Testbericht

wiFon im Test: Telefonate per WLAN oder GSM

Der Festnetzanschluss wird laut Eteleon, Vermarkter der wiFon-Software für Handys, überflüssig. Dank wiFon ist während des Gesprächs ein nahtloser Übergang von einem WLAN-Netz in das herkömmliche GSM-Netz ohne Unterbrechung möglich.

VoIP© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Die Tage des Festnetzes scheinen gezählt zu sein. Immer mehr Anwender wechseln zu Anbietern, die kostengünstige Telefonate per Internet (VoIP) anbieten. Auch mobil können mittlerweile VoIP-Telefonate geführt werden, eine entsprechende Handy-Software vorausgesetzt. Eine solche vermarktet unter anderem eteleon, Vertreiber von Mobilfunkprodukten, unter dem Namen wiFon. Mit wiFon sollen unterbrechungsfreie Gespräche auch bei einem Wechsel zwischen WLAN- und GSM-Netz möglich sein. Onlinekosten.de hat die Software getestet.

Test mit 100 Gratisminuten

Nach einer rund einjährigen Betaphase möchte eteleon mit dem wiFon nun durchstarten. Anfang September wurde die wiFon-Homepage komplett überarbeitet wieder online gestellt. Hier finden sich nun detaillierte Produktinformationen sowie das interne Kundenportal für registrierte Nutzer. Bei Registrierung bis zum 10. Oktober kann das wiFon zehn Tage lang kostenlos mit 100 Gratisminuten getestet werden.

WiFon bietet Nutzern zwei verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Es kann als Ersatz für den Festnetzanschluss zum Einsatz kommen oder aber als Ergänzung zu einem bestehenden Handyvertrag. Ist zuhause ein WLAN-Router vorhanden, so kann dieser so konfiguriert werden, dass mit einer von wiFon erhältlichen örtlichen Rufnummer mit den vorhandenen Telefonen per Internet telefoniert werden kann. Doch auch das Handy kann benutzt werden, nachdem die wiFon-Software auf dem Mobilfunkgerät installiert worden ist.

Derzeit nur mobile Nutzung mit Nokia-Handys

Kompatibel sind derzeit etliche Nokia-Handys der E- und N-Serie. Für unseren Test nutzten wir ein Nokia E51. Nach der Registrierung auf der wiFon-Homepage erhält der Neukunde eine E-Mail mit den notwendigen Angaben für das Einloggen in den Online-Kundenbereich sowie die Zugangsdaten für den wiFon-Telefonanschluss. Die Mitteilung des dazugehörigen Passwortes und des Download-Links für die wiFon-Software erfolgt mit zwei gesonderten SMS. Damit die wiFon-Software auch mit einer bereits vorhandenen SIM-Karte mit bestehendem Handy-Vertrag genutzt werden kann, muss diese Handynummer bei Bestellung angegeben werden.

Eteleon bietet auch selbst Handys mit entsprechendem Mobilfunkvertrag an. Als eigene Rufnummer für die Nutzung während der Testzeit wurde eine Nummer im Format 0180-5 vergeben, die Zuteilung einer kostenlosen, lokalen Ortsrufnummer dauert dagegen laut FAQ auf der wiFon-Internetseite mehrere Wochen. Unter einer solchen lokalen Rufnummer sind wiFon-Kunden weltweit zum Ortstarif erreichbar. Nach Installation des wiFon-Clients auf dem Handy ist die Software bereits mit den notwendigen Daten vorkonfiguriert. Im Hauptmenü des E51 findet sich das wiFon-Programm im Ordner Installationen unter der Bezeichnung MC Client.

Nach dem Start der Anwendung zeigt sich wiFon in einer übersichtlichen Anzeige mit nur wenigen Symbolen, die eine Verwaltung der WLAN-Profile, eine Anrufliste und Einstellungen wie Rufumleitung ermöglichen.

Auswahl eines WLAN-Netzes

Vor der Nutzung des Handys per WLAN, muss ein WLAN-Zugangspunkt gewählt werden. Dazu kann nach verfügbaren Funknetzen gesucht werden. Ist das Mobilfunkgerät bei einem WLAN-Hotspot eingeloggt, so wird dies mit vier grünen Quadraten angezeigt, andernfalls sind diese grau eingefärbt und ein GSM-Symbol zeigt an, dass über das normale Mobilfunknetz telefoniert wird.

Gespräche ab 1,7 Cent

Ist ein WLAN-Netz vorhanden, kann nun direkt jede gewünschte Rufnummer angerufen werden. Befindet sich der Kunde mit seinem Handy in Reichweite eines WLAN-Zugangspunktes, so kann er sich über diesen, falls öffentlich zugänglich, einwählen und direkt über das Internet telefonieren. Im Test erfolgte der Wechsel vom WLAN- zum GSM-Netz ohne Probleme übergangslos. Die Gesprächsqualität war gleichbleibend und der Gesprächspartner weiterhin gut verständlich. Ein Signalton alarmiert den Anwender automatisch über den Netzwechsel. Die Qualität der WLAN-Verbindung wird durch ein kleines Balkendiagramm angezeigt. Die Funktion des nahtlosen Handovers ist in den Einstellungen der wiFon-Software auch deaktivierbar. Dann wird das Gespräch bei Verlassen des WLAN-Netzes allerdings beendet.

Für Gespräche in deutsche Festnetze berechnet eteleon 1,7 Cent pro Minute, bei Anrufen in deutsche Mobilfunknetze werden 15 Cent pro Minute fällig. Die gleiche Minutengebühr fällt auch an, wenn die Funktion Seamless-Handover, also der nahtlose Übergang vom WLAN in das GSM-Netz, aktiviert ist. Ab dem Zeitpunkt des Wechsels in das Mobilfunknetz müssen wiFon-Kunden dann 15 Cent pro Minute zahlen.

Günstig für Auslandsverbindungen

Das wiFon-Angebot kann unter www.wifon.de zunächst nur mit 24-monatiger Vertragsbindung bestellt werden. Monatlich werden 3,95 Euro berechnet. Je nach ausgewählter Hardware kommen noch einmal drei, sechs oder neun Euro pro Monat hinzu. Inklusive sind bereits 100 monatliche Freiminuten in das deutsche Festnetz. Auf Wunsch sind auch zwei Flatrates erhältlich. Für monatlich 7,95 Euro kann in alle Länder telefoniert werden, die normal mit 1,7 Cent pro Minute abgerechnet werden. Für zusätzliche 7,95 Euro im Monat kann die Flatrate auf alle Länder der Tarifzone 1 ausgeweitet werden. Erstmals wird auch ein Prepaid-Tarif ohne Vertragsbindung angeboten. Neukunden erhalten in diesem Tarif 1,70 Euro Startguthaben.

Für Besitzer einer Telefon-Flat in das deutsche Festnetz lohnt sich das wiFon-Angebot sicher nicht. Da aber weltweit bei vorhandenem WLAN-Netz günstig über das Internet telefoniert werden kann, ist dies vor allem bei Nutzung im Ausland oder bei Telefonaten ins Ausland eine Überlegung wert. Für Anrufe innerhalb eines großen Teils von Europa werden ebenfalls 1,7 Cent pro Minute berechnet, für einige Balkan-Länder, die Türkei oder Russland fallen sechs Cent pro Minute an. Weltweite Verbindungen lassen sich zu Preisen zwischen 1,7 Cent und 1,50 Euro pro Minute realisieren. Letztere berechnet eteleon für Verbindungen zu exotischen Zielen wie verschiedene Karibikinseln, aber auch nach Kuba und Nordkorea.

(Jörg Schamberg)

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