Testbericht

XDA Diamond und MDA Compact IV im Test

Die neue Smartphone-Generation ist da. Die schmalen Schmuckstücke sehen nicht nur schick aus, sondern gefallen auch unter der Haube. Ob auch wirklich alles Gold ist, was glänzt, haben wir in unserem ausführlichen Produkttest ausgeleuchtet - mit Video.

o2 Germany Xda diamond

Die neue Smartphone-Generation ist da. Das neue Flaggschiff von Marktführer HTC, der Touch Diamond, findet seinen Weg nach Deutschland. Als Gerät vorgestellt, das einem geschliffenen Diamanten ähneln soll, ist hierzulande vom Edelstein-Design nicht mehr viel zu sehen. Die Entwicklungsabteilungen von o2 und T-Mobile setzten das Poliergerät an und ließen es sich nicht nehmen, das charakteristische, wenn auch eigensinnige Design des Touch Diamond ein wenig zu entzaubern. Zugegeben: Die Design-Änderungen dürften den nüchternen Geschmack der deutschen Masse weitaus eher treffen, als das taiwanesische Ausgangsmodell.

Sensible Schönheiten

Der XDA Diamond von o2 kommt in einer schicken Plastikhülle daher, die von der Form her an ein geköpftes Prisma erinnert. Schon beim Auspacken wird klar: das glänzende Plastik der Verpackung, das in ähnlicher Form auch am Diamond Verwendung findet, ist sehr anfällig für Fingerabdrücke. Der MDA Compact IV von T-Mobile ist sachlicher verpackt. Eine klassische, quadratische Box, ohne Glamour, ohne Glitzer.

Auch im Lieferumfang unterscheiden sich beide Ausführungen sehr. o2 spendiert dem XDA schicke Ohrhörer im passenden Diamond-Look (Modell HS S 300), die gleichzeitig als Headset dienen. Außerdem liegen eine Schutzhülle, ein glänzendes Ladegerät, ein USB-Kabel und ein Ersatz-Eingabestift, der so genannte Stylus, bei. Die Anleitung findet sich auf CD, ein GPRS-Monitor und Sprite Backup werden mitgeliefert. Schade, dass nur eine 60-Tage-Testversion von Office 2007 mit dabei ist. Bei früheren XDA-Modellen, beispielsweise dem XDA Orbit, fand sich eine Vollversion von Outlook 2002.

T-Mobile zeigt sich im Inneren der Verpackung weniger stilvoll, als o2. Neben dem MDA erhält der Kunde ein Headset, das ein klein wenig billiger wirkt, als das o2-Pendant. Außerdem ein Ladegerät im klassischen Hartplastik-Design, ein USB-Kabel und eine Schutzfolie für das Display. Eine Hülle sucht der Nutzer vergebens. Eine Anleitung oder sonstige Software lagen unserem Paket ebenfalls nicht bei. Dies liegt aber wahrscheinlich daran, dass es sich beim Testgerät von T-Mobile im Gegensatz zum XDA von o2 nicht um ein waschechtes Serienmodell handelt, sondern um eine Vorabversion.

Bevor wir uns dem eigentlichen Test zuwenden, zunächst ein Blick auf die technischen Spezifikationen der beiden Schmuckstücke. Das Herz der 110 Gramm leichten Smartphones bildet ein 528 Megahertz schneller Prozessor aus dem Hause Qualcomm (MSM7201A). Der ROM beläuft sich auf 256 Megabyte (MB), der DDR-RAM ist 192 MB groß. Außerdem besitzen Diamond und MDA Compact IV einen vier Gigabyte großen Speicher, der mit Musik-, Videodateien oder Fotos gefüllt werden kann. Ein Manko: ein Steckplatz zur Erweiterung ist nicht vorhanden. Der interne Speicher kann also nicht aufgerüstet werden. Vier Gigabyte sollten allerdings zunächst einmal ausreichen, um die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.

Netze satt

Da es sich bei den beiden Geräten um Smartphones der neuesten Generation handelt, verwundert es wenig, dass sie sich in allen erdenklichen Funknetzen wohlfühlen. UMTS, HSDPA, EDGE, Tri-Band-GSM sind an dieser Stelle die passenden Schlagwörter. Mobiles Internet steht in entsprechend ausgebauten Netzen mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde Downstream zur Verfügung. Außerdem findet sich noch ein (A-)GPS-Empfänger an Bord, der Navigation und Positionsbestimmung ermöglicht. Außerdem integriert: Bluetooth 2.0 und WLAN nach 802.11 b/g-Standard.

Als Betriebssystem kommt Windows Mobile 6.1 zum Einsatz. Hersteller HTC hat jedoch eine völlig neue, "TouchFLO 3D" getaufte 3D-Oberfläche aufgesetzt, die das vom Look und Bedienkomfort mehr als eingestaubte Windows Mobile in völlig neuem Licht erstrahlen lässt. Mehr zur Software-Ausstattung beleuchten wir an späterer Stelle, da MDA Compact IV und XDA Diamond im Umfang voneinander abweichen.

Ungleiche Brüder

Weitaus ähnlicher sind sich die zwei in Taiwan gefertigten Verwandten da schon im Gehäuse-Design, wenngleich es auch hier Unterschiede gibt. Der MDA Compact IV von T-Mobile präsentiert sich als weichgespülter Business-Hengst - der XDA Diamond von o2 ist sehr viel kantiger. Wieso sich T-Mobile für eine großmütterlich-graue Akku-Abdeckung entschieden hat, ist nicht so leicht nachvollziehbar. Die o2-Rückseite passt da besser zum selbstbewussten Gesamtdesign.

Interessant: T-Mobile hat sich für ein anderes Tasten-Layout entschieden, als o2. Beim MDA befinden sich die Ruftasten unmittelbar unter dem 2,8 Zoll großen TFT-LCD-Touchscreen. o2 hingegen entschied sich dazu, an gleicher Stelle die Home- (links) und Zurück-Taste (rechts) zu positionieren. Geschmackssache, welche Ausführung als angenehmer empfunden wird.

Betrachten wir zunächst den XDA Diamond von o2. Beim Anschalten meldet sich der Diamond mit einem sanften Vibrieren zur Stelle. Windows Mobile startet erfreulich schnell, die TouchFLO-3D-Oberfläche wird im Hintergrund automatisch geladen. Sofort zeigt sich das neue Gesicht von Windows Mobile: eine große animierte Uhr, darunter kleine Buttons, durch die man mit einem Fingerzug von rechts nach links scrollen kann: Startseite, Personen (Kontakte), Nachrichten, E-Mail, Fotos und Videos, Musik, Internet, Wetter und Einstellungen.

Stift raus, Display an

Wer doch den an der rechten Unterseite integrierten Eingabestift nutzen will, kann dies gerne tun. Ist das Display noch ausgeschaltet, erwacht es automatisch, sobald der Stift entnommen wird. Alternativ kann der Touchscreen auch an der linken Oberseite aktiviert werden. Der erste Eindruck des Displays ist hervorragend. Die Schrift ist klar und scharf, die Farben satt. Auch die Ausleuchtung haben die Entwickler gut hinbekommen - einziger Punktabzug: an den äußeren Rändern des Displays ist die Beleuchtung zu sehen. Beim XDA ein wenig mehr, als beim Bruder von T-Mobile.

Nach Erstkontakt lässt sich nichts Negatives über die neue TouchFLO-Oberfläche sagen. HTC hat es geschafft, die größte Schwäche von Windows Mobile weitgehend auszubügeln - den mangelnden Bedien-Komfort. Die persönlichen Favoriten der installierten Programme erreicht der Nutzer über den Programme-Reiter von TouchFLO, das Windows-Startmenü wird somit fast überflüssig. Die SMS- und E-Mail-Integrierung sieht nett aus, lädt jedoch etwas lange, wenn eine neue SMS oder E-Mail verfasst werden soll. Hier und da hakt das hin- und herscrollen zwischen den einzelnen Reitern - ein Indiz dafür, dass die 3D-Oberfläche einige Ressourcen benötigt.

Sehr durchdacht ist auch die Implementierung einer neuen Version von X-Button in der rechten oberen Display-Ecke. So lassen sich geöffnete Programme wirklich schließen und nehmen nicht weiter Kapazitäten in Anspruch, die an anderer Stelle benötigt werden. o2 hat dem Diamond zudem die neueste Version von TomTom-Navigator spendiert. Leider ohne Kartenmaterial - dies muss sich der Kunde hinzukaufen. Nur der Download einer einzigen Städtekarte ist kostenlos.

Überraschend gut zeigt sich der Musikplayer. Das Programm findet automatisch Musikdateien im internen Speicher und fügt sie der Medien-Bibliothek hinzu. Wurde zudem ein CD-Cover übertragen, wird dies in iPod-Manier angezeigt. Die Kopfhörer des XDA Diamond klingen in den Höhen sehr klar, zeigen sich in den Bässen jedoch ein wenig schwach auf der Brust. Als Headset und zum gelegentlichen Musikhören sind sie jedoch allemal geeignet. Musik-Junkies kaufen sich am besten einen MiniUSB-Klinke-Adapter und nutzen ihre Lieblings-Ohrhörer.

Das neue Edel-Smartphone von T-Mobile, der MDA Compact IV, zeigt sich in gewöhnungsbedürftigem Telekom-Magenta. Da sind die blauen Farben des o2-Designs weniger aufdringlich. Vom Leistungsumfang her ist TouchFLO 3D beim MDA gleichwertig mit dem, was der o2-Bruder bietet. Mit dem Unterschied, dass die Navigationssoftware aus dem eigenen Haus kommt. T-Mobile hat in den MDA Compact IV das selbst entwickelte NaviGate 2.5 implementiert. Positiv gegenüber o2: hier kann ganz Europa abgefahren werden. Auch hier negativ: der Kunde wird für die Navigation zur Kasse gebeten. Innerhalb Deutschlands kostet eine Route 99 Cent, europaweit 1,99 Euro. Alternativ ist auch eine Flatrate zum Preis von 9,95 Euro erhältlich. Für Vielfahrer ist da die o2-Variante möglicherweise günstiger.

Unterhaltung, bitte!

Wie auch beim XDA Diamond bietet der MDA Compact IV nützliche vorinstallierte Programme. Darunter finden sich Google Maps und ein YouTube-Videoplayer, der von HTC programmiert wurde. Beide Tools machen sehr viel Spaß, Google Maps hat zudem noch einen gewissen Nutzen. Da sowohl MDA als auch XDA GPS und A-GPS beherrschen, ist eine sehr genaue Standortbestimmung möglich. Wer sich also mal verlaufen hat oder eine Straße sucht, findet in dem kleinen Smartphone einen verlässlichen Helfer.

Besonders Spaß machen die beiden Programme natürlich nur, wenn eine entsprechend hohe Bandbreite zur Verfügung steht. Hier wird der MDA Compact IV sicher öfter mit HSDPA-Signalen verwöhnt, als sein o2-Vetter. Das Mobilfunknetz von T-Mobile erfreute auch bei unserem Test mit großflächiger Verfügbarkeit von HSDPA. Die Ortsbestimmung per Google Maps wie auch YouTube wurden genauso schnell wiedergeben, wie am heimischen Rechner. Sehr hoher Spaßfaktor!

Vorbildlich integriert ist bei beiden Geräten der Browser Opera Mobile . Der eigentlich kostenpflichtige große Bruder des beliebten Opera Mini zeigt Websites auf dem Display so an, wie sie auch auf dem PC wiedergegeben werden. Ähnlich wie beim mobilen Safari von Apple ist es möglich mit zwei Fingertips Bereiche zu vergrößern. Opera Mobile passt Textpassagen dann auf die Größe des Displays an, sodass ein horizontales Scrollen überflüssig wird. Dreht man das Gerät, kommt der G-Sensor zum Zug: das Display wird automatisch mitgedreht. Dadurch, dass jetzt in der Breite mehr Platz für Text vorhanden ist, optimiert Opera Mobile die Darstellung.

Die 3,2-Megapixel-Kamera an der Rückseite des Gehäuses beider Geräte ist durchaus brauchbar. Man darf zwar nicht mit hochauflösenden Bildern rechnen, für spontante Schnappschüsse ist sie aber geeignet. Als Auslöser dient der berührungsempfindliche Trackball, der sich inmitten der Hardware-Tasten unter dem Display befindet. Kritikpunkt ist hier der fehlende Blitz - im Dunkeln hat der Foto-Spaß ein Ende. Außerdem fiel im Test gleich mehrere Male negativ auf, dass die Cam nach dem Starten einen komplett schwarzen Bildschirm lieferte. Höchtswahrscheinlich ein Software-Fehler.

Bei beiden Geräten gefiel die gute Sprachqualität bei Telefonaten. Der Gesprächspartner klingt klar und ist gut verständlich - bei Windows Mobile keine Selbstverständlichkeit. Baut das Smartphone ein Telefonat auf, schaltet sich das Display automatisch ab. Sobald die Verbindung hergestellt wurde, ist ein kurzes Vibrieren zu vernehmen. Dies ist beim ersten Telefonat ein wenig verwirrend, stört aber nicht weiter.

Wo Licht ist...

...ist gewöhnlich auch Schatten. Die neueste Generation von HTC-Smartphones glänzt nicht an allen Ecken. Die Gehäuse des XDA Diamond und MDA Compact IV sind sehr anfällig für Fingerabdrücke. Der XDA Diamond wies nach unserem Test zudem feine Kratzer im Display auf - und das, obwohl das Gerät kein einziges Mal in der Hosentasche landete. Die von T-Mobile beigelegte Schutzhülle ist also auch für Diamond-Nutzer absolute Pflicht! Ein wenig vermissen wir die Status-LED, die offensichtlich in die Hörmuschel eingearbeitet, aber deaktiviert ist. So melden sich die Geräte nur bei eingehenden SMS, E-Mails oder verpassten Anrufen über eine, wenn auch schöne Licht-Animation am Trackball zurück. Wenn das Display aus ist, wirken die schwarzen Funker wie deaktiviert.

A propos ausgeschaltet: der Akku bietet lediglich 900 mAh - für ein Hightech-Gerät mit einer Funktionsvielfalt von XDA und MDA sehr schwachbrüstig. Man muss den HTC-Technikern zugute halten, dass sie es geschafft haben, den Diamond mit einer Akku-Ladung tatsächlich mehr als eine Woche am Leben zu halten. Im Standby-Test hielten beide Geräte satte zehn Tage aus. Wer unterwegs öfter auf HSDPA, WLAN und Co. zurückgreift, der muss XDA wie MDA dann aber doch alle ein bis drei Tage an das Stromnetz anschließen. Im Hause HTC ist man sich über diesen Negativpunkt bewusst und plant den Verkauf eines deutlich stärkeren Akkus. Dieser soll 1350 mAh bieten und wird als Zubehörteil erhältlich sein. Da dieser dicker ist als der Standard-Akku, wird auch eine neue Schale für die Hinterseite nötig. Mehr Saft bringt also Einbußen in der Tiefe des Gerätes mit sich - und kostet im HTC-Shop satte 55,95 Euro exklusive Versand.

Störend ist, dass TouchFLO 3D immer dann ins Stocken gerät, wenn bestimmte Hintergrundaktionen ausgeführt werden, beispielsweise eine 3G- oder HSDPA-Verbindung aufgebaut wird. Gleicher Effekt tritt ein, wenn Opera Mobile beendet wird. Bis das Gerät wieder in ruckelfreiem Umfang genutzt werden kann, vergehen einige Sekunden. Beendet man den YouTube-Client während dieser nach Videos sucht, ist ein Softreset die einzige Möglichkeit, den kleinen Helfer wieder nutzbar zu machen. Einige Störfaktoren also, die HTC in kommenden Versionen ausloten muss.

Fazit: Elegant und gut. Aber mit Kinderkrankheiten.

Der MDA Compact IV von T-Mobile ist ebenso wie der XDA Diamond von o2 ein treuer Begleiter für mehr oder weniger verspielte Technikfreunde. Die umfangreichen Funktionen machen Spaß, die neuartige 3D-Oberfläche bügelt zahlreiche Schwächen von Windows Mobile elegant aus. Im Vergleich zum unbefriedigenden TouchFLO-Zwischenschritt, den HTC beim HTC Touch tätigte, ist das neue TouchFLO-3D ein Meilenstein. Verglichen mit dem konzeptionellen wie auch technischen Benchmark, der iPhone-Oberfläche, möchte der Meilenstein dann doch nicht so wirklich glänzen.

Im Vergleich mit anderen Windows-Mobile-Geräten haben MDA Compact IV und XDA Diamond aber ganz klar die Nase vorn. In unserem Test gefiel uns der Lieferumfang. Auch Zugaben wie Opera Mobile oder das YouTube-Interface sorgten für gute Unterhaltung. Besonders hervorzuheben ist aber, dass es der MDA Compact und der Diamond schaffen, durch ihre eingängige Steuerung auch PDA-Neulinge zu begeistern. Ganz ohne Knebelverträge. So haben Geschäfts- und Privatkäufer viel Freude am vielleicht noch nicht ganz fertig geschliffenen Diamanten aus dem Hause HTC.

(Michael Müller)

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