandbreite zur Verfügung, um einen oder sogar mehrere Telefonanschlüsse ins Internet zu verlegen. Das war 1995 noch anders, als ein Programm für Internet-Telefonie erstmals von der israelischen Firma VocalTec entwickelt wurde: Die in IP-Netzen mögliche Zeitverzögerung war für Telefon-Gespräche oft problematisch. Es entstanden Echos oder Teile der Übertragung gingen verloren. Das Session Initiation Protocol (SIP), das mittlerweile am häufigsten bei VoIP-Diensten zum Einsatz kommt, basiert unter anderem auf dem HTTP-Protokoll und übernimmt Gesprächsaufbau und -abbau sowie die Verwaltung. Neue Codecs komprimieren die Gesprächsdaten und minimieren die Verzögerungen auf ein akzeptables Maß.

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Weiterer Pluspunkt der VoIP-Entwicklung: Inzwischen bietet die neue Technik Funktionen, die dem Komfort eines "normalen" Telefons in nichts nachstehen, angefangen bei benutzerfreundlicher Hardware bis hin zu den Services der VoIP-Anbieter. Zeit also, über die eigene kleine (R)Evolution nachzudenken.

VoIP hat jedoch zahlreiche Vor- und Nachteile, die individuell abzuwägen sind. Kostenlose oder zumindest günstige Gespräche, weltweit gültige Rufnummer, aber auch schwankende Sprachqualität und mangelnde Ausfallsicherheit kennzeichnen die Telefonie übers Internet. Während für manche die Gespräche auf der Datenautobahn schon zum Alltag gehören, fragen sich andere, ob sich der Aufwand eines Umstiegs überhaupt für sie lohnt.

Die Datenmauer muss weg

Fest steht, dass allein die Integration von Sprache und Daten in einem Netz jede Menge Aufwand spart und dabei neue Möglichkeiten bietet. So können VoIP-Nutzer ihren gesamten Informationsaustausch per Computer verwalten. Zudem ist beim Umstieg auf die Internet-Telefonie immer der Kostenvorteil ein wichtiges Argument. Den Providern entsteht durch die IP-basierte Technik erheblich weniger Aufwand. Dadurch, dass nicht mehr für jedes Gespräch eine exklusive Leitung reserviert werden muss, benötigen die Netzbetreiber weniger Kapazitäten und sparen bares Geld. Für den Endkunden sind Gespräche innerhalb des Netzes eines Providers und seiner Partner zumeist kostenlos. Viele Anbieter haben mittlerweile solche Kooperationsvereinbarungen geschlossen, um kostenlose Telefonate für eine möglichst große Zielgruppe anbieten zu können. Mit ENUM ist es darüber hinaus auch Anbieter-übergreifend möglich, kostenlos zu telefonieren.

Vor- und Nachteile
+ kostenlose Gespräche
+ günstigere Vermittlungskosten
+ weltweite Erreichbarkeit
+ Verwaltung am PC
+ Nur noch eine Leitung für Internet/Telefon
+ Integration der Kommunikationswege
- ausreichend Bandbreite benötigt
- nur mit Flat wirklich lohnenswert
- schwankende Qualität
- kein Call-by-Call
- "nacktes DSL" oft nur in Ballungsräumen
- Probleme bei Sonder- u. Notrufnummern


In der Welt zu Hause

VoIP ist unter anderem für Weltenbummler besonders interessant. Bei den providerunabhängigen Angeboten ist der Nutzer ständig unter der gleichen Rufnummer erreichbar. Egal, wo auf dem Globus er sich gerade aufhält, wird die eigene Rufnummer angewählt, klingelt das Telefon. Gerade für Firmen mit Auslandsniederlassungen lohnt sich das. Aber auch wer viel unterwegs ist oder einen Zweitwohnsitz im Ausland hat, kann mit diesem Service was anfangen – zumindest solange er an seinem Aufenthaltsort einen Internetanschluss findet.

Datenautobahn benötigt

Um VoIP nutzen zu können, wird aber nicht nur irgendein Webzugang benötigt, sondern am besten einer von der ganz schnellen Sorte, denn ein einzelnes Gespräch braucht etwa 100 Kilobit pro Sekunde verfügbare Bandbreite. Da das Datenvolumen bei VoIP rund 1,5 Megabyte pro Minute beträgt, sollte die Anbindung außerdem über eine Flatrate ohne Zeit- oder Volumenbegrenzung abgerechnet werden. Wenn für die Internetverbindung zusätzlich Gebühren pro Minute fällig werden, liegen die Tarife von VoIP meist über denen von Call-by-Call oder Preselection im klassischen Festnetz.

Angebote mit mehr drin als nötig

Wenn die Telefonate übers Internet vermittelt werden, braucht man keinen Festnetzanschluss mehr. Der Nachteil: Ohne das Sprachnetz ist auch kein Call-by-Call oder Preselection mehr nutzbar. Außerdem gibt es immer noch wenige Provider, bei denen man so genannte entbündelte Angebote erhalten kann. Der größte Netzbetreiber Telekom bietet Breitband-Internet nur in Verbindung mit einem Festnetzanschluss. Da die meisten Unternehmen die Leitungen ihrer Kunden beim Ex-Monopolisten anmieten, können auch sie keine reine Datenanbindung bieten. In unserer Übersicht haben wir aktuelle Angebote für entbündeltes DSL mit VoIP zusammengefasst.

Notrufe immer noch Sonderlocke

Zu guter Letzt besteht immer noch das viel diskutierte Problem der Sonder- und Notrufnummern. Durch die individuelle Tarifierung bestimmter Sondervorwahlen ist eine Vermittlung aus dem IP-Netz teilweise nicht möglich. Noch wesentlicher sind die Schwierigkeiten, die bei Notrufnummern auftreten. Wer den bundesweiten Polizeinotruf anwählt, wird normalerweise geographisch geortet und an die nächstliegende Dienststelle vermittelt. Bei VoIP kann diese Information nicht ermittelt werden. Einige Provider lösen das Problem jedoch mittlerweile provisorisch, indem sie die Rufnummer der Kundenanschrift einfach per Tabelle zuordnen.
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