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Vodafone 858 im Test - Schnuckeliges Android-Ei

Für knapp 100 Euro bietet Vodafone das Android-Smartphone 858 in einem Prepaid-Tarif an. Wir haben uns das Einsteiger-Smartphone ganz genau angesehen.

Vodafone 858 Smart

Mit einem Smartphone zu telefonieren, ist wohl der Traum eines jeden halbwegs anspruchsvollen Mobilfunk-Sympathiesanten. Und es müssen nicht immer Vertragskunden sein, die ein Multimedia-Handy als Alltagsbegleiter auswählen. Auch Prepaid-Kunden sollen in Zukunft immer häufiger mit höherwertigeren Endgeräten telefonieren. Das hat sich zumindest Vodafone auf die Fahnen geschrieben. Weil Studien ergeben haben, dass in den nächsten sechs Monaten 4,2 Millionen und in den nächsten zwölf Monaten 9 Millionen Prepaid-Kunden ein neues Smartphone kaufen wollen, soll es bei Vodafone in Zukunft eine breite(re) Auswahl an bezahlbaren Multimedia-Telefonen geben. Insbesondere im Weihnachtsgeschäft will der Düsseldorfer Netzbetreiber mit Smartphones punkten, die bis zu 300 Euro kosten werden. Ein Anfang ist schon jetzt gemacht: mit dem Vodafone 858. Wir haben auf die Probe gestellt, was das kleine Smartphone-Ei alles kann.

Ein kleines Smartphone-Ei

Eines sollte vor dem Kauf klar sein: wer das von Huawei in China produzierte Telefon kauft, darf alles erwarten, aber kein Luxus-Telefon a la Samsung Galaxy S II oder LG Optimus Black. Das wird schon deutlich, wenn man das Telefon aus seiner Verpackung befreit und das erste Mal in den Händen hält. Statt eines Smartphones mit großem Display gibt es ein kompaktes, schwarzes Handy-Ei, das optisch stark an das Palm Pre erinnert - auch wenn es keine ausschiebbare QWERTZ-Tastatur vorweisen kann, sondern die Bedienung nahezu komplett über den Bildschirm erfolgt. Keine Frage: rein optisch ist das Vodafone 858 eine hübsche Alternative zu den bekannten hochwertigen Smartphone-Tafeln.

Herzstück des Telefons ist ein Qualcomm-Prozessor, der allerdings nicht gerade durch Leistungsstärke überzeugen kann. Während Luxus-Smartphones auf 1,2 Gigahertz Prozessor-Taktrate kommen und zum Teil sogar unter Dual-Core-Technologie arbeiten dürfen, müssen sich Nutzer des Einsteiger-Smartphones von Vodafone mit 528 Megahertz zufrieden geben. Das macht sich unter anderem dann bemerkbar, wenn grafisch anspruchsvollere Games auf dem Handy gespielt werden. Auch wer zügig durch das Android-Menü (Version 2.2.1) navigiert, wird schnell feststellen, dass es immer mal wieder zu Haklern und Rucklern kommen kann. Das stört zwar nicht wirklich, ist aber eben doch recht auffällig.

Display erfordert Fingerspitzengefühl

Für Normalnutzer und viele Prepaid-Kunden sicherlich absolut ausreichend, aber alles andere als ein Highend-Produkt ist das verbaute Display. Aufgrund der geringen Auflösung (320x240 Pixel, 262.144 darstellbare Farben) wirken schon allein die Menü-Icons eher verpixelt. Das liegt aber auch daran, dass die diagonale Display-Abmessung gerade einmal 2,8 Zoll (7,11 Zentimeter) beträgt. Zum Vergleich: das iPhone 4 bringt es auf immerhin 3,5 Zoll, das Samsung Galaxy S II sogar auf 4,3 Zoll. Lange Internet-Ausflüge machen weniger Spaß, weil Texte durch kleine Schriftgrößen häufig nur schwierig zu lesen sind und auf den Webseiten regelmäßig viel gescrollt werden muss. Für das schnelle Nachschlagen von Informationen aller Art ist das Telefon aber jederzeit nutzbar.

Fingerfertig müssen Nutzer des 858 auch dann sein, wenn zum Beispiel eine SMS auf dem Telefon getippt wird. Im Quer-, vor allem aber im Hochformat, fällt die virtuelle QWERTZ-Tastatur sehr, sehr klein aus. Erstaunlich ist, dass das Schreiben trotzdem gut möglich ist. Allerdings nur dann, wenn die Buchstaben nicht zu schnell hintereinander angetippt werden.

Das kleine Display hat natürlich auch Auswirkungen auf die Abmessungen insgesamt. In der Länge bringt es das Vodafone 858 auf 104 Zentimeter, in der Breite auf 57 Millimeter. Damit ist das Smartphone nicht viel größer als eine Standard-Visitenkarte. Hinzu kommen eine Tiefe von knapp 13 Millimetern und ein Gewicht von nur 104 Gramm. Ein sperriger Alltagsbegleiter ist das Telefon ganz sicher nicht.

Gute Verarbeitung

Keine Abzüge kann man dem kleinen Huawei-Telefon für die Verarbeitung geben. Im Gegenteil: in diesem Punkt wurde richtig ordentlich gearbeitet. Zwar ragt der Handyrahmen etwas über die Display-Abgrenzungen hinaus, Staub- und Schmutzpartikeln finden aber dennoch praktisch keine Rillen, um sich wirklich sichtbar darin abzusetzen. Auffällig auch: ein Huawei-Logo oder -Schriftzug ist nur auf dem Akku zu finden, nicht aber auf dem Handy selbst. Stattdessen findet sich auf der Vorder- und Rückseite jeweils ein Vodfone-Branding.

Die Navigation durch das Menü ist über vier Sensor-Tasten möglich, die sich unter dem Bildschirmrand befinden. An der linken Seite wurde eine Lautstärke-Wippe integriert, am Kopfende der Ein/Aus-Schalter und ein Kopfhörer-Anschluss. Um das Telefon aufzuladen, steht eine USB-Schnittstelle zur Verfügung. Die microSD-Karte zu Speichererweiterung mit einer Kapazität von bis zu 32 Gigabyte (GB) kann nur getauscht werden, wenn der Akku aus dem Gerät genommen wird - ebenso die SIM-Karte. Sinnvoll: eine 2-GB-Speicherkarte ist im Lieferumfang inklusive.

Kamera und Akku mit Schwächen

Alles andere als ein großer Wurf ist die integrierte Kamera. Anders ausgedrückt: aufgenommene Bilder und Videos sind zwar nicht unbrauchbar, wer jedoch ein Handy nutzen möchte, das scharfe, gut belichtete Fotos und Videos aufnimmt, muss einfach bereit sein, mehr Geld für ein hochwertiges Smartphone auf den Tisch zu legen. Beim Vodafone 858 besitzen praktisch alle Fotos (maximale Auflösung: 1.600x1.200 Pixel [2 Megapixel]) ein starkes Grundrauschen, Videos wirken sehr unscharf und teilweise eher wie ein unschöner Pixelbrei. Geschuldet ist das der geringen Auflösung, die bei Bewegtbildern bei gerade einmal 320x240 Pixeln liegt. Ein Fotolicht bietet das Einsteiger-Smartphone ebenso wenig wie eine Frontkamera für Videotelefonate.



Enttäuschend ist auch der mitgelieferte Akku mit einer Kapazität von 1200 mAh. Wer das Handy mit einer aktiven Datenverbindung nutzt, muss damit rechnen, dass schon nach 12 bis 18 Stunden eine neue Stromzufuhr notwendig ist. Mit diesem Problem stellt sich das Vodafone 858 auf eine Stufe mit Luxus-Smartphones, die ebenfalls in der Regel nach nur einem Nutzungstag mit ihrer Energieversorgung am Ende sind. Die maximal mögliche Sprechzeit wird mit vier Stunden angegeben. Die Gesprächsqualität war im Rahmen unseres Tests durchgehend absolut zufriedenstellend - auch in Verbindung mit einem Bluetooth-Headset.

Nutzbar ist das Telefon in vielen GSM-Netzen rund um den Erdball (Triband, exkl. 850 Megahertz), aber auch überall dort, wo ein UMTS-Netz zur Verfügung steht. Erfreulich ist, dass dem Telefon nicht nur GPS-Empfänger und Bluetooth-Schnittstelle spendiert wurden, sondern auch WLAN. Wichtige Einschränkung: das Telefon ist nur mit einer SIM-Karte von Vodafone nutzbar.

Prepaid-Smartphone für unter 100 Euro

Erhältlich ist der Einsteiger-Androide bei dem Düsseldorfer Netzbetreiber für 1 Euro bei Abschluss eines Superflat-Internet-Tarifs mit zwei Jahren Vertragslaufzeit. Alternativ dazu wird es aber auch als Prepaid-Paket im Tarif CallYa Smartphone Fun angeboten. Dann kostet es einmalig 99,90 Euro. Der Prepaid-Tarif ist speziell auf die Bedürfnisse von Jugendlichen abgestimmt und ist für alle Personen unter 18 Jahren für monatlich 9,99 Euro nutzbar. Für alle zwischen 18 und 25 Jahren werden monatlich 14,99 Euro fällig.

Telefonate in das deutsche Vodafone-Netz kosten rund um die Uhr 29 Cent pro Gespräch (!), in alle anderen nationalen Mobilfunknetze werden vergleichsweise teure 29 Cent pro Minute fällig. Inklusive sind Monat für Monat bis zu 1.000 SMS (maximal 50 Nachrichten pro Tag), jede weitere Kurzmitteilung kostet 19 Cent. Außerdem über die monatliche Grundgebühr abgedeckt: eine Handy Internet Flat, mit der bis zu einem Datenvolumen von 200 Megabyte mit HSDPA-Geschwindigkeit (maximal 7,2 Megabit pro Sekunde) freigeschaltet wird. Wird mehr Datenvolumen verbraucht, reduziert sich die Bandbreite automatisch für den Rest des Abrechnungsmonats auf maximal 64 Kilobit pro Sekunde.

Zu beachten ist: Reicht das Guthaben nicht aus, um die monatliche Grundgebühr zu zahlen, werden für Telefonate in alle Netze rund um die Uhr 29 Cent pro Minute berechnet, eine SMS kostet 19 Cent und die Nutzung des mobilen Internet ist für 9 Cent pro Minute bei Abrechnung im Fünf-Minuten-Takt möglich. Diese Preise gelten auch solange, bis die Aktivierung des SMS-Volumens bzw. der Daten- und Sprach-Flatrate per SMS bestätigt wird. Wer älter als 25 ist, wird automatisch auf den Tarif CallYa Smartphone umgestellt. Bis zum 31. März 2012 gilt: wer sein Prepaid-Guthaben zum ersten Mal um mindestens 15 Euro auflädt, erhält den Tarif CallYa OpenEnd Smartphone Fun im ersten Monat kostenlos.

Fazit: Einsteiger-Smartphone für Anspruchslose

Insgesamt ist das Vodafone 858 in Kombination mit dem CallYa-Prepaidtarif eine interessante Alternative für all jene, die die Vorzüge des Android-Betriebssystem mit seiner Vielzahl an Apps in Kombination mit einer Daten-Flatrate und viel monatlichem SMS-Volumen nutzen möchten. Jeder Käufer muss sich aber darüber im Klaren sein, dass er sich kein hochwertiges Luxus-Telefon leistet, sondern ein durchschnittlich ausgestattetes Einsteiger-Telefon mit einem vergleichsweise kleinen Display und einer schwachen Kamera. Vorteil: das Telefon verfügt sowohl über eine WLAN-Schnittstelle als auch über einen GPS-Empfänger und ist zu einem insgesamt fairen Preis erhältlich.

Name: Vodafone 858 
Hersteller: Huawei 
Internet: www.vodafone.de
Preis: 1 Euro mit Vertrag, 99,90 Euro mit Prepaid-Paket
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.2 (Froyo)
Prozessor: Qualcomm, 528 Mhz. 
Antenne: GSM Triband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 104x57x13 Millimeter
Gewicht: 104 Gramm
Display: 2,8 Zoll, 320x240 Pixel, 262.144 Farben
Speicher: 150 MB intern
über microSD um max. 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 2,0 Megapixel Kamera, Digitalzoom
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 1,08 W/kg (mäßig)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: 4 Stunden Sprechzeit
etwa 1 Tag Bereitschaftszeit
(bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
WLAN und HSDPA
günstig in der Anschaffung
guteVerarbeitung
schwacher Akku
keine Status LED
schwache Kamera
aktuell "nur" mit Android 2.2 erhältlich
sehr kleines Display
Bewertung:
Bedienung (30%): befriedigend
Ausstattung (20%): befriedigend
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): mangelhaft
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote befriedigend (2,9)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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