Testbericht

Zen X-Fi WLAN im Test: Ein MP3-Player, der rockt

Dieser Player kann nahezu alles: Videos, Fotos, Bilder und Radiosender wiedergeben, chatten und Inhalte per WLAN vom PC aus streamen oder herunterladen. Für einen aufpolierten Sound soll der X-Fi Chip sorgen – schafft er das? Die Redaktion hat den Hochbegabten getestet.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com
Der neue Zen X-Fi WLAN von Creative verfügt als erster Flash-MP3-Player der Hardware-Schmiede über die Xtreme Fidelity Audio-Technologie, kurz X-Fi, die der eine oder andere Nutzer sicher schon von den X-Fi Soundkarten kennt. Diese soll den Sound bei komprimierten Dateien aufmöbeln und ihnen so die Originalqualität zurückgeben. Doch der kompakte Player kann noch viel mehr: zum Beispiel Dateien per WLAN streamen und Instant Messages verschicken. Die Redaktion von onlinekosten.de hat den vielseitigen Flachmann in der 16-Gigabyte-Version ausprobiert.

Inhalt:

1. Erster Eindruck und Videofunktion
2. Bild- und Soundqualität
3. Bedienung und WLAN-Funktion
4. Chatten, Akkulaufzeit und Fazit

Innovative Optik

Beim ersten Zusammentreffen mit dem Zen X-Fi fällt das geringe Gewicht auf. Der Player bringt nur 70 Gramm auf die Waage – bei Abmessungen von 5,5x8,3x1,3 Zentimetern. Mit diesen Kreditkarten-ähnlichen Traummaßen ähnelt er sehr stark dem Zen, den Creative im Dezember vergangenen Jahres vorstellte. Auch optisch gibt es Gemeinsamkeiten. So werden beide Player quer gehalten, die Bedienknöpfe sitzen rechts neben dem Display. Beim X-Fi bestehen diese aus einem Neunerpack im leichten 80er-Look und vier weiteren Buttons – gestaltungstechnisch mal etwas Anderes. Die Vorderseite ist schwarz-glänzend und mit einem ebenso glänzenden, silbernen Rahmen eingefasst, während sich Seiten und Rücken in mattem silbergrau zurückhalten.

Unterstützt SD-Speicherkarten

Auf der Oberseite befinden sich ein Mikrofon für Sprachaufzeichnungen und ein Schacht für SD-Karten, mit dem sich der Speicher erweitern lässt, unten ist ein Lautsprecher angebracht. Die Kunststoffverpackung enthält außerdem die In-Ear-Ohrhörer EP-830 von Creative, eine Kurzanleitung, eine Anweisung für den Netzwerkzugriff, eine Software-CD und ein USB-Kabel, das – wie auch schon bei anderen Creative Playern – extrem kurz ist.

Bevor nun Rechner und Player zusammengeführt werden, muss zunächst die Software installiert werden. Anschließend muss der Besitzer noch den Hunger des Akkus stillen, indem er den Zen X-Fi an PC oder Notebook anschließt, ein Netzteil ist nämlich nur separat erhältlich. Jetzt steht dem Verschieben von Audio-, Video- oder Fotodateien nichts mehr im Wege.

Erst konvertieren, dann abspielen

Diese können zwar auch per Drag&Drop über den Windows Explorer auf die Flash-Festplatte geschickt werden, es empfiehlt sich jedoch, die Software zu nutzen. Der Grund? Der Zen X-Fi spielt nur WMV9-, MPEG4-, DivX- und XviD-Dateien mit einer Auflösung von 320x240 Pixeln ab – andere müssen zuvor umgewandelt werden. Dies hat er mit dem Zen gemeinsam, dennoch ist es verwunderlich, wo Creative doch in der Vergangenheit mit dem Zen Vision:M einen wahren Allesfresser ohne Konvertierzwang im Angebot hatte. Auf Nachfrage bei der Creative-Pressestelle wurde der Redaktion mittgeteilt, dass dies an dem fehlenden TV-Anschlusses des X-Fi liegt.

Das Creative Centrale genannte Programm kann Audio-CDs auslesen und bestimmte Ordner auf der Festplatte überwachen, um die gewünschten Dateien schnell per Mausklick zu übertragen. Die Konvertierung der Videos erfolgt dann automatisch. Um einen rund 86 Megabyte großen Streifen umzukrempeln, benötigte die Software auf einem 32-Bit-Vista-PC mit AMD Athlon 64 X2 Dual-Core-Prozessor 5000+ mit 2,6 Gigahertz rund zehn Minuten – nervig, wenn der Nutzer, bevor er das Haus verlässt, schnell noch ein paar Videos auf das Gerät laden möchte.

Videos für zwischendurch

Nun wird es Zeit, ein paar Worte über die Bildqualität zu verlieren: Wer schon einmal Geräte von Creative ausprobiert hat, wird solide Ergebnisse erwarten. Dies trifft auch auf dieses Modell wieder zu. Das Display misst 2,5 Zoll und ist somit gerade groß genug, um auch mal ein längeres Video anzuschauen. Farbwiedergabe, Kontrast, Schärfe und Helligkeit können wie gewohnt als positiv bewertet werden und auch die Blickwinkel gehen in Ordnung, wobei bei Sicht von oben das Bild recht schnell schlechter wird. Neben Videos zeigt er auch JPG-Fotos an und spielt Songs in den Formaten MP3, WMA – auch mit DRM 10 – AAC, WAV sowie Audible-Hörbücher ab. Playlisten erstellen kann er ebenfalls.

Enormer Sound

Der Sound kann begeistern, und zwar ganz besonders mit den mitgelieferten Ohrhörern, was ja leider nicht bei allen MP3-Playern üblich ist. Mit den hochwertigen In-Ear-Modellen (sogar mit vergoldeten Steckern) fühlt sich der Musikfan bestens unterhalten und mag sein altes Paar vielleicht gar nicht mehr hervorholen. Wer zum ersten Mal In-Ear-Hörer nutzt, wird sich über die leichte Unter-Wasser-Atmosphäre wundern. Im Gegenzug wird der Anwender akustisch abgeschottet und nicht mehr so stark durch andere Geräusche aus der Umgebung gestört. Wer mag, kann die Wiedergabe noch mit acht verschiedenen voreingestellten Equalizern oder einer eigenen Komposition beeinflussen.

X-Fi macht den Unterschied

Jetzt zum Herzstück – der X-Fi-Technik. Mit dem zweistufigen Crystalizer soll der Klang satter, klarer und originalgetreuer werden, indem verlorengegangene Höhen und Tiefen in komprimierten Titeln wiederbelebt werden. Ein Unterschied lässt sich auch deutlich feststellen – je nach Genre unterschiedlich ausfallend –, wobei "satter" das richtige Wort ist. Zudem stechen zuvor unauffälligere Hintergrund-Töne deutlicher hervor und das Ergebnis wirkt insgesamt feiner und besser aufeinander abgestimmt. Trotzdem ist die Funktion sicherlich Geschmackssache und ob bei der Audiokompression in höherer Bitrate überhaupt Verluste hörbar sind, darüber kann man sich streiten. Die Funktion X-Fi Expand soll ein besonders realistisches Hörerlebnis wie bei einer Live-Aufführung liefern. In der Praxis kommt allerdings kein wirkliches Konzert-Gefühl auf. Die Songs klingen etwas dumpfer und die Instrumente leiser, dafür aber räumlich. Ob dies nun gefällt oder nicht, hängt auch hier vom Geschmack und vom Titel ab. Diese Effekte sind auch dann wahrnehmbar, wenn der Besitzer anstelle der Ohrhörer den Lautsprecher nutzt. Dieser klingt ein wenig blechern, aber akzeptabel. Praktisches Feature: Wer seine Umgebung mit der lautestmöglichen Einstellung beglückt hat und dann wieder zurück zum Kopfhörer wechselt, wird keinen Hörschaden erleiden – der Zen X-Fi schraubt die Dröhnung automatisch herunter.

Bedienung mit 13 Tasten

Die Bedienung ist nicht kompliziert, der Menüaufbau ähnelt den vorherigen Creative Geräten. Die neun unbeschrifteten Knöpfe funktionieren im Prinzip wie Richtungstasten, wobei der Mittlere zur Bestätigung dient. Zum Aufrufen des Menüs ist eine eigene Taste vorhanden, ebenso zum Starten und Stoppen sowie für die Auswahl der aktuell möglichen Aktionen – ähnlich einem Rechtsklick. Der letzte Button ist eine Schnellverknüpfung mit einem bestimmten Menüpunkt, in der Voreinstellung liegt hier das X-Fi-Feature. Eine blinde Bedienung in der Tasche ist zwar möglich, allerdings muss man sich durch die vielen Knöpfe hangeln – beleuchtet sind sie leider nicht.

Tolles Feature: WLAN

Was kann der Player noch? Einträge aus Outlook speichern, Radiosender abspielen sowie Alben und Videos kabellos vom PC aus streamen oder herunterladen. Hier kommt die WLAN-Funktion ins Spiel. Nachdem der Player das Netzwerk gefunden hat, muss das Passwort eingegeben werden. Und zwar mit Hilfe des 9er-Tastenblocks wie bei einem Handy – ein kleines oder größeres Geduldsspiel, je nach Passwort. Nun kann man auf kostenlose Inhalte aus der Creative MediaBox oder direkt auf den eigenen PC zugreifen, der noch schnell mit der Creative Centrale-Software freigegeben werden muss. Dies funktioniert alles ruckzuck und ohne Probleme. Was schade ist: Videos, die nicht im passenden Format vorliegen, lassen sich gar nicht erst herunterladen. Und als ob die Feature-Palette nicht schon groß genug wäre, kann man mit dem neuen Creative Gerät auch noch per Instant Messenger, genauer gesagt über Yahoo oder Windows Live, mit den Freunden plaudern. Hierzu ist eine Registrierung über die Creative-Website nötig. Nach dem Erstellen eines Avatars kann man sich in seinen Messaging-Accout einloggen und seine Freundeliste sehen. Ist schließlich alles eingerichtet, funktioniert das Chatten einwandfrei. Getrübt wird der Spaß nur wieder durch die fummelige Handy-Tastatur – dennoch ist die Funktion als kleines Extra ganz nett.

Fazit:

Der Zen X-Fi WLAN hat sowohl optisch als auch inhaltlich definitiv etwas Neues zu bieten. Die interessanteste und nützlichste der zahlreichen Funktionen ist sicherlich die WLAN-Anbindung. Die Akkulaufzeit stimmt ebenfalls zufrieden, an den Sansa Fuze reicht das Gerät im Kreditkarten-Format allerdings nicht heran: Videos spielt er rund fünf Stunden lang ab, was sich auch mit der Angabe von Creative deckt. Bei der Audiowiedergabe sollten 25 Stunden drin sein, im Test lief der Player etwa zwölf Stunden. Wieder aufgeladen ist er in zwei bis zweieinhalb Stunden. Besonders wichtig ist natürlich die Soundqualität, die hier auf jeden Fall überzeugen kann, Fakt ist: X-Fi zum Mitnehmen rockt. Die 16-GB-Variante ist für 169,90 Euro zu haben, wobei allein die mitgelieferten EP-830-Ohrhörer bei Creative 49,90 Euro kosten. Bedenkt man die Funktionsvielfalt, ist der Preis in Ordnung. Lediglich den Konvertierzwang hätte sich der Hersteller sparen können.

Name: Zen X-Fi WLAN
Hersteller: Creative
Internet: de.europe.creative.com
Preis: 16 GB: 169,90 Euro, 32 GB: 249,90 Euro,
8 GB ohne WLAN: 139,90 Euro
Technische Daten:
Schnittstelle: USB 2.0
Speicher: 8, 16 oder 32 GB Flashspeicher
Abmessungen: 5,5 x 8,3 x 1,3 Zentimeter
Gewicht: ca. 70 Gramm
Dateiformate: MP3, WMA (DRM10), AAC, WAV, Audible, MPEG4, WMV, DivX, XviD, JPG
Lieferumfang: Player, Ohrhörer, USB-Kabel, Software-CD, Kurzanleitung
Besonderheiten: Radio, Aufnahmefunktion, WLAN-Anbindung, IM-Unterstützung, Lautsprecher, Slot für SD-Karten
Pro & Contra:
klein und leicht
Display und Sound überzeugen
Klangverbesserung mit X-Fi
praktische WLAN-Funktion
viele Features
erweiterbarer Speicher
Konvertieren von Videos
Netzteil und Tasche kosten extra
keine Aufnahme vom Radio möglich
Bewertung:
Klang (30%): sehr gut
Laufzeit (20%): befriedigend
Funktionsumfang (15%): sehr gut
Bedienung (15%): gut
Formatunterstützung (10%): befriedigend
Gewicht/Maße (10%): sehr gut
Gesamtnote: gut (1,75)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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