Testbericht

Windows 8 auf einem Touch-Notebook installiert: Wiederbelebung für alte Convertibles?

Beim Thema Windows 8 scheiden sich schon die Geister, bevor das Betriebssystem überhaupt für den Endkunden erschienen ist. Gerade für Nutzer, in deren Haushalt ein Windows-7-Gerät mit Touchscreen sein Dasein fristet, könnte der Nachfolger aber für frischen Wind sorgen. Wir haben es mit dem Acer Aspire 1825PTZ Convertible ausprobiert - und eines war schnell klar: Windows 8 darf bleiben.

Beim Thema Windows 8 scheiden sich schon die Geister, bevor das Betriebssystem überhaupt für den Endkunden erschienen ist. Gerade für Nutzer, in deren Haushalt ein Windows-7-Gerät mit Touchscreen sein Dasein fristet, könnte der Nachfolger aber für frischen Wind sorgen. Wir haben es mit dem Acer Aspire 1825PTZ Convertible ausprobiert - und eines war schnell klar: Windows 8 darf bleiben.

Windows Phone© Microsoft

Windows-7 via Touch-Steuerung bedienen – das kann man machen, muss man aber nicht. Es macht schlichtweg keinen Spaß, da sind sich wohl die meisten Nutzer einig. Mit Windows 8 soll alles anders werden und so wurden auf der IFA Ende August zahlreiche Touchscreen-PCs, neue Tablets und Convertible-Laptops vorgestellt. Letztere gab es auch schon zu Zeiten von Windows 7; kann ihnen das neue Betriebssystem zu neuem Glanz verhelfen? Das wollten wir wissen und nachdem wir Windows 8 bereits auf einem Laptop ohne Touchscreen getestet haben, folgen nun unsere Erfahrungen inklusive berührungsempfindlichen Display: Testkandidat ist ein Acer Aspire 1825PTZ, ein Subnotebook mit 11,6-Zoll-Bildschirm.

Windows-8-Behandlung für das Aspire 1825PTZ

Das Convertible-Gerät versammelt im Innern einen Intel Dual-Core-Prozessor Typ Pentium SU4100 mit 1,3 Gigahertz, 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und eine 320-GB-Festplatte. Die Bildschirmauflösung liegt bei 1.366x768 Bildpunkten - schön für HD-Filme, schlecht für die Touch-Bedienung unter Windows 7: Symbole und Schaltflächen sind oftmals zu klein, um sie anständig mit dem Finger zu treffen. Und genau so soll das Display aber angesteuert werden, ein Stift liegt dem Gerät nicht bei. Windows 8 und seine Kachel-Oberfläche sollen es nun richten.

Die Installation verlief in unserem Test problemlos und die Hardware-Komponenten wurden größtenteils sofort erkannt. Das heißt, der Touchscreen funktionierte auf Anhieb, das Touchpad aber nur rudimentär. Es wollte lediglich navieren, aber weder Gesten noch ein Antippen als einen Mausklick interpretieren. Auch der Kartenleser und der Lagesensor ließen sich nicht verwenden. Nachdem die Windows-7-Treiber von der Acer Support-Website installiert wurden, arbeiteten Touchpad und Kartenleser anstandslos, der Lagesensor mag aber nach wie vor nur Windows 7, sodass das Bild nun nicht mehr mitdreht. Da der Laptop mit einem Gewicht von 1,72 Kilogramm ohnehin so gut wie nie hochkant als Tablet im Einsatz war, ist das kein Beinbruch.

Der Touchscreen wird sofort erkannt - und blüht richtig auf

Hin oder her, unser Test-Notebook mit HDD ist gewiss keine Rennmaschine und trotzdem können wir uns über einen zügigen Start von Windows 8 freuen, während Windows 7 auf dem Aspire je nach Gemütslage eine halbe bis eine ganze Minute verstreichen lässt. Wie im Windows 8 Erfahrungsbericht geschildert, nimmt Microsoft den Nutzer beim Erstkontakt an die Hand und zeigt ihm die neuen Gesten, die zu erlernen sind, und das ist auch gut so. Windows-8-Tablets müssen den Anforderungen von Microsoft entsprechend zwangsläufig Gesten mit fünf Fingern interpretieren können. Für die wichtigsten Gesten reichen aber zwei Finger aus, wie der Hersteller in einem Blog-Beitrag ausführt. So erfüllt unser Test-Laptop mit Zwei-Punkt-Touchscreen nur das Minimum und kann daher nicht für dem kompletten Funktionsumfang zur Verfügung stehen.

Windows ist endlich mit dem Finger bedienbar

Doch unterm Strich reichen auch die Zweifingergesten, um seine Freude am Windows-8-Look, ehemals "Metro", zu haben. Die seitlichen Wischgesten, das Auswählen oder Verschieben von Kacheln und Drehen von Bildern lässt sich mit dem Aspire 1825PTZ fehlerfrei verrichten. Nachrichten im Vollbildmodus zu lesen und mit dem Finger auf dem Display seitwärts weiter zu scrollen – das erinnert an Apps wie Flipboard oder Google+ auf Android 4.1 Jelly Bean. Mit dem hakeligen und oftmals fehlerhaften Navigieren per Finger unter Windows 7 hat das rein gar nichts mehr gemeinsam. Für Touchscreens optimiert hat Microsoft auch den Internet Explorer, der in Version 10 in zwei Ausgaben erscheint. Ob nun der Kachel-Browser im Vollbildmodus mit großen Bedien-Buttons oder aber die vollständige Desktop-Version starten soll, kann der Anwender in den Einstellungen festlegen. Anzumerken ist, dass der IE 10 im Kachel-Stil nicht mit allen Flash-Webseiten harmonisiert und auch kein entsprechendes Plug-in installiert werden kann. Ein Besuch bei mcdonalds.de oder anderen nicht unterstützten Seiten endet daher mit einer Fehlermeldung, dann muss auf den Desktop-IE zurückgegriffen werden. Mehr dazu beschreibt Microsoft in einem Blog-Artikel über die IE 10 Platform Preview.

Für Nachrichten greift Microsoft auf Bing-News zurück, weitere Quellen und Anwendungen stehen im Windows Store - kostenpflichtig oder kostenlos - zum Download bereit. Wir haben unter anderem eBay, "Wikipedia" und "iCookbook" ausprobiert. Das seitliche Blättern zieht sich durch und wird von Microsoft beispielsweise auch für das neue Office 2013 verwendet. Die jederzeit über die Charm-Leiste einblendbare Suche kann dann auch auf das Auktionshaus oder das Online-Lexikon beschränkt werden, ansonsten durchsucht sie je nach Bedarf Apps, Windows-Einstellungen, Dokumente oder Mails. Erst nach einem Neustart laufen wollte bei uns die Übersetzungs-App "Leo", die aber auch noch als "Testversion" gekennzeichnet ist.

Den Touchscreen nutzten wir zudem mit der Mal-App "Paint 4 Kids" und dem einfachen Spiel "Bubblestar" aus dem Windows Store aus, wobei uns auch hier keine Nachteile durch die 2-Punkt-Technik entstanden und die Empfindlichkeit überzeugte. Bei den vom Rand ausgehend auszuführenden Touch-Gesten erwies sich der flache Rahmen des Aspire 1825 PTZ als angenehm. Eine zu hohe Kante könnte hier eventuell nerven. Auch ist nicht gesagt, dass die Berührungen auf jedem Touch-Gerät gleich gut interpretiert werden, auch wenn Microsoft für viele eventuelle Verständigungsschwierigkeiten Lösungen eingebaut hat.

Bruch zwischen Windows-8-UI und Desktop

Doch so gelungen die Touch-freundliche Windows-8-Oberfläche auch ist, so hart ist der Bruch zum Desktop-Look. Wer im Kachel-Modus einen externen Datenträger wie eine Speicherkarte oder einen USB-Stick anschließt, wird zurück zum Desktop-Modus geworfen. Das irritiert anfangs und es drängt sich die Frage auf, warum die Redmonder an dieser Stelle keine hübsche Kachel für den Datenzugriff anbieten. Allerdings ist die Vorgehensweise nur konsequent: Das Windows-8-UI ist nunmal auf die Cloud getrimmt und der bodenständige Datenstick gehört offensichtlich in die frühere Windows-Welt. Nach dem Kopieren auf die Festplatte können die Daten von der Kacheloptik aus auffindbar gemacht werden, indem sie in die Bibliothek geschoben werden. Dann erscheinen sie in den jeweiligen Kacheln, zum Beispiel Fotos, die sich dank der Live-Kachel-Funktion schon auf dem Startbildschirm im Miniaturformat wie in einer Diashow abwechseln.

Ab Werk nur im Kachel-Modus: SkyDrive und Teilen

Programme, die unter der Desktop-Ansicht installiert wurden, finden sich in der Windows-8-Oberfläche unter dem Punkt Alle Apps. Klickt man sie an, öffnen sie sich im Desktop-Modus. Um Daten zwischen verschiedenen Geräten auszutauschen oder von PC, Laptop und Windows-Smartphone auf einen gemeinsamen Speicherort zugreifen zu können, lässt sich Microsofts SkyDrive nutzen. Zum Beispiel um Inhalte aus der Bibliothek über die Charm-Leiste und den Punkt Teilen in die Cloud hochzuladen - aber nur im Windows-8-Modus. Wer die gleiche Aktion in der Desktop-Ansicht ausführen möchte, erhält eine Absage. Alternativ kann das gewünschte Dokument manuell im SkyDrive abgelegt werden, was im Prinzip funktioniert wie bei Dropbox. Microsoft hat seine Cloud aber im Auslieferungszustand noch nicht im Desktop verankert, was daher per Installation aus den Windows-Live-Anwendungen von Hand nachgeholt werden muss. Gut für diejenigen, die der Cloud-Thematik nichts abgewinnen können; umständlich für andere, die sich darauf einlassen möchten und ein konsistentes Bild zwischen Touch- und Desktop-Modus wünschen.

Je nach Anwendung wechselt Windows hin und her

Auch an anderer Stelle ergeben sich Ungereimtheiten: Dass PDF-Dokumente im gekachelten Fenster von Haus aus unterstützt werden, ist absolut zu begrüßen. Doch öffnen sich die Dokumente immer im Kachelbereich, auch wenn sie vom Desktop aus angeklickt werden. Um das zu ändern, muss ein PDF-Reader installiert werden. Natürlich stellt das kein Problem dar, zeigt aber, dass das Betriebssystem immer wieder zwischen seinen zwei Oberflächen umswitchen muss. Der Nutzer muss sich daher entscheiden, ob er sich daran gewöhnt oder im Nachhinein entsprechende Funktionen umstellt beziehungsweise Programme hinzufügt, um den Ablauf an seine Gewohnheiten anzupassen.

Split-Screen als Brücke vom Desktop zur Kachel

Um Apps aus beiden Oberflächen nebeneinander anzuzeigen, muss lediglich der Mauszeiger in der Windows-8-Anzeige an den oberen Display-Rand bewegt werden, bis sich der Cursor in eine Hand verwandelt. Dann kann das App-Fenster entsprechend verkleinert und an die gewünschte Stelle gezogen werden.

Ganz gut geschafft hat Microsoft den Spagat bei der Bildschirmtastatur. Ausgehend von der Windows-8-Oberfläche führt jeder Klick in ein Textfeld wie bei den mobilen Betriebssystemen iOS oder Android unweigerlich zur Anzeige der On-Screen-Tasten und es kann sofort losgetippt werden. Befindet sich der Anwender im Desktop-Modus, ist das nicht so. Stattdessen geht Microsoft von einer Hardware-Tastatureingabe aus, bietet über ein Symbol in der Taskleiste aber jederzeit einen schnellen Zugriff zur Touch-Eingabe. Auf unserem 11,6-Zoll-Testgerät hatten wir dementsprechend großzügigen Platz zum Tippen, 10-Finger-Schreiben klappte mangels haptischen Feedbacks weniger gut. Alternativ kann die Tastatur aufgeteilt und an den Rändern eingeblendet werden, um mit den Daumen zu schreiben, oder auf die Eingabe per Handschrift umgeschwenkt werden. Mit dem Finger geht das zwar weniger zügig und macht daher weniger Sinn, wurde in unserem Test aber auch korrekt interpretiert.

Fazit: Sehr viel Potential auf Convertible-Geräten, ohne Touchscreen gewöhnungsbedürftig

Kommt bei der Touch-Steuerung von Windows 8 also endlich die Freude auf, die sich im Umgang mit Windows 7 nach kurzer Zeit in Enttäuschung umwandelte? Nach ein paar Tagen mit unserem Touch-Notebook lässt sich sagen: Ja! Endlich haben Touchscreens bei Laptops auch ohne Eingabestift eine Daseinsberechtigung, denn Windows 8 verleitet in der Kachel-Optik einfach dazu, die Flächen anzutippen anstatt mit der Maus anzusteuern. Und auch beim Blättern durch Fotos oder Nachrichten erwischt man sich dabei, wie der Finger in Richtung Display zielt. Sollte also noch ein berührumgsempfindliches Windows-7-Gerät zuhause herumliegen, so lässt sich dessen brachliegende Touch-Funktion jetzt sinnvoll zum Leben erwecken. Für die Desktop-Oberfläche hingegen bleibt die Verwendung eines Touchpads oder einer Maus zum vernünftigen Arbeiten weiterhin unumgänglich.

Ob das alles nun reicht, damit sich neue Notebook-Käufer ab sofort für Geräte mit Touchscreen entscheiden, ist schlichtweg eine Geschmacks- und Geldfrage. Schick und praktisch mag es sein, unbedingt nötig aber nicht. Für Technik-affine, die mit Touch-Betriebssystemen und Windows Erfahrung haben, ist Windows 8 eine interessante Kombination aus beiden Welten. Anfänger könnten aber mit zwei derart verschiedenen Systemen unter einer Haube hoffnungslos überfordert sein.

Ohne einen Touchscreen genutzt könnte Windows 8 ein schlankerer und flotterer Nachfolger von Windows 7 sein, wenn Microsoft einem nur die Wahl lassen würde, den Kachel-Look bei Bedarf einfach ganz abzuschalten. Vielleicht sollten Büro-Anwender und Kachel-Verweigerer bei dieser Gelegenheit auch ihren geliebten Start-Button und das Herunterfahren in zwei Klicks zurück erhalten. Doch stattdessen hat sich Microsoft dazu entschlossen, den Kunden die Kacheln anzutrainieren und gewohnte Muster abzugewöhnen. Was die Firmenkunden stört, könnte also genau diejenigen freuen, die einen klassischen Windows-PC bislang als langweilig und dröge abgestempelt haben, und sie für weitere Microsoft-Produkte wie Windows Phone 8 begeistern. Ein mutiger Schritt von den Redmondern - ob sich die neue Oberfläche auch auf Geräten ohne Touch-Funktion als eine Art iGoogle durchsetzen wird, werden die Anwender entscheiden.

(Saskia Brintrup)

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