Testbericht

Windows x64: Mehr Bit gleich mehr Biss?

Mit dem Release Candidate 2 des 64-Bit-Windows haben wir den Sprung auf 64-Bit bereits jetzt gewagt und die x64-Edition gegen das 32-Bit-XP antreten lassen.

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64-Bit kommt bestimmt. Aber muss es wirklich schon jetzt sein? Ja, findet zumindest Microsoft und peilt die Veröffentlichung von Windows XP Professional x64 für Mitte 2005 an. Doch welche Vorteile bietet die 64-Bit-Version überhaupt? Lohnt sich der Umstieg auf das kommende Betriebssystem? onlinekosten.de hat den aktuellen Release Candidate 2 installiert, und mit dem 32-Bit-XP verglichen.

Willkommen in der 64-Bit Welt

Viele erinnern sich noch an den Einstieg in die 32-Bit-Welt: Mit Windows 95 lieferte Microsoft damals sein erstes 32-Bit-Betriebssystem aus. Für den Anwender machte sich der Unterschied zu Windows 3.11 allerdings eher durch die neue Benutzeroberfläche bemerkbar. Auch bei dem jetzt bevorstehenden Wechsel ändert sich auf den ersten Blick wenig: Auf dem Bildschirm ist der Unterschied kaum zu merken.

Was ändert sich also unter der Haube? Die Angabe "64 Bit" bezieht sich auf die maximale Länge des Befehlsregisters in der CPU. Diese wird von 32- auf 64-Bit verdoppelt, wobei sich der maximal darstellbare Wertebereich von bisher vier Milliarden auf einen unvorstellbaren Wert von 16 Trillion, einer Zahl mit 18 Nullen, erweitert.

Dieser Sprung ist vor allem für die Größe des Arbeitsspeichers von Vorteil. Bei 32-Bit Systemen ist der Arbeitsspeicher auf maximal vier Gigabyte begrenzt. Das reicht zwar bisher für die meisten Anwendungen aus, könnte sich aber für zukünftige Programme als Flaschenhals erweisen. Beim 64-Bit-Windows ist durch den größeren Wertebereich auch mehr Arbeitsspeicher adressierbar: Es werden bis zu acht Terabyte unterstützt. Wer auf Windows x64 umsteigen möchte, benötigt einen Prozessor, der die 64-Bit-Adressierung unterstützt. AMD liefert mit dem Athlon 64 schon seit über zwei Jahren entsprechende Modelle; Intels Pentium 4 beherrscht 64-Bit-Befehle erst ab der Modellnummer 6.xx.

64-Bit-Chip ein Muss

Befindet sich ein Athlon64 oder ein Pentium 4 6.xx im PC, steht der Installation von Windows x64 nichts mehr im Weg. Einen Vorteil bringen die 64-Bit Prozessoren übrigens schon seit dem Erscheinen des Service Pack 2: Sie bieten Schutz gegen so genannte Buffer Overflows, durch die einige Virenarten in das System eindringen können. Dadurch werden jedoch bei Weitem nicht alle Arten von Computerviren abgewehrt. AMD nennt diese Technik "Enhanced Virus Protection", bei Intel heißt sie "Execution Disable".

Nah dran: Der RC2

Für den Vergleich zwischen den zwei Windows-Versionen kommen der Release Candidate 2 (RC2) von Windows x64 und das aktuell gepatchte Windows XP mit Service Pack 2 (SP2) zum Einsatz. Der RC2 ist eine Testversion, die nahezu den gesamten Funktionsumfang der fertigen x64-Version bietet. Die Version kann kostenlos auf der Microsoft-Homepage herunter geladen werden. Sie ist nur in englischer Sprache verfügbar und auf einen Nutzungszeitraum von einem Jahr begrenzt.

Treiber-Trouble

Die Installation von x64 auf dem Testrechner, einem Athlon 3200+ auf einem MSI K8N Neo Platinum Mainboard mit Nforce 3 Chipsatz und einer ATI X800 Grafikkarte, bereitet lediglich bei der automatischen Hardwareerkennung Probleme. Ein 64-Bit-Betriebssystem benötigt freilich auch 64-Bit-Treiber für die Hardwarekomponenten. Microsoft gibt dem RC2 zwar einige 64-Bit-Treiber mit auf den Weg, für alle Komponenten reicht das Treiberpaket aber nicht. Nach abgeschlossener Windows-Installation fehlen die Treiber für den Nforce3 Chipsatz, die 3Com-Netzwerkkarte und den Soundblaster Audigy 2. Auf der Nvdia-Seite können 64-Bit-Beta-Treiber für den Nforce3 herunter geladen werden. Sie funktionieren auf dem Testsystem problemlos.

Beta, Beta, Beta

Durch nachinstallierte Betatreiber von Creative funktioniert auch die Audigy-Soundkarte einwandfrei. Für die 3com-Netzwerkkarte ist dagegen noch kein 64-Bit Treiber verfügbar. Um die möglichst beste 3D-Performace für die Benchmarks zu erzielen, laden wir zudem noch die "Radeon x86_64 beta 4"-Treiber für die Grafikkarte von der ATI-Homepage. Insgesamt benötigt das frisch installierte Windows x64 RC2 1,75 Gigabyte auf der Festplatte.

Echte 64-Bit-Programme gibt es bisher so gut wie keine. Natürlich unterstützt Windows x64 aber auch 32-Bit-Programme. Selbst Microsoft liefert nicht alle Windows-Programme als 64-Bit-Version. So liegt der Mediaplayer nur in einer 32-Bit-Version vor. Die 64-Bit-Version des Internet Explorers lässt sich nur eingeschränkt nutzen, weshalb auch eine 32-Bit-Version installiert ist.

Programmsuche für x64

Die auf dem Testsystem nachinstallierten 32-Bit Programme laufen ohne Probleme. Es laufen unter anderem der Browser FireFox, das Chatprogramm Trillian, und der Quintessential Player. In dem Windows-Taskmanager weist das Kürzel "*32" hinter dem Softwarenamen auf ein aktives 32-Bit Programm hin. Alte 16-Bit-Programme sind nicht mit x64 kompatibel.

Um die Performance des neuen Windows x64 zu messen und vergleichen zu können installieren wir das Benchmarking-Tool Sisoft Sandra 2005 in der 64-Bit-Version. Auf dem parallel installierten XP Professional mit SP2 lassen wir Sandra 2005 in der 32-Bit-Version laufen. Die Ergebnisse sind enttäuschend: Die 64-Bit-Plattform schlägt den 32-Bit-Kollegen lediglich bei der Floatingpoint-Berechnung deutlich, während die anderen Benchmarks gleich schnell oder nur geringfügig schneller laufen.

3D-Performance

Um die Spieletauglichkeit der x64-Edition zu prüfen, nutzen wir die Spielebenchmarks 3DMark 2005, 3DMark 2003 und die neueste Version der Aquamarks. Leider lässt sich Aquamark unter Windows x64 nicht starten: Der Ladevorgang wurde ohne Fehlermeldung abgebrochen. Im 3DMark kann die x64-Edition ebenfalls nicht punkten. Die Ergebnisse fallen sogar schlechter aus als auf dem 32-Bit-XP. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass wir für x64 Betatreiber von ATI nutzen. Diese sind erfahrungsgemäß etwas langsamer, als die auf dem 32-Bit-XP installierten Catalyst-Treiber.

Für die Zukunft

Wie der Test zeigt, bringt das 64-Bit-Windows bisher keine echten Vorteile. Das liegt an der fehlenden Treiberunterstützung, und vor allem an dem Fehlen von 64-Bit-Software. Doch selbst bei entsprechender Softwareunterstützung wird 64-Bit nicht den großen Performancesprung bringen, für den viele Hersteller die Werbetrommel rühren. Das zeigt der Test mit der 64-Bit-Version des Benchmark-Tools Sandra.

Für die Zukunft ist 64-Bit aber dennoch der richtige Weg, wie der Serverbereich schon heute zeigt: Hier werden aufgrund der großen Datenmengen häufig schon mehr als vier Gigabyte Arbeitsspeicher genutzt. Wann der Privatanwender für seinen PC einen Riesenspeicher benötigt, ist aber noch nicht absehbar. Nutzer von Windows XP mit SP2 können also getrost abwarten.



Benchmark-Ergebnisse
Benchmark Win XP 32-Bit Win XP x64
Sisoft Sandra SR1 (32/64-Bit)
CPU – ALU 10069 MIPS 10749 MIPS
CPU – FPU 3446 MFLOPS 3927 MFLOPS
CPU – SSE2 4481 MFLOPS 4597 MFLOPS
RAM – Float Buff\'d iSSE2 3295 mb/s 3355 mb/s
RAM – Int Buff\'d iSSE2 3294 mb/s 3356 mb/s
3DMark 2003
3DMarks 12226 11534
CPU Score 959 988
CPU Test 1 117,3 fp/s 120,3 fp/s
CPU Test 2 15,3 fp/s 15,8 fp/s
GT1 – Wings of Fury 298,4 fp/s 296,0 fp/s
GT2 – Battle of Proxycon 94,4 fp/s 88,3 fp/s
GT3 – Trolls Lair 73,8 fp/s 71,2 fp/s
GT4 – Mother Nature 79,1 fp/s 71,2 fp/s
Füllrate (Single Texturing) 3038,8 Mtexel/s 3039,4 Mtexel/s
Füllrate (Multi Texturing) 7105,4 Mtexel/s 7111,2 Mtexel/s
Pixel Shader 2.0 148,8 fp/s 130,4 fp/s
3DMark 2005
3DMarks 5868 5680
CPU Score 4298 4265
CPU Test 1 2,2 fp/s 2,1 fp/s
CPU Test 2 3,7 fp/s 3,9 fp/s
GT1 – Return to Proxycon 27,6 fp/s 26,8 fp/s
GT2 – Firefly Forest 16,4 fp/s 16,1 fp/s
GT3 – Canyon Flight 28,6 fp/s 27,1 fp/s
Fillrate (Single Texturing) 3535,2 Mtexel/s 3535,2 Mtexel/s
Fillrate (Multi Texturing) 8277,1 Mtexel/s 8277,1 Mtexel/s
Pixel Shader 2.0 146,2 fp/s 145,2 fp/s
Vertex Shader (Simple) 57,0 MVertices/s 64,1 MVertices/s
Vertex Shader (Complex) 47,9 MVertices/s 47,9 MVertices/s
Aquamark 3
GFX 10221 0
CPU 9623 0
Triangles/s 20.098.918 t/ps 0 t/ps
Frames 66,77 fp/s 0 fp/s
Werte gemessen auf: AMD Athlon 64 3200+ CG (Clawhammer) 2000 MHz @ 2200 MHz; Sapphire Radeon X800 XT Platinum Edition 256 MB (520/1020 MHz); 2x 512 MB A-Data Vitesta PC4500 (DDR566); MSI K8N Neo Platinum mit NForce 3 250 Gb

(Klaus Wiesen)

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