Testbericht

TV-Dienst Magine im Test: Noch viel Luft nach oben

Magine will den deutschen TV-Markt mit einer ganzen Reihe an Extras aufrollen und sich so von der Konkurrenz wie Zattoo unterscheiden. Ein Beta-Test offenbart aber noch zahlreiche Schwächen.

Fotos© HaywireMedia / Fotolia.com

Fernsehen. Die Deutschen lieben es. Und das nicht ohne Grund. Können sie doch auf unzählige Free-TV-Programme zugreifen, die tagein, tagaus für eine bunte Unterhaltung auf der Flimmerkiste sorgen. Das Problem dabei: Kaum einer mag sich heutzutage noch an das lineare Fernsehen, also das fest vorgegebene Programm, halten. Viel toller wäre es doch, auf Abruf das sehen zu können, was gerade der eigenen Stimmung am ehesten entspricht. Der Pay-TV-Sender Sky bietet einen solchen Ansatz über seine Dienste Anytime und Go bereits an. Andere TV-Dienstleister wollen folgen. Zum Beispiel Magine.

Magine will durchstarten

Das schwedische Startup will nach derzeitigem Stand der Dinge im Herbst an den Start gehen und seinen Kunden ein neues TV-Erlebnis direkt am Computer oder per App ermöglichen. Neben dem Abruf des Liveprogramms wird es den Plänen zufolge auch möglich sein, einzelne Sendungen, die bereits gelaufen sind, zeitversetzt zu sehen. Als Partner wird zum Start unter anderem die RTL Gruppe mit insgesamt sechs Sendern mit von der Partie sein.

Unsere Redaktion konnte sich bereits vor dem offiziellen Start von Magine einen ersten Eindruck von dem TV-Dienst verschaffen. Das Ergebnis: Während eine Nutzung auf dem iPhone und iPad schon jetzt durchaus brauchbare Ergebnisse liefert, stießen wir bei einer Verwendung an einem Mac-Rechner über den Browser-Zugang noch auf viele Fehler und Ausfälle.

Magine im Beta-Betrieb

Um Magine nutzen zu können, ist es Stand heute für einen Login notwendig, ein Konto bei Twitter, Facebook oder Google zu besitzen. Zudem wird zu Zwecken einer einmaligen Verifizierung eine deutsche Mobilfunknummer benötigt, an die ein fünfstelliger Code gesendet wird. Nach Angaben der Betreiber hat das senderechtliche Gründe. Es müsse überprüft werden, ob Nutzer der deutschen Plattform auch wirklich in Deutschland wohnen. Ohne Handynummer bleibt Magine unzugänglich.

Nach einem erfolgreichen Login stehen aktuell 13 Sender zur Nutzung bereit. Neben dem ZDF und sechs Sendern der RTL Gruppe (RTL, RTL II, Super RTL, RTL Nitro, VOX & N-TV) sind das Eurosport, Eurosport 2, DMAX, VIVA, NICK und Comedy Central. Das aktuell laufende Programm der verfügbaren Sender wird in Form einer Zeitleiste schön übersichtlich dargestellt.

Ohne Browser-Plugin geht nichts

Im Rahmen unseres Tests war es uns aber nicht möglich, das Live-Programm im Chrome-Browser sofort zu nutzen. Vielmehr wurden wir aufgefordert, zunächst das Browser-Plugin "Widevine Media Optimizer" zu installieren – und waren im Anschluss zunächst einmal gezwungen, unseren Testrechner neu zu starten.

Doch selbst nach Installation des Plugins offenbart Magine in Verbindung mit dem Browser-Zugang, dass in den kommenden Wochen vor dem offiziellen Start noch an vielen Stellschrauben gedreht werden muss. Schließlich soll die Nutzung mit einer monatlichen, noch nicht näher bezifferten Grundgebühr verbunden sein und die kann man nur verlangen, wenn der Dienst auch wirklich pannenfrei funktioniert. Tut er aber bei weitem noch nicht.

Senderwechsel dauern (zu) lange

Ein großes Problem ist zum Beispiel, dass der Senderwechsel viel zu lange dauert. Bis zu 45 Sekunden haben wir zum Teil warten müssen, um von einem laufenden Programm zum nächsten zu springen. Ursächlich dafür ist unter anderem ein nicht richtig abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Magine-Plattform und Shockwave-Plugin. Es ist uns sogar "gelungen", dass der Ladevorgang der Programme gar nicht mehr abgeschlossen wurde und erst ein erneuter Neustart des Rechners das Problem beseitigte.

Wenig erfreulich ist zudem die Tatsache, dass wir einige Sender zum Teil gar nicht aufrufen konnten. Eine Fehlermeldung war alles, was bei einer Auswahl der Programme nach langer, vergeblicher Ladezeit angezeigt wurde.

Trotzdem offenbart der Beta-Test auch, wohin die Reise mit Magine in naher Zukunft gehen soll. So war es uns zum Beispiel bei DMAX und Eurosport 2 möglich, das laufende Live-Programm zurückzuspulen. Auch ein Unterbrechen der Sendung, um sie später an gleicher Stelle fortzusetzen, funktionierte problemlos.

Allerdings sind diese Programm-Extras aus urheberrechtlichen Gründen nur sehr eingeschränkt nutzbar und stehen zum Beispiel beim ZDF und bei den RTL-Sendern nicht zur Verfügung. Stark eingeschränkt ist auch das Angebot an Programm-Inhalten auf Abruf. Lediglich die Sender Eurosport, Eurosport 2, DMAX und Nick zeigen sich an dieser Stelle kooperativ und machen die Programminhalte on demand per Streaming aus der Cloud verfügbar. Zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht nutzbar ist die eigentlich vorgesehene Möglichkeit, Sendungen aufzunehmen.

Fazit: Optik hui, Performance pfui

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass Magine noch eine ordentliche Portion Arbeit vor sich hat, ehe der TV-Dienst in Deutschland in einer finalen und kostenpflichtigen Version an den Start gehen kann. Denn mit der momentanen Performance wird man selbst TV-Junkies kaum hinter dem Ofen hervorlocken können. Hinzu kommt, dass die Bildqualität zumindest abseits der Apps für iPad und iPhone noch ziemlich zu wünschen übrig lässt und das Sender-Angebot dringend erweitert werden muss.

Rein optisch kann man den Entwicklern aber eine richtig gute Arbeit bescheinigen. Denn der TV-Guide ist übersichtlich in Form einer Zeitachse dargestellt, in der das laufende Programm der einzelnen Sender untereinander dargestellt wird. Mit nur wenigen Klicks ist zudem der Wechsel vom Live- auf das Demand-Angebot möglich. Auf Basis der iOS-App steht zudem die Möglichkeit bereit, eine Suchfunktion anhand verschiedener Programm-Kategorien zu nutzen.

(Hayo Lücke)

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