Testbericht

Transcend T.sonic 615: MP3-Federgewicht im Test

Der taiwanesische Gerätehersteller hat einen neuen, schlanken MP3-Player auf den Markt gebracht, der das Vorgängermodell T.sonic 610 ablösen soll. Die Redaktion hat die Neuauflage ausgiebig getestet.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com
Im Sommer 2006 brachte der taiwanesische Gerätehersteller Transcend den T.sonic 610 auf den Markt, ein schlanker, leichter Player im Mini-Handy-Format. Jetzt, rund zwei Jahre später, spendiert Transcend der hauseigenen Player-Familie eine Neuauflage des Taschenspielers. Der T.sonic 615 kommt mit mehr Speicher und verbesserten Funktionen. Die Redaktion hatte Gelegenheit, sich das als "Karaoke"-Spieler angebotene Gerät näher anzuschauen.

Schimmerndes Federgewicht

Der T.sonic 615 lehnt sich im Design stark an die Vorgaben seines Vorgängers an. Wie auch dieser kommt der Player im Format eines winzigen Mobiltelefons daher. Er ist in zwei Varianten erhältlich: Das Modell mit zwei Gigabyte (GB) ist für knapp 50 Euro zu haben, für den doppelten Speicherplatz werden noch einmal zehn Euro zusätzlich fällig. Mit federleichten 28 Gramm und den Maßen von 7x3,6x1,6 Zentimetern liegt er angenehm in der Hand, einzig die glänzende Perlmutthaut könnte – zumindest bei männlichen Nutzern – für Irritierung sorgen: der Player ist eindeutig auf eine weibliche Zielgruppe zugeschnitten. Auf der Vorderseite ist ein 2,2x1,2 Zentimeter großes, zweifarbiges OLED-Display eingelassen, das dank guter Kontrasteigenschaften auch bei hellem Umgebungslicht oder bei extremen Neigungswinkeln kaum etwas an Klarheit einbüßt.

Auf der Oberseite befindet sich der Kopfhöreranschluss nebst einer USB-Buchse, über die der Player sowohl mit Daten als auch mit Energie versorgt wird. Sie befindet sich unter einer Gummilippe, um die Öffnung bei Nichtgebrauch gegen Staub zu schützen – eine gut gemeinte Idee, allerdings macht die Klappe nach mehrfachem Gebrauch den Eindruck, als würde sie am seidenen Faden hängen. Zum weiteren Lieferumfang gehören eine durchsichtige Schutzhülle mit Trageband, Stereo-Ohrhörer, das USB-Kabel, ein weiterer Trageriemen, eine Schnellanleitung und eine Software-CD, auf der auch das Handbuch zu finden ist.

Die Bedienung

Die eigentliche Bedienung des Gerätes ist denkbar einfach und geschieht durch zwei Knöpfe auf der Frontseite. Für die Navigation und die Einstellung der Lautstärke befindet sich darunter ein etwas schwammig anmutendes Steuerkreuz, das jedoch anstandslos seine Funktion erfüllt. Dank der Übersichtlichkeit der Bedienelemente, hat der T.sonic 615 einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen anderen Playern: Er lässt sich problemlos blind aus der Tasche heraus bedienen, sodass sich ein wiederholtes Hervorkramen beim Track-Sprung erübrigt. Drei weitere Knöpfe befinden sich an der rechten Außenseite, um die A-B-Wiederholungsfunktion oder die Sprachaufnahme zu starten beziehungsweise sämtliche Tasten durch eine "Hold"-Schieber zu sperren. Sollte die Betriebssoftware des Players einmal in Reaktionslosigkeit verharren, findet sich hier zudem ein kleiner Reset-Knopf.

Wählerisch bei den Formaten

Durch ein Drücken und Halten der Play-Taste wird der T.sonic 615 eingeschaltet. Bis er einsatzbereit ist, vergehen allerdings rund sieben Sekunden, in denen die aktuell installierte Firmware und der verfügbare Speicherplatz angezeigt werden. Das Auswahlmenü ist übersichtlicht gestaltet und in Kombination mit der einfachen Bedienung eigentlich selbsterklärend. Per Knopfdruck gelangt man in den Abspielmodus: Der Player unterstützt die Audioformate MP3, WMA, WMA-DRM10 und WAV; Exoten wie OGG Vorbis- und FLAC-Dateien stoßen beim T.sonic 615 hingegen auf taube Ohren, was den Otto-Normal-Hörer allerdings weniger stören dürfte. Das eigentliche Aufspielen des Liedguts passiert schnell und ohne Probleme, da der Player kurz nach dem Anschluss an den USB-Port als Wechseldatenträger erkannt wird. Auch das Anlegen von Unterverzeichnissen stellt keine große Herausforderung dar.

Bei Betriebsystemen ab Windows XP kann man auf die Installation der beigelegten Gerätetreiber eigentlich verzichten. Dennoch lohnt es sich, die CD einmal in das Laufwerk zu schieben, denn sie enthält zwei Programme, die den Funktionsumfang des T.sonic 615 um zwei nette Eigenschaften erweitern können: Zum einen bietet sie eine PC-Sperre, die nur mithilfe des Sticks wieder gelöst werden kann, zum anderen lassen sich geheime Partitions auf dem Flash-Speicher des Player erstellen, sodass dort abgelegte Dateien nicht ohne Eingabe eines Passworts gesehen werden können.

Langer Weg zum Wunschsong

Sofern gegeben, erscheinen im Abspielmodus auf dem Display die Infos des ID3-Tags, die über den jeweiligen Künstler, das Album und den laufenden Song Auskunft geben – andernfalls wird der Dateiname geboten. Darüber hinaus findet sich eine Anzeige für die (verbleibende) Tracklänge, die Urzeit und den Akkuladestand. Wie bei vielen anderen Playern dieser Preisklasse erlaubt das zweizeilige Display bei der Navigation nicht gerade viel Spielraum: Wer mehrere Dateien und Ordner auf dem Flash-Speicher untergebracht hat, wird nicht umhinkommen, sich alphabetisch durch die Songsammlung zu seinem Wunschlied heranzuarbeiten, was gut und gerne das Überspringen von mehreren Alben bedeuten kann: eine zeitraubende Angelegenheit. Die Feinjustierung des Tones geschieht im Setup-Menü durch die Auswahl voreingestellter Klangeinstellungen (Normal, Pop, Rock, Klassik, Jazz, Bass) oder mithilfe eines 6-Band-Equalizer, bei dem je nach eigenem Wunsch die Höhen und Tiefen verteilt werden können. Die gewählte Option wird während des Abspieles permanent angezeigt.

Klang und Karaoke

Die Unterschiede der einzelnen Einstellungen sind durchaus hörbar und da der T.sonic 615 zur subjektiv empfundenen Überbetonung der Höhen neigt, ein durchaus probates Mittel, um einen satten Klang zu erzeugen. Der zweite Kritikpunkt gilt der Ausgangsleistung, die einige Schwächen aufweist. Wen die begrenzte Lautstärke stört, dem sei geraten, die beiliegenden Kopfhörer gegen Qualitätsware aus dem Elektromarkt auszutauschen – was im Test für ein wenig Besserung sorgte.

Um über das in der Werbung herausgehobene Herzstück des T.sonic 615, die "Karaoke-Funktion", zu berichtet: es bleibt ein kurzweiliger Marketing-Gag. Die Option wird in den Einstellungen freigeschaltet. Um synchron zum Song die Liedtexte auf das Display zu zaubern, ist es vorher nötig, eine passende LRC-Datei ("Lyrics") auf den Player zu laden. Sie sollte sich von der abgespielten Datei allein durch die Endung unterscheiden. Mittlerweile tummeln sich im Internet eine Reihe von Anbietern, die solcherlei Text-Dateien kostenlos anbieten: LRCfiles.com ist einer der größten unter ihnen. Wer die Funktion aktiviert, wird schnell feststellen, dass es sich dabei lediglich um einen hübschen Zeitvertreib handelt: der ständige Blick auf das kleine Display ermüdet nach kurzer Zeit und birgt für Fußgänger im Straßenverkehr darüber hinaus auch andere Gefahren.

Aufnahme- und Radiofunktion

Aufgenommen wird im WAV-Format, wobei der Nutzer zuvor selber Kompressionsraten festlegen kann, um gegebenenfalls auf Kosten der Audio-Qualität Speicherplatz zu sparen. Die Einstellung "Niedrig" entspricht dabei 8.000Hz, "Mittel" 16.000Hz und "Hoch" 32.000Hz. Tonsignale, die über das interne Mikrofon empfangen werden, werden als Mono-Aufnahme gespeichert, lediglich den Radiomitschnitt gibt es in Stereo. Eine Besonderheit des T.sonic 615 ist die Diktat-Erkennung, genannt Voice Activity Detection, bei der Pausen während des Recording-Vorgangs automatisch erkannt und während der Aufnahme ausgeklammert werden, sodass flüssige als auch platzsparende Mitschnitte entstehen – was im Test auch anstandslos funktioniert hat. Auch die UKW-Radiofunktion besticht durch ihre Unkompliziertheit. Bei Aufruf startet der automatische Sendersuchlauf, der relativ flott sämtliche empfangbaren Kanäle ausfindig macht. Alternativ lassen sich bis zu 20 Kanäle speichern. Praktisch: Der T.sonic 615 kann nicht nur über das eingebaute Mikrofon Tonsignale einfangen, sondern auch das laufende Radioprogramm in Stereoqualität mitschneiden. Neben den genannten Funktionen gibt es eine Reihe weiterer Einstellungen, mit denen sich der Player personalisieren lässt: Sowohl die Abspielgeschwindigkeit, der Kontrast des Displays, der Bildschirmschoner als auch die Menüsprache (13 Sprachen werden unterstützt) lassen sich nach Belieben anpassen. Das alles wirkt sich auch auf die maximale Laufzeit des integrierten Akkus aus: Transcend gibt die sie mit 15 Stunden an – neun bis elf waren es im Test. Ein kleiner Tipp: Wer die Energiereserven seines Taschenspielers schonen möchte, sollte auf die ohnehin gute Qualität des Displays zählen und die Einstellung des Kontrasts nicht überreizen.

Das Fazit

Beim T.sonic 615 handelt es sich um einen soliden Allrounder: Er ist leicht, sieht nett aus und ist einfach zu bedienen. Dazu bringt er eine Akkulaufzeit mit, die gut im Durchschnitt liegt. Ebenfalls angenehm fielen im Test die intelligente Aufnahmefunktion und das schnell reagierende UKW-Radio auf. Abzüge gab es in punkto Formatunterstützung und Navigierbarkeit – was in diesem Player-Segment jedoch keine Überraschung darstellt. Die viel zitierte "Karaoke-Funktion" dürfte für viele Musikliebhaber kein kaufentscheidendes Kriterium sein – doch als kurzweilige Ablenkung taugt sie allemal. Auch in Hinblick auf den attraktiven Preis lässt sich guten Gewissens der Kauf eines T.sonic 615 empfehlen.

Name: T.sonic 615
Hersteller: Transcend
Internet: http://www.transcend.de
Preis: 2 GB: 47,10 Euro, 4 GB: 57,10 Euro
Technische Daten:
Schnittstelle: USB 2.0
Speicher: 2 oder 4 GB Flashspeicher
Abmessungen: ca. 7x3,6x1,6 Zentimeter
Gewicht: ca. 28 Gramm
Dateiformate: MP3, WMA, WMA-DRM10 und WAV
Lieferumfang: Player, Schutzhülle mit Trageband, Stereo-Ohrhörer, USB-Kabel, Schnellanleitung, Software-CD
Besonderheiten: Karaoke- und Aufnahmefunktion
Pro & Contra:
klein und handlich
günstiger Preis
intelligente Aufnahmefunktion
zwei Speichergrößen zur Auswahl
einfache Bedienung möglich
solide Akkulaufzeit
komplizierte Navigation
beschränkte Formatunterstützung
geringe Ausgangsleistung
Bewertung:
Klang (30%): gut
Laufzeit (20%): gut
Funktionsumfang (15%): befriedigend
Bedienung (15%): sehr gut
Formatunterstützung (10%): befriedigend
Gewicht/Maße (10%): sehr gut
Gesamtnote: gut (2,0)
Preis-Leistung: sehr gut

(André Vatter)

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