Testbericht

Videothek von zu Hause aus: Videoload im Test

Die TV- und Internet-Spots mit Bastian Pastewka für den Video-On-Demand Anbieter Videoload werben für die vielen Vorzüge dieses Systems. Die Redaktion von onlinekosten.de hat sich die Online-Videothek einmal genauer angeschaut.

Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com
Video-On-Demand-Dienste (VOD) existieren zwar schon länger, aber erst jetzt kommt ein wenig Bewegung in den Markt. Mit einer großangelegten Werbekampagne mit dem bekannten Comedian Bastian Pastewka will die Telekom jetzt auch die breite Masse von den Vorzügen des digitalen Videothekenbesuchs überzeugen. Um nicht von vornherein potenzielle Nutzer auszusperren, beschränkt Videoload seine Dienste nun auch nicht mehr ausschließlich auf Telekom-Kunden.

Viele Vorteile laut Werbung

Die Versprechen der Marketing-Strategen klingen überzeugend: Eine Videothek, die 24 Stunden lang geöffnet hat, keine Überziehungsgebühren berechnet, bequem vom Rechner aus zu erreichen ist und darüber hinaus auch noch äußerst diskret arbeitet. Klingt alles sehr verlockend, aber kann VOD die Videotheken wirklich ersetzen? Die Redaktion von onlinekosten.de hat sich Videoload einmal genauer angeschaut.

Erster Eindruck

Die Startseite präsentiert sich übersichtlich und lässt Gutes hoffen: Zahlreiche Genres und mehr als 2.000 Einträge, darunter sogar HD-Filme, sind abrufbar. Die Registrierung geht sowohl für Telekom-Nutzer wie auch Kunden anderer Provider zügig von statten. Videoload bietet, neben der Möglichkeit, Filme zu leihen, auch die Option, Filme zu kaufen, wobei erwähnt werden muss, dass nicht alle Kauffilme auch mietbar sind. Für den umgekehrten Fall gilt das Gleiche. Bezahlt werden kann mit Visa oder Mastercard, T-Pay, ClickandBuy oder MicroMoney. Eine Kreditkarte oder ein Account bei diesen Anbietern ist also Voraussetzung. Telekom-Kunden können bequem über die Telefonrechnung bezahlen.

Beim ersten Stöbern durch die Auswahl macht sich bei regelmäßigen Videotheken-Besuchern schnell Ernüchterung breit: Wirklich aktuelles Material sucht der Filmfreund leider vergebens. Exemplarisch seien hier die Filme "Transformers" und "Stirb Langsam 4.0" erwähnt: Beide Titel tummeln sich schon seit Anfang Dezember bei den Videoverleihern, bei Videoload gehören sie mit zu den neusten Filmen. Allerdings ist eine klitzekleine Besserung in Sicht: Der Animationshit "Ratatouille" wird bei Videoload bereits seit Ende März angeboten, "nur" zwei Monate nach der DVD-Veröffentlichung.

Wahre Filmfans werden über dieses Manko aber nur schwer oder wahrscheinlich gar nicht hinwegsehen können. So eignet sich das Angebot hier leider eher für die Nutzer, die nur gelegentlich Filme schauen und über mangelnde Aktualität hinwegsehen können.

Haltbarkeitsdatum

Ein weiterer Nachteil ist die begrenzte Vorhaltezeit der Filme, nach Ablauf einer bestimmten Zeit steht der Film nicht mehr zur Verfügung. Leider sind auch Blockbuster davon betroffen. Möchte man diesen irgendwann noch einmal sehen, führt der Weg wieder in die Videothek an der Ecke. Als kleinen Ausgleich dafür bietet Videoload zurzeit über 50 TV-Serien an, wobei man auch hier auf aktuelle Hits verzichten muss. Die Auswahl der Serien hält einige Überraschungen bereit: Nostalgiker können sich über alle Folgen der Kult-Serie "Saber Rider" freuen, auch die Fans des "Highlander" werden mit der 5. Staffel fündig. Für Anhänger asiatischer Animationsserien hat der Dienst zum Beispiel "Fist of the North Star" und "Wolf´s Rain" im Repertoire. Auch an die Kleinen wurde gedacht: Mit "Die Knickerbocker-Bande" und "Power Rangers Dino Thunder" beispielsweise sind auch mehr oder weniger kindgerechte Serien im Programm. Insgesamt gesehen fehlen hier aber die wirklich großen Namen.

Gegenüber den Verleihern verliert der VOD-Dienst in puncto Aktualität ganz klar, gelegentlich lässt sich dafür aber die ein oder andere Perle finden: Während des Testzeitraums war beispielsweise der "Horror"-Film "Der Golem, wie er in die Welt kam" von 1920 im Angebot.

Der nächste entscheidende Faktor ist die technische Qualität der herunterladbaren Inhalte. Schließlich liegt die Messlatte, was Bild und Ton anbetrifft, mit DVDs oder gar Blu-ray Discs äußerst hoch.

Stream oder Download

Der Nutzer hat die Wahl zwischen dem Streaming und dem vollständigen Download der Datei. Für den Streaming-Modus sollte man Besitzer einer schnellen DSL-Internetleitung sein, das heißt, mindestens 6.000 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) im Downstream. Alle anderen müssen beim Streaming mit deutlichen Qualitätseinbußen rechnen: Der DSL-1.000-Zugang erreichte beim Testfilm eine Auflösung von gerade mal 464x268 Bildpunkten, DSL 2000 schaffte immerhin 648x364 Punkte. DSL 6000 bietet mit 688x388 Pixel das schärfste Bild und ermöglicht ein durchaus sehenswertes Film- und Serienvergnügen. Alternativ lassen sich die Filme in der höchsten Auflösung auch komplett herunterladen.

HD Ready

Die Königsdiziplin High-Definition meistert Videoload überzeugend. Die Auflösung beträgt hier zwischen 1.080x720 und 1.080x544 Pixel und liefert wirklich schöne Bilder. Streaming ist hier nicht möglich, ein 80 Minuten langer Film mit 4,8 Gigabyte ist aber mit DSL 16.000 binnen einer Stunde vollständig heruntergeladen und lässt sich bereits während des Ladevorgangs ansehen. Auf Material in FullHD (1.920x1.080 Pixel) verzichtet der Online-Filmverleiher. Allen Filmen gemein ist die Dekodierung in Dolby Pro Logic II mit 128 Kbit/s bei 44 Kilohertz (KHz). Im Vergleich zu den Dolby Digital und DTS Tonspuren von DVDs beziehungsweise Blu-ray Discs ein Rückschritt. Bis jetzt haben die guten alten Videotheken die Nase vorn, allerdings hat der VOD-Anbieter noch ein Ass im Ärmel: die Bequemlichkeit des Kunden. Film aussuchen, bezahlen und fertig – alles von zu Hause aus. Darüber hinaus kann man sich sicher sein, dass keine Filme vergriffen sind. Mit schnellem DSL sind auch die Wartezeiten erträglich.

Zu guter Letzt spielen natürlich auch die Kosten eine Rolle. Zwischen 1,99 Euro und 3,99 Euro kostet das Mieten eines Films für 24 Stunden. Jeden Mittwoch veranstaltet der VOD-Anbieter einen Kinotag: Dann werden drei Top-Filme für die Hälfte des Preises angeboten. Einzelne Serienfolgen und Kurzfilme sind für 99 Cent zu haben, Dokumentation kosten zwischen 1,99 Euro und 2,99 Euro. T-Home DSL-Kunden haben zudem die Möglichkeit, ein Abo für die Genres Dokumentation und Kinder abzuschließen. Für je 4,99 Euro monatlich bei einer Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr kann der Nutzer dann aus einem eingeschränktem Kontingent frei wählen. Demnächst soll das Angebot auch für Filme verfügbar sein.

Fazit

Kleinere Abstriche bei der Qualität müssen zur Zeit aufgrund der begrenzten Leitungskapazitäten in Kauf genommen werden. Ansonsten gibt es technisch, bis auf die mangelnde Firefox-Kompatibilität, an Videoload nichts auszusetzen. Die Verbindungen waren stabil und ermöglichten rasante Downloads. Wirklich löblich ist die Idee, auch HD-Inhalte anzubieten. Die Aktualität der Filmauswahl lässt allerdings noch sehr zu wünschen übrig. Mit diesem Problem kämpfen aber zur Zeit noch alle VOD-Anbieter, ganz nach dem Schema: keine Kunden, keine Filme – keine Filme, keine Kunden. Auch die Angst vor Raubkopierern spielt mit Sicherheit eine Rolle. Preislich gesehen sind die guten alten Videotheken deutlich günstiger als Videoload und andere VOD-Dienste, als Trostpflaster dafür spart man sich aber Zeit und den Weg zum Verleiher. Trotzdem fallen die Preise mit bis zu vier Euro für 24 Stunden zu hoch aus.

Mit wachsender Akzeptanz von VOD bleibt zu hoffen, dass die Onlineverleiher ihr Angebot Stück für Stück den Videotheken angleichen. Interessierte sollten durchaus einen Blick riskieren – das ein oder andere persönlich Film- oder Serien-Highlight findet sich bestimmt.

Name: Videoload
Anbieter: Telekom
Internet: www.videoload.de
Preis: Filme 1,99 – 3,99 Euro / Serien 0,99 Euro
Pro & Contra
Filme bequem von zu Hause ausleihen
Keine vergriffenen Filme
Keine Überziehungsgebühren
Download möglich
Teurer als die Videothek
Angebot nicht aktuell
Filme nicht langfristig verfügbar
Bewertung:
Auswahl (40%): ausreichend
Technische Qualität (40%): gut
Benutzerfreundlichkeit (20%): gut
Gesamt: befriedigend (2,8)
Preis-Leistung: befriedigend

(Marcel Petritz)

Weiterführende Infos zum Thema:

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang