Testbericht

TV unterwegs: Terratec Cinergy T² im Test

Wir glotzen TV: Am liebsten auf dem Notebook, und das auch unterwegs. Ob das geht, zeigt unser Test des DVB-T USB- Adapters von Terratec.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com
Seit Anfang 2005 ist der Empfang von digitalem Fernsehen über Antenne dank Digital Video Broadcast (DVB-T) in zahlreichen Ballungsräumen zwischen Hamburg und München möglich. Inzwischen nutzen mehr als 25 Millionen Deutsche das digitale Antennenfernsehen. Schließlich ist der Empfang von Antennenfernsehen, abgesehen von den üblichen GEZ-Gebühren, kostenlos.

DVB-T per USB

Wer noch mehr Geld und gleichzeitig Platz sparen möchte, kauft sich ein DVB-T-Modul für den PC und verzichtet auf ein Fernsehgerät. Insbesondere mit einem USB-Receiver soll das ganz einfach sein: Einstöpseln, Antenne aufstellen und glotzen. Für Notebookbesitzer ist damit gleichzeitig eine gewisse Mobilität verbunden. Unterwegs, zuhause oder auf der Arbeit kann man mal eben durch die Kanäle zappen. Doch ganz so leicht, wie die Branche gerne behauptet, ist Fernsehen per DVB-T am Notebook nicht. onlinekosten.de hat sich mit dem USB-Empfänger Cinergy T² von Terratec auf die Suche nach dem besten Empfang gemacht.

1.2 empfohlen

Terratecs USB-Receiver ist nicht viel Größer als ein Mobiltelefon und wiegt 75 Gramm. Die kleine Box wird zusammen mit einer passiven Stabantenne und einer Fernsteuerung geliefert. Die Stromversorgung von Box und Antenne erfolgt ausschließlich über den USB-Port des Rechners. Als Software liegen die TV-Software Cinergy Digital 2, das Schnittprogramm Ulead DVD Movie Factory 3 sowie der Player PowerDVD bei.

Damit der Receiver funktioniert, müssen zuerst passende Treiber installiert werden. Die Installation verlief auf einem Dell Notebook mit Intel-Chipsatz problemlos, auf einem Desktop-PC mit dem älteren Via KT333-Chipsatz lieferte der Cinergy T² jedoch erst nach einem Update der TV-Software auf die aktuelle Version 1.2. ein Bild. Doch nicht nur in diesem Fall ist ein Versionsupdate sinnvoll: Die beim Testgeräte mitgelieferte Softwareversion 1.0 beinhaltet noch keine Infos zu der Signalstärke und bietet nur eingeschränkte Aufnahmefunktionen. Die Software Cinergy Digital 2 wirkt auf den ersten Blick etwas bieder und unübersichtlich, verrichtet aber einwandfrei ihren Dienst. Praktisch sind insbesondere die schnelle Videotext-Suche und der Aufnahmemodus, der auch Aufnahme und gleichzeitig zeitversetzte Wiedergabe (Timeshifting) unterstützt. Das Umschalten von Kanälen während der laufenden Aufnahme ist allerdings nicht möglich. Bei der Aufnahme wandert das MPEG-2-Signal ohne Qualitätsverlust auf die Festplatte, benötigt dafür aber einiges an Speicherplatz: Pro Stunde fallen rund 1,5 Gigabyte an Daten an.

Nichts für unterwegs

Die kleine Box sowie die kurze Stabantenne verlocken dazu, auch unterwegs am Notebook fernzusehen. Doch gerade das klappt mit dem "Überall-Fernsehen" denkbar schlecht: Das Signal ist meistens zu schwach. Befindet man sich nicht im Zentrum der DVB-T Ballungsräume oder hinter dicken Betonwänden im Keller, ist mit der kleinen passiven Antenne kein Empfang möglich. Ein guter Empfang klappt hier nur mit einer aktiven Antenne, die viel Platz und eine zusätzliche Stromversorgung benötigt.

Gutes Bild über den Dächern

In einer Dachgeschosswohnung im Stadtzentrum hatten wir dagegen auch mit der Stabantenne einen guten Empfang, wobei sich die Antenne aufgrund des kurzen Verbindungskabels jedoch nur schlecht positionieren lässt. Unterwegs erschwert das Fernsehen am Notebook neben dem schlechten Empfang auch die verkürzte Akkulaufzeit. Das Notebook hält im Fernsehbetrieb beinahe nur halb so lange durch wie üblich.


Wenn der Empfang allerdings stimmt, macht das Fernsehen mit dem Mini-Receiver richtig Laune. Einstecken und los geht's. Im Notebook werden Fernseher und Videorekorder vereint. Auf dem hochauflösenden Notebook-Display sind zwar bei schnellen Bewegungen oft starke Artefaktbildungen zu erkennen, der Sound liefert jedoch stets hochwertige MP3-Qualität. Couch-Potatoes wird das verzögerte Umschalten der Kanäle stören: Wie bei DVB-T üblich, dauert es einige Sekunden, bis der nächste Sender geladen ist. Einen Schönheitsfehler hat die kleine Box: Eine blaue Leuchtdiode an der Front blendet beim Blick auf das Bild. Richtet man die Front so aus, dass die Leuchtdiode nicht ins Blickfeld funkelt, lässt sich die Box nicht mehr per Fernbedienung steuern, da sich der Infrarotsensor neben der blauen Leuchte befindet.

Hohe Anforderungen

Wer sich den Cinergy T² zulegen möchte, sollte die hohen Systemanforderungen beachten. Terratec empfiehlt einen Prozessor mit 1,5 Gigahertz und 256 Megabyte Arbeitsspeicher. Unserem Testnotebook, das von einen Pentium 4 1,6 Gigahertz angetrieben wird, ging schnell die Puste aus, wenn neben dem Fernsehen Programme gestartet wurden: das Bild ruckelte. Nutzer von schwachbrüstigen Notebooks mit weniger als einem Gigahertz sollten daher vom Kauf absehen.

Fazit: Ausgereift, aber nicht überall

Insgesamt hinterlässt der Cinergy T² vor allem durch die ausgereifte Software einen guten Eindruck. Die Software arbeitete im Test zuverlässig ohne Abstürze. Wer mit der Box den Fernseher zu hause ersetzen möchte, sollte jedoch den Kauf einer aktiven Zimmerantenne in Erwägung ziehen oder, falls möglich, die Box an die Dachantenne anschließen, damit ein guter Empfang gewährleistet ist.

Für unterwegs eignet sich die Cinergy trotz geringen Gewichts und akzeptablen Stromverbrauchs nur theoretisch: Die Signalstärke ist für die kleine Stabantenne nur an wenigen Standorten ausreichend.

(Klaus Wiesen)

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