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Watchever im Test: Ersatz für die Videothek, nicht fürs Fernsehen

Watchever ist derzeit eher eine Videothek als ein Ersatz für Fernsehanschluss mit Videorekorder. So das Ergebnis des Onlinekosten-Tests.

fernsehen© apops / Fotolia.com

Der Video-Streamingdienst Watchever genießt als Underdog einige Sympathie. Er ist schon lange dabei und gehört nicht einem amerikanischen Großunternehmen. Leider lässt sich das auch an den verfügbaren Titeln ablesen: Es klaffen große Lücken. Zudem gibt es keine Eigenproduktionen. Als Ergebnis unseres Tests bleiben gemischte Gefühle.

Angebot mit Lücken

Über Watchever werden vor allem Filme und Serien gezeigt. Tausende sollen es sein, was sich nach viel anhört. Doch das Unternehmen vermeidet es, auf der Website eine genaue Zahl anzugeben. Letztlich entscheidet aber auch das konkrete Angebot, ob sich das Gesuchte findet.

Im Februar 2015 sind die meistgesehenen Filme: Notting Hill, Hotel Desire, Fools Rush In, Captain American, Tron; die meistgesehenen Serien: Criminal Minds, The Walking Dead, Feuerwehrmann Sam, Peppa und Conni auf dem Bauernhof. Das lässt einen Rückschluss zu sowohl auf das Angebot wie auch auf die Nutzer.

Um einen Vergleich mit anderen Anbietern herstellen zu können, wurden die in unserem maxdome-Test aufgeführten Titel zur Grundlage genommen: Watchever bietet Breaking Bad (Staffel 1–5), The Walking Dead (1–4) und LOST (1–6), aber weder The Big Bang Theory noch Prison Break, Falling Skies, New Girl, Dexter, how i met your mother oder 24. Bei Watchever gibt es aber noch Scandal (1-2), Mad Men (1-6) und Justified (1-4).

Echte Flatrate, keine Zusatzkosten

Wenn ein Film oder einer Serie allerdings im Angebot ist, dann gibt es in der Regel auch Zugriff auf die Originalversion (OV) - sprich in englischer Sprache.

Watchever-Oberfläche TestWatchever-Oberfläche: Auf den ersten Blick übersichtlich, aber nicht immer hilfreich (Screenshot).© onlinekosten.de

Zusätzlich gibt es noch reichlich Musik: Konzerte, Musikfilme und Dokumentationen. Es gibt auch ein Angebot für Kinder, aber anders als bei maxdome keine Fernsehproduktionen. Und es gibt auch keine Eigenproduktionen wie bei Amazon und Netflix.

Für 8,99 Euro im Monat steht dem Nutzer das komplette Angebot zur Verfügung. Er nutzt also eine echte Flatrate. Zusatzkosten für einzelne, aktuelle Filme oder Serien gibt es derzeit nicht. Über Kooperationspartner geht es aber auch günstiger - zum Beispiel bei Base.

6 Mbit/s für HD-Filme

Der kostenlose Probemonat wurde irgendwann umgewandelt in einen Gratismonat, den es bei Zahlung der ersten Monatsgebühr dazu gibt. Ohne Überweisung lässt sich Watchever also nicht testen. Gezahlt wird per Lastschrift, Paypal oder Kreditkarte. Der Dienst ist monatlich kündbar.

Nutzen lässt er sich wie vergleichbare Dienste auch auf einem Windows-PC oder Mac mit Silverlight-Plugin im Browser. Die Videos werden in zwei Qualitätsstufen ausgeliefert. High Definition benötigt 6 Mbit/s am Internetanschluss, sonst reichen auch 3 Mbit/s. Vor Vertragsbeginn bietet Watchever einen Systemcheck an.

Im Redaktionstest lief Watchever an zwei DSL-Anschlüssen: Telekom mit 6 Mbit/s und htp mit 8 Mbit/s. An letzterem kamen zwei Windows-Laptops zum Ensatz. Die gelegentlichen Aussetzer, die sich bei einem Streamingdienst nie ganz vermeiden lassen, scheinen am WLAN und am Silverlight-Plugin gelegen zu haben. Im Einzelfall mag aber auch mal der Watchever-Server oder der Zugangsprovider schuld gewesen sein.

Bei kurzen Aussetzern wird, wenn die Daten nachgeladen wurden, an derselben Stelle fortgesetzt. Wenn jedoch im Test das Silverlight-Plugin abgestürzt war, musste der Rechner neu gestartet werden. Das war leider sehr oft der Fall. Anschließend musste die Stelle im Film wiedergefunden werden.

Auf drei Geräten gleichzeitig

Generell merkt sich Watchever, wo aufgehört wurde zu schauen. Das ist hilfreich, wenn man den Film zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende schauen möchte. Oder wenn das Gerät gewechselt wird (begonnen auf dem Smart-TV im Wohnzimmer, weitergeschaut auf dem Tablet im Schlafzimmer). Auf einem der beiden Test-Laptops mit Windows und Chrome-Browser passierte es jedoch jedes Mal, dass sich Watchever diese Stelle nicht merken konnte.

Watchever läuft nicht nur auf Computern, sondern auch auf Smart-TVs von Samsung, LG, Philips, Panasonic und Sony sowie auf Apple TV und in Verbindung mit dem Media-Stick Chromecast. Die Spielekonsolen PlayStation 3 und 4, Xbox 360, Xbox One und Wii können ebenfalls auf Watchever zugreifen.

Für den mobilen Einsatz gibt es Apps für iPhone und iPad, für Smartpones und Tablets mit Android sowie für das Amazon-Tablet Kindle Fire. Mobil lässt sich auch offline schauen, ein mobiler Internetzugang wird nicht benötigt. Insgesamt können drei verschiedene Filme gleichzeitig auf drei Geräten geschaut werden.

Keine guten Empfehlungen

Die Oberfläche von Watchever wirkt auf den ersten Blick sehr angenehm, weist aber dieselben Nachteile auf wie überall, wo große Datenmengen auf einem kleinen Bildschirm dargestellt werden. Es gibt Kategorien, Programmtipps, neue und meistgesehene Filme, letztlich wird aber nur der Massengeschmack bedient, nicht das Besondere.

Watchever Video QualitätWatchever: Qualität hängt von der Leitung ab, Silverlight-Plugin stürzt zu oft ab (Screenshot)© onlinekosten.de

Nach der Anmeldung soll das anders werden. Der Nutzer kann Bewertungen abgeben und damit mehr Vorschläge erhalten, die den eigenen Vorlieben entsprechen. In der Praxis funktioniert dies allerdings nicht so. So lässt sich nicht leicht sehen, ob bereits Empfehlungen abgegeben wurden. Auch neutralisieren alle Nutzer eines Accounts ihren Geschmack gegenseitig.

Watchever scheint nicht zu verstehen, dass Filme, die man bewertet hat, auch schon gesehen wurden. Sie werden trotzdem vorgeschlagen. Und nach dem Anschauen eines gut gemachten Werwolf-Films, erschien in den Empfehlungen alles, was mit Werwölfen und Vampiren zu tun hatte, ohne aber auf dem gleichen Niveau zu sein. Der Algorithmus scheint einfach gestrickt zu sein.

Grey's Anatomy plötzlich verschwunden

Ebenfalls ärgerlich ist das plötzliche Verschwinden von Serien ohne Ankündigung. Ganz korrekt ist das natürlich nicht: Watchever gibt unter 'Letzte Chance' bekannt, wenn die Lizenzrechte bald auslaufen. Aber wer schaut dort schon regelmäßig hinein, wenn man bei Staffel 1 angefangen hat, jetzt bei Staffel 6 ist und noch drei Staffeln vor sich hat? So in den letzten Wochen mit The Wire und mit Grey's Anatomy geschehen.

Damit die Kinder dann nicht das sehen, was ihnen auf Grundlage des schlechten Geschmacks der Eltern empfohlen wird, gibt es eine Kindersicherung mit einem vierstelligen Code. Die "0000" ist voreingestellt. Effektiv ist dies allerdings nicht, wie jeder weiß, dem ein Kind mal am Rechner, Tablet oder Smartphone über die Schulter geschaut hat. Für Kinder gibt es auch die App Kids by Watchever, bei denen sich Einschränkungen genauer festlegen lassen.

Davon zu unterscheiden ist der Jugendschutz, der Zugang zu Material mit FSK18 bietet. Um einen schnellen Zugang zu bieten, wird auf ein Verfahren mit persönlicher Erscheinungspflicht im Postamt (PostIdent) verzichtet. Es reicht beim PersoCheck-Verfahren, Daten vom eigenen Personalausweis einzugeben. Das viele dies umgehen, indem sie den Ausweis des Vaters nehmen oder einfach googlen, ist kein Geheimnis.

Die Frage ist nun, wie es mit Watchever weitergeht. Entgegen landläufiger Meinung handelt es sich nicht um einen Underdog, denn dahinter steht die französische Mediengruppe Vivendi. Wer amerikanische Internetkonzerne meidet, findet hier eine europäische Alternative, nicht aber ein besseres Angebot.

Fazit

Watchever ist derzeit eher eine Videothek, bei der ein Titel mal nicht zu finden ist, als ein Ersatz für Fernsehanschluss mit Videorekorder. Aktuelle Filme und Serien sind hier kaum zu finden - jedenfalls nicht die, die man gerade sehen möchte.

Dennoch gibt es immer etwas zu gucken. Wenn jedoch der Vorrat an alten Serien und Filmen, die man immer schon mal schauen wollte, aufgebraucht ist, liegt der Wechsel zu einem anderen Anbieter nahe.

Allerdings ist der Markt in Bewegung. Es muss nur ein neues Rechtepaket eingekauft werden, schon fällt dieses Fazit komplett anders aus. Spannend bleibt, ob über Watchever demnächst alle neuen Folgen der aktuellen US-Serien zu sehen sein werden.

Anbieter: Watchever
Webseite: www.watchever.de
Vertragsart: Abo
Kosten: Monatspreis: 8,99 Euro
Zahlweise: Lastschrift, Kreditkarte, PayPal
Inhalte: Zugriff auf tausende Filme, Serienfolgen, Konzerte, und Kinderprogramme
viele Titel in HD und OV verfügbar
Zugriffswege: Internetanschluss: mindestens 3 Mbit/s, für HD mindestens 6 Mbit/s
PC, Mac, Notebook: Webbrowser (Internet Explorer, Firefox, Chrome, Safari)
Smartphones und Tablets: App für ioS und Android
Smart-TV: Aktuelle TV-Modelle der Hersteller Samsung, LG, Panasonic, Philips und Sony
Spielkonsolen: Playstation 3, Playstation 4 sowie Xbox 360, Xbox One und Wii
Weitere Geräte: Chromecast
Sicherheit: PIN / Jugendschutz:
Kindersicherung per vierstelligem PIN
Jugendschutz per PersoCheck
Unser Testfazit zum Watchever Video-Streamingdienst
Pro Contra
  • Unterstützung von zahlreichen Geräten
  • Offline-Nutzung (Download von Videos)
  • Gratismonat
  • monatlich kündbar
  • Lücken im Angebot
  • aktuelle Staffeln fehlen
  • Browsernutzung nur mit Silverlight-Plugin
Gesamtnote der Redaktion

(Peter Giesecke)

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