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Wind U160 Netbook im Test: MSIs neues Goldstück

Ein Netbook, das direkt einen Design-Award abräumt und mit einer 15-Stunden-Akkulaufzeit wirbt, schürt hohe Erwartungen. Ob das Wind U160 erfreut oder enttäuscht, haben wir getestet.

Ein Netbook, das direkt einen Design-Award abräumt und mit einer 15-Stunden-Akkulaufzeit wirbt, schürt hohe Erwartungen. Ob das Wind U160 erfreut oder enttäuscht, haben wir getestet.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

MSI ist auf dem Netbook-Markt bereits ein alter Hase: Das erste Wind kam 2008 auf den Markt und setzte den kleinen Linux-Notebooks Windows XP und einen Intel Atom Prozessor entgegen. Danach folgten weitere Wind Netbooks, Nettops und All-in-one-Versionen, zur CES in Las Vegas präsentierte der Hersteller aus Taiwan schließlich die neuen Wind Netbooks mit Intel Pine Trail Chipsatz - das Wind U135 und das U160. Das erste Gerät haben wir bereits getestet und für gut befunden, jetzt schlug auch das schlankere und extravagantere Wind U160 mit 10-Zoll-Display in unserer Redaktion auf. Die Top-Merkmale: ein klarer Fokus auf Design und angeblich bis zu 15 Stunden Laufzeit.

Überblick – MSI Wind U160 im Test

  1. Von außen: Look, feel und Tastatur
  2. Technische Daten, Akku und Display
  3. Schnittstellen, Fazit und Infotabelle

Zugegeben, als sich das Gehäuse, das auf den ersten Produktfotos zur CES noch braun-beige wirkte, im Datenblatt als goldfarbene Hochglanz-Ausführung entpuppte, machte sich ein wenig Skepsis breit. Gold in Verbindung mit Hardware mag man zunächst mit prolligen Handys für Möchtegern-Playboy-Bunnies assoziieren, beim MSI Wind U160 sind die Befürchtungen aber unbegründet. Ansonsten hätte das 267x165 Millimeter (mm) große und 1,2 Kilogramm leichte Netbook sicher auch keinen iF Produkt Design Award erhalten. Nutzer, die sich trotzdem nicht mit einem goldenen Notebook auf die Straße wagen, können auf die zweite Farbvariante umsteigen: schwarz (U160-4516W7S Black). Wer "Design" sagt, muss meistens auch "dünn" sagen: Das U160 ist mit 25 mm schlanker als seine Wind-Serienkollegen. Die Leiste oberhalb der Tastatur – hübsch in gebürsteter Alu-Optik gehalten – ist aber nicht gerade widerstandsfähig gegen Kratzer. Unser Testgerät wies bereits ein paar kleine Macken auf.

Mit Chiclet-Tastatur

Im Gegensatz zum Wind U135 integriert das U160 das Touchpad nahtlos in die Handballenauflage. Ein Noppenmuster sorgt für den nötigen Grip, ist in der Praxis aber ein wenig störend. Multitouch gibt es offenbar noch nicht, zwar nennt sich das Eingabegerät bei der Treiberauswahl "Sentelic Multi Touchpad", aber auch nach der Installation führten Gesten mit mehreren Fingern zu keinem Ergebnis. Die Tastatur ist mattiert und hat sich an der Chiclet-Schublade mit den einzelnen Tasten bedient. Sie sehen nicht nur schön aus, sondern erlauben auch angenehmes Schreiben. Positiv sticht dabei auch die Leertaste hervor: Wo andere Hersteller wie Sony (Vaio M) oder Samsung (NB30) aus Platzmangel ein Stückchen wegnehmen, ist sie beim U160 groß genug, um sicher getroffen zu werden. Dies bemerkten wir auch schon beim anderen Wind Gerät.

Ab und zu landen die Finger aber auf den Pfeiltasten anstatt auf der rechten Umschalttaste, was eine weitverbreitete "Netbook-Krankheit" ist, an die zum Teil schmaleren Tasten muss sich der Nutzer erst gewöhnen. Aufgrund der steilen Bauweise sind zudem die Klicktasten nicht ganz so gut zu bedienen wie beim U135. Die durchgehende Leiste ist sehr nah am Rand platziert und daher abschüssig.

Die technischen Daten entsprechen dem aktuellen Netbook-Stand: ein Intel Atom N450 Prozessor mit 1,66 Gigahertz (GHz) und integriertem Intel GMA 3150, ein Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 160 GB Speicherplatz. Im Handel ist außerdem eine Version mit 250-GB-Festplatte erhältlich. MSI stellt heraus, dass sich die Komponenten leicht upgraden lassen, der RAM kann wie beim U135 auf zwei GB verdoppelt werden. Dass die Leistung der neuen Intel Plattform im Vergleich zum Vorgänger nicht gerade sprunghaft ansteigt, konnten wir schon beim Wind U135, dem Sony Vaio M und dem Samsung NB30 sehen, die bei den Benchmarks (siehe Seite 3) ähnliche Werte erzielten. Vielmehr ist auch eine lange Akkulaufzeit das Ziel – und die fällt beim MSI Wind U160 - zunächst auf dem Papier - enorm aus.

Überblick – MSI Wind U160 im Test

  1. Von außen: Look, feel und Tastatur
  2. Technische Daten, Akku und Display
  3. Schnittstellen, Fazit und Infotabelle

Damit der Wert in der Praxis gehalten wird, wurde nicht nur ein 6-Zellen-Akku geordert, sondern auch auf die vielfach verwendete Eco-Engine und eine LED-Hintergrundbeleuchtung gesetzt. Der 10 Zoll große Bildschirm mit 1.024x600 Pixeln verfügt über eine gute Farbwiedergabe und erscheint kräftiger als beispielsweise das Samsung NB30, wenn auch subjektiv etwas weniger hell und kontraststark als das Display des Wind U135. Es lässt sich leider nicht besonders weit umklappen. Einen 180-Grad-Winkel erreicht ohnehin nicht jedes Notebook, was auch nicht nötig ist, das Wind U160 ist aber doch etwas "steifer". Was wieder stört, ist der Spiegeleffekt. Jetzt, wo endlich Temperatur und Sonnenschein ins Freie locken, lässt sich feststellen, dass ein Glare-Type-Display unter freiem Himmel nur schlecht nutzbar ist. Die Lautsprecherqualität entspricht dem üblichen Netbook-Standard und ist demnach weder besonders gut noch besonders schlecht.

Rund 10 Stunden Akkulaufzeit ohne Display-Pause

Jetzt geht es an die Akkulaufzeit, die erwähnten 15 Stunden konnten wir im Test nicht nachweisen. Die Hersteller sind bei der Angabe der Laufleistung von Akkus in Notebooks oder MP3-Playern oft dem Aufrunden zugewandt, aus 9 Stunden werden in der Praxis 8, aus 20 Stunden Musikwiedergabe 18, manchmal aber auch 21 Stunden. Wenn aus 15 Stunden beim Wind U160 "nur" etwas mehr als 9,5 Stunden werden, muss es aber an einer zu großzügigen Angabe seitens MSI liegen. Zwar durfte sich das Display bei den Messungen aufgrund der Vergleichbarkeit zu anderen Tests nicht ausschalten, dennoch sind die 15 Stunden zu hoch gegriffen. Zu erreichen ist der Wert mit dem Turbo Battery Modus aus MSIs Eco Engine. Aber: Diese Einstellung schraubt die Helligkeit des Displays so weit herunter, dass das Angezeigte kaum noch lesbar ist und liefert daher keinen praxisnahen Wert - jedenfalls nicht, um zu surfen, Medien zu komsumieren oder Büro-Anwendungen zu nutzen. Schlussendlich ist die Leistung aber sehr gut, unter voller Auslastung wurden mehr als 5,5 Stunden erreicht, Videos müssten mindestens 6 Stunden abgespielt werden können - das U160 ist demnach definitiv mobil.

Bezüglich der Schnittstellen und Extras unterscheidet sich das Netbook nicht von seinen Konkurrenten. Vorhanden sind eine 1,3-Megapixel-Webcam mit Gesichtserkennungs-Software, Stereo-Lautsprecher und ein Mikrofon sowie LAN, WLAN 802.11b/g/n, Bluetooth, drei USB-Ports und ein Kartenleser. Das Netzteil wird mittig links angeschlossen, eine Anordnung weiter hinten oder an der Rückseite hätte uns aber besser gefallen.

Überblick – MSI Wind U160 im Test

  1. Von außen: Look, feel und Tastatur
  2. Technische Daten, Akku und Display
  3. Schnittstellen, Fazit und Infotabelle

Wenn MSI schon mehrere neue Netbooks mit gleicher Displaygröße und Innenleben herausbringt, muss sich der Mainboard- und Computer-Hersteller einen direkten Vergleich gefallen lassen: Das Wind U160 ist schmaler und leichter als das Wind U135, aufgrund des sorgfältigen Designs aber auch teurer. Ein kleiner Unterschied: Der Kartenleser im U160 akzeptiert nur zwei anstatt vier Speicherkartenformate und die Klicktasten sind weniger ergonomisch. An diesen Stellen hören die Nachteile aber auf. Mit der längeren Akkulaufzeit wirft MSIs Goldjunge seinem Netbook-Bruder einen überlegenen Blick zu. Wer sich zwischen dem U135 und dem U160 nicht entscheiden kann, muss seine Preisvorstellung, den Stellenwert der Ästhetik und des Gewichts abklopfen. Wer sich oft im Freien aufhält, sollte lieber zu einer Alternative mit mattem Display greifen.


Name: Wind U160 (U160-4516W7S Gold)
Hersteller: MSI
Internet: www.msi-computer.de
Preis: UVP 379 Euro (160 GB), 399 Euro (250 GB)
Technische Daten
Prozessor: Intel Atom N450 mit 1,66 GHz
Grafikkarte: Onboard: Intel GMA 3150 ohne eigenen Speicher
Bildschirm: 10 Zoll (1024x600 Pixel), glänzend
Akku: Lithium-Ionen-Akku mit sechs Zellen: Laufzeit: 325 Minuten unter Vollast (WLAN und Bluetooth ein) / 575 Minuten Lesetest (WLAN und Bluetooth aus) / 363 Minuten Videowiedergabe (Lautstärke + Display 50%)
Speicher: 1 GB (DDR2 Onboard)
Festplatte: 160 GB mit 5.400 U/Min
Laufwerk: -
Soundkarte: Realtek High Definition Audio
Kommunikation: LAN, WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth
Betriebssystem: Windows 7 Starter
Abmessungen: BxTxH: 265 x 165 x 19,8 bis 25,4 Millimeter; 1,2 Kilogramm
Anschlüsse: D-Sub (VGA), 3x USB, Kartenleser (SDKarten, MultiMedia Card), Mikrofon, Kopfhörer
Sonstiges: 1,3-Megapixel-Webcam
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex: CPU: 2,3 / RAM: 4,5 / 2D: 3,0 / 3D: 3,0 / HDD: 5,3

7-Zip:164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format: 100 Sek. .
CPU-Benchmark von PC Wizard: 7.385
CPU-Benchmark Cinebench:482
Grafik-Benchmark FurMark: keine Unterstützung
OpenGL-Benchmark Cinebench: 304
HDD-Benchmark von PC Wizard: Sequentielles Schreiben/Lesen: 55/63 MB/s; gepuffertes Schreiben/Lesen: 93/146 MB/s; zufälliges Lesen: 27 MB/s
Stromverbrauch: Ausgeschaltet am Netz: ca. 0,4 Watt
Eingeschaltet im Energiesparmodus: ca. 8,5 Watt
Videowiedergabe im Energiesparmodus: ca. 12,2 Watt
Benchmark-Test unter Höchstleistung (Displayhelligkeit 100%, WLAN ein): ca. 17,0 Watt
Garantie: zwei Jahre Pick-up & Return
Pro & Contra
besonderes Design
leichter als viele Konkurrenz-Netbooks
sehr lange Akkulaufzeit
zwei Festplattengrößen zur Wahl
Hochglanz-Bildschirm (Geschmacksfrage)
kein Leistungszugewinn durch Pineview
kein Multitouch-Pad
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Ergonomie (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): sehr gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (1,9)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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