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VoIP Apps für Android: Sechs Programme im Test

Mit dem Smartphone günstig per VoIP telefonieren: Zahlreiche Android-Apps erlauben eine einfache Nutzung der Internettelefonie. Onlinekosten.de hat sechs Anwendungen näher angeschaut und einem Praxistest unterzogen.

Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Apple hatte es mit seinem App Store für das iPhone vorgemacht, Google zog mit dem Market für das eigene Handy-Betriebssystem Android nach. Mehr als 200.000 kleine Anwendungen, Apps genannt, sind mittlerweile für Android kostenlos oder als kostenpflichtiger Download für alle möglichen Einsatzbereiche verfügbar. Etliche Programme finden sich beispielsweise auch für die Nutzung des Smartphones per günstigem "Voice over IP (VoIP)". Onlinekosten.de hat sechs kostenlose VoIP Apps für Android näher angeschaut. Neben der Konfiguration hat die Redaktion auch den Einsatz in der Praxis unter die Lupe genommen. Als Testgerät kam ein HTC Desire zum Einsatz. Wir haben für jede Anwendung einen QR-Code erzeugt, der mit einem Barcode Scanner per Smartphone lesbar ist und der direkt zur Downloadmöglichkeit der jeweiligen App führt.

Sipgate: App wieder im Android Market

Der Düsseldorfer VoIP-Anbieter sipgate bietet seine App seit Mitte Februar wieder über den Android Market an. Zuvor war diese nur als Beta-Version über den eigenen sipgate Blog als kostenloser Download erhältlich. Die VoIP App liegt aktuell in der Version 2.0 vor. Allerdings befindet sie sich nach Angaben des Anbieters nach wie vor in der Testphase. Die Konfiguration ist recht einfach und schnell erledigt. Bei der ersten Anmeldung werden lediglich die Zugangsdaten für den sipgate-Webzugang benötigt. Gespräche lassen sich über WLAN gut und verständlich führen. An die Stabilität und Qualität der sipgate App für das iPhone kommt die Android App bei Verwendung über UMTS nicht heran. Im Test kam es hier teils zu Gesprächsabbrüchen, außerdem war eine deutliche Zeitverzögerung der Kommunikation feststellbar.

Ein auftretendes Echo lässt sich jedoch über die Feineinstellungen der Audio-Optionen beseitigen. Im Einstellungsmenü kann der Anwender zudem festlegen, ob VoIP-Gespräche über WLAN oder UMTS geführt werden. Außerdem wird hier die Höhe des verfügbaren Guthabens angezeigt. Die Bedienoberfläche bietet neben einem Ziffernblock zum Wählen einer Rufnummer einen Zugriff auf die sipgate-Anrufliste mit den letzten 100 Anrufen und auf eine Kontaktliste. Allerdings erfolgt keine Verbindung mit dem Android-Adressbuch, Kontakte müssen innerhalb der sipgate App neu angelegt werden. Über den Tarif sipgate basic ohne monatliche Grundgebühr lassen sich Gespräche in das deutsche Festnetz per VoIP-App für 1,79 Cent pro Minute führen, Telefonate in die deutschen Mobilfunknetze kosten 14,9 Cent pro Minute.

Skype: Verschiedene VoIP-Abonnements nutzbar

Als sehr ausgereift und stabil hat sich die App von Skype erwiesen. Nach der Installation erfolgt die Anmeldung mit den Skype-Zugangsdaten. Selbst bei einer UMTS-Verbindung ließen sich Gespräche führen. Die App erlaubt den Zugriff auf die eigenen Skype-Kontakte. Zudem lassen sich Profildetails bearbeiten und die Höhe des Skype-Guthabens anzeigen. Im Menüpunkt "Ereignisse" listet die Anwendung die Aktivitäten der letzten Tage auf. In den Einstellungen können Anwender unter anderem eine Weiterleitung einrichten sowie Optionen für die Privatsphäre festlegen. Eine separate "Beenden"-Schaltfläche fehlt allerdings, Skype bleibt im Hintergrund aktiv. Wer die VoIP-App mit einem Prepaid-Guthaben verwendet, zahlt für Gespräche in das deutsche Festnetz 2,2 Cent pro Minute. Für eine Gesprächsminute in die deutschen Mobilfunknetze fallen 23,6 Cent an. Alternativ sind Skype-Abonnements in Form von Minutenpaketen ab 89 Cent oder beispielsweise einer Festnetzflat für 4,99 Euro monatlich erhältlich.

Sipdroid und Fritz!App Fon

Ein wenig mehr Konfigurationsarbeit erfordert die Einrichtung der sipdroid-App. Hier müssen Nutzern die SIP-Zugangsdaten eines VoIP-Anbieters vorliegen. Sipdroid selbst tritt nicht als VoIP-Provider auf.

sipdroid für erfahrene VoIPer

Erforderlich ist unter anderem die Eingabe von Authentifizierungsnamen, Passwort, VoIP-Server, Port und TCP- oder UDP-Protokoll. Beachtet werden sollte, dass bei Verwendung des UDP-Protokolls die Standby-Zeit des Smartphones geringer ausfällt, weil der Akku stärker beansprucht wird. Außerdem bietet sipdroid etliche Einstellmöglichkeiten für die Hörer, Mikrofon- und Headsetlautstärke sowie verschiedene Audio Codecs.

Wir nutzten für unseren Kurztest von sipdroid einen easybell-VoIP-Zugang. Der Startbildschirm präsentiert sich recht spartanisch. Eingeben lässt sich eine Telefonnummer oder eine Zieladresse. Der Rufaufbau erfolgt recht zügig nach Betätigen der "Enter"-Taste, ein Rufzeichen ist jedoch nicht zu hören. Ein Anruf lässt sich dennoch meist auch per UMTS erfolgreich führen. Sipdroid wurde von der i-p-tel GmbH entwickelt, die unter pbxes.org auch eine mit sipdroid nutzbare virtuelle Telefonanlage anbietet.

Fritz!App Fon: Das Smartphone als Festnetz-Telefon nutzen

Der Berliner Router-Hersteller AVM ermöglicht mit der Fritz!App Fon eine komfortable Verbindung des Android-Smartphones mit einer Fritz!Box 7270, 7240, 7170, 7320 oder 7390. Über den heimischen WLAN-Zugang lässt sich mit dem Smartphone sowohl per Festnetz als auch per Internet telefonieren, das Smartphone wird als Schnurlostelefon in die Telefonanlage der Fritz!Box eingebunden. Entsprechend eingeschränkt ist der Einsatzradius, unterwegs lässt sich die App mangels Verbindung zum AVM WLAN-Router nicht nutzen. Die Fritz!Box App liegt aktuell in einer stabilen Version 1.36 vor, im experimentellen Fritz!Labor-Bereich steht aber auch bereits die Version 1.39 mit einigen Verbesserungen zum Download bereit.

Vor der Nutzung muss das Smartphone zunächst in der Fritz!Box als neues Telefoniegerät eingerichtet und eine Rufnummer für Festnetz- oder Internettelefonie zugeordnet werden. Ist alles korrekt konfiguriert, zeigt die App die Verbindung mit der Fritz!Box sowie die Einrichtung der Telefonie mit zwei grünen Schaltflächen am oberen Bildschirmrand an. Die Nutzung ist sehr anwenderfreundlich und intuitiv. Da die Telefonie über WLAN geführt wird, ist auch die Sprachqualität gut. Der Zugriff auf das Telefonbuch und die Anrufliste der Fritz!Box ist möglich. Auch eine Schaltfläche für eine Wahlwiederholung ist vorhanden. Optional lässt sich die Rufnummer unterdrücken.

FriendCaller, Fring und Fazit

Mehr als zwei Millionen Nutzer zählt nach eigenen Angaben die VoIP App FriendCaller der C2Call GmbH. Die webbasierte Java VoIP-Lösung steht als App für iPhone, Nokia- und Android-Handys zur Verfügung. Beim Start der App kann der Anwender ein neues Nutzer-Konto anlegen. Alternativ ist ein Login mit einem existierenden FriendCaller-Nutzernamen oder auch mit den Zugangsdaten zum eigenen Facebook-Konto möglich. Nach dem ersten Einloggen steht ein Gratisguthaben von 10 Cent für Testtelefonate zur Verfügung. Die englischsprachige App lässt sich bequem über leicht verständliche Schaltflächen bedienen .

FriendCaller: Community-Gespräche gratis

Bei der Eingabe einer Rufnummer mit Ortsvorwahl wird jeweils der entsprechende Ort und die Kosten pro Gesprächsminute angezeigt. Angegeben sind die Nettokosten ohne Mehrwertsteuer. Gespräche von FriendCaller zu FriendCaller sind kostenlos. Die Ländervorwahl lässt sich aus einer scrollbaren Liste wählen. Eingebunden in die App ist ein Telefonbuch mit Kontakten, eine History zeigt die Anrufe an. Zudem gibt die Anwendung Auskunft über Freunde, die gerade online sind. Gespräche in das deutsche Festnetz lassen sich für 1,8 Cent pro Minute führen.

Fring: Audio- und Video-Telefonie sowie Instant Messaging

Die VoIP-App Fring bietet umfangreiche Features, die über die klassische Internet-Telefonie hinausgehen. Denn optional erlaubt die in englischer Sprache verfügbare aktuelle Version 2.4.3.2 auch Video-Telefonie über ein Smartphone. Die Qualität der Videoübertragung hängt von der zur Verfügung stehenden Bandbreite des genutzten Internetzugangs ab. Außerdem lassen sich Instant Messenger wie ICQ, AIM, Yahoo, Google Talk, MSN Live oder weitere SIP-Zugänge per Add-ons einbinden. Anwender können ein eigenes Profil inklusive Foto und Kontaktdaten erstellen. Die Konfiguration erfolgt über das Menü Settings.

Audio-und Video-Telefonate zu anderen Fring-Nutzern lassen sich kostenlos führen. Über die Option fringOut können Anwender bei entsprechendem Guthaben auch Gespräche in Festnetze und Mobilfunknetze weltweit führen. Gespräche in das deutsche Festnetz kosten 1,1 Cent pro Minute, Telefonate in die deutschen Mobilfunknetze berechnet Fring mit 8,8 Cent pro Minute. Sollen andere SIP-Provider über Fring genutzt werden, ist dies ebenfalls möglich. Skype wird allerdings zum Bedauern vieler Nutzer nicht mehr unterstützt. Die Sprachqualität war auch über UMTS zufriedenstellend. Per Test Call lässt sich ohne Guthaben die Sprachqualität sowie die Videoübertragung testen.

Fazit: Apps mit vielen Optionen, nicht alle sind schon technisch ausgereift

Günstiges Telefonieren mit dem Smartphone ist dank zahlreicher für Android angebotene Apps inzwischen relativ einfach und komfortabel. Die hier aufgeführten Anwendungen sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der App-Vielfalt. Rund 100 VoIP-Apps verzeichnet zum Beispiel die auf Anwendungen aus dem Android-Market spezialisierte Webseite androidpit.de. Nicht immer können die VoIP-Programme allerdings bei der Sprachqualität über UMTS überzeugen. Echo und Verzögerungen bei der Audio-Wiedergabe traten immer wieder auf. Die Qualität der Verbindungen hängt jedoch auch von dem verwendeten Smartphone und der zur Verfügung stehenden Bandbreite der Internetverbindung ab. Eine UMTS-Flatrate ist empfehlenswert, wenn häufiger Gespräche per VoIP geführt werden sollen. Zu beachten ist jedoch: Nicht jeder Mobilfunknetzbetreiber gestattet standardmäßig die VoIP-Nutzung über seine Datentarife. Wer eine VoIP App auf seinem Smartphone einsetzen möchte, sollte sich vorher über die Tarifkonditionen seines mobilen Datentarifes informieren. Keine Gedanken müssen sich in diesem Zusammenhang Kunden von o2 machen. Ihnen ist die VoIP-Nutzung ohne Zusatztarife und sonstige Schikanen gestattet.

(Jörg Schamberg)

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