Notebooks

Toshiba NB550D Test: Fusion-Netbook mit Topsound

Das neue Toshiba NB550D für 349 Euro stößt alle Netbooks von der Bühne: Der 10-Zöller kommt mit AMD Brazos-Plattform mit HDMI-Ausgang, wagt ein Spielchen, bläst extrastarke Klänge aus den Harman/Kardon-Lautsprechern und überzeugt auch bei der Akkulaufzeit.

Das neue Toshiba NB550D für 349 Euro stößt alle Netbooks von der Bühne: Der 10-Zöller kommt mit AMD Brazos-Plattform mit HDMI-Ausgang, wagt ein Spielchen, bläst extrastarke Klänge aus den Harman/Kardon-Lautsprechern und überzeugt auch bei der Akkulaufzeit.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Netbooks waren lange Zeit die Verkaufsschlager unter den Notebooks, Leistungssteigerungen haben sie innerhalb ihrer Karriere jedoch vernachlässigt – vom Dual-Core-Atom und Nvidia Ion-Duetts abgesehen. Frischen Wind wehen die AMD Fusion APUs über den Markt: Der "kleine" Ontario-Prozessor C50 der AMD Brazos-Plattform findet sich in immer mehr Laptops der Subnotebook-Klasse und feuert auch Tablets an. Mit seinem geringen Stromverbrauch kommt er wie gerufen als Alternative zu Intel Atom und Intel GMA, bringt aber mehr Leistung. Toshiba hat sich die neuen AMD Komponenten für 10-Zoll-Geräte ausgesucht, die das typische Netbook gleich mehrspurig überholen. Wir haben eins der Modelle, das Toshiba NB550D-10H, getestet.

Toshiba NB550D Test – Inhalt

  • Erster Eindruck, Lautsprecher und Akkulaufzeit
  • Seite 2: Tastatur, Display, Hardware und Leistung
  • Seite 3: Anschlüsse, Fazit und Info-Tabelle

Die NB550D-Serie umfasst drei Mini-Notebooks, die sich nur bezüglich ihrer Farbe unterscheiden: Braun, kräftiges Grün und Orange, wobei unser Testgerät NB550D-10H der orangefarbenen Ausführung entspricht. Der Farbton erinnert fast schon an Rostbraun und findet sich nicht nur auf dem Gehäusedeckel, der durch ein mattes Gummi-Finish mehr Grip erhält, sondern auch auf den Klicktasten und als dünner Rahmen um die Lautsprecher. Während andere Notebooks dieser Größe ihre Boxen eher verbergen, rückt sie das NB550D dadurch in den Vordergrund und trägt den Herstellernamen, Harman/Kardon, stolz zur Schau. Toshiba hat die Lautsprecher rechts und links neben dem Touchpad platziert, was ungewöhnlich und nicht unbedingt praktisch ist: Beim Tippen verdecken die Handballen die Gitter und dämpfen den Sound.

Top Sound im Netbook-Format

Die spannende Frage, ob die Harman/Kardon-Lautsprecher, die der japanische Konzern normalerweise nur in größeren Multimedia-Notebooks verbaut, dem leisen und blechernen Netbook-Sound wirklich ein Ende bereiten, lässt sich kurz und schmerzlos beantworten: Ein klares ja! Der Sound ist überraschend laut einstellbar und löst mit seiner klaren und ausgewogenen Wiedergabe Begeisterungsstürme statt schmerzverzerrte Mienen aus – so machen nicht nur Videos Spaß, auch wenn das NB550D allein keinen wummernden Subwoofer mit dicken Bässen überflüssig werden lässt. Die Sound-Vorzüge lassen sich auch ausbeuten, wenn das Notebook abgeschaltet ist: Mit Sleep-and-Music kann ein Mediaplayer über den Audioanschluss auf die Lautsprecher zugreifen.

Steiles Heck und gute Akkuwerte

Das Toshiba Notebook ist 262 Millimeter (mm) breit und 190 mm tief. Ob es nun besonders dünn oder dicker ist als andere 10-Zöller, hängt von der Messstelle ab. Toshibas Brazos-Mini ist sehr steil geschnitten und daher vorne nur rund 17 mm hoch, auf der Rückseite sind es 36 mm. Das Gewicht von 1,32 Kilogramm sieht man dem NB550D nicht an, der Akku zählt jedoch auch zu der spendableren Klasse. Hand in Hand mit dem strikt Diät haltenden AMD Innenleben, verspricht Toshiba eine Laufzeit von etwa 9,5 Stunden. Klingt gut und erweist sich auch als realistisch: In unserem Test lief der Laptop knapp 6 Stunden unter Vollast und fast 13 Stunden im anspruchslosen Lesebetrieb – aber bei permanent eingeschaltetem Display. Wer Videos im Energiesparmodus schaut, muss nach etwa 8 Stunden das Netzteil hervorholen.

Wer häufiger lange Texte schreibt, muss sich bei einem Netbook auf eine kleinere Tastatur einstellen. Das NB550D macht da keine Ausnahme. Da Toshiba den vorhandenen Platz maximal ausgenutzt hat, besitzen die meisten Buchstabentasten nahezu reguläre Größe. An einigen Stellen – wie der rechten Umschalttaste und den Umlauten Ä und Ü – müssen die Finger aber zusammenrücken und der Schreiber kurz umdenken. Die spitzen Klammern sind nach unten rechts gerutscht. Kurzum: So komfortabel wie wie auf einer herkömmlichen Desktop-Tastatur ist das Tippen nicht. Das Touchpad interpretiert Mehrfingergesten und lässt sich gut bedienen.

Toshiba NB550D Test – Inhalt

  • Seite 1: Erster Eindruck, Lautsprecher und Akkulaufzeit
  • Seite 2: Tastatur, Display, Hardware und Leistung
  • Seite 3: Anschlüsse, Fazit und Info-Tabelle

AMD C-50 und Radeon HD 6250M

Wie bereits erwähnt, bildet AMDs Brazos-Plattform die Basis der Produktspezifikation. Der AMD C50 Prozessor ist eine Dual-Core-CPU mit 1,0 Gigahertz und integrierter Grafik. Mit auf dem Prozessor sitzt ein AMD Radeon HD 6250M Grafikchip mit einem Takt von 280 Megahertz, der ohne eigenen Speicher auskommt. Bei einem System mit 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher – was auf das NB550D zutrifft – beansprucht die Grafik bis zu 374 Megabyte (MB) für sich. Stehen 2 GB zur Verfügung, kann der HD 6250M Chip 950 MB nutzen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Toshiba Mini laut Datenblatt 2 GB DDR3-RAM unterstützt. Die Leistungsaufnahme von CPU und GPU zusammen liegt bei lediglich 9 Watt. Zum Vergleich: Intel gibt für seinen Atom Dual-Core N550 eine Thermal Design Power (TDP) von 8,5 Watt an, die AMD APU ist also äußerst sparsam. Trotzdem geraten selbst 1080p-HD-Filme nicht ins Stocken.

Spiegelndes Display ohne HD-Auflösung

Grafik und Sound könnten aus dem kleinen AMD-Notebook somit einen perfekten tragbaren HD-Spieler machen, ein HDMI-Ausgang für die Weitergabe an einen Flachbildfernseher ist schließlich auch vorhanden. Ein Wermutstropfen: Das 10-Zoll-Display zeigt sich mit 1.024x600 Pixeln ganz Netbook-like, von HD-Auflösung keine Spur. Wer kein Freund von Hochglanz-Displays ist, wird mit dem NB550D nicht glücklich, da die Oberfläche nicht entspiegelt ist. Auch der auffällig breite Rahmen kommt in Glanz-Optik daher. Bei Farbe, Kontrast und Blickwinkelstabilität leistet sich der Bildschirm weder einen Ausreißer nach oben noch nach unten und liegt damit im Mittelfeld.

Gute Grafikleistung, aber schwacher Prozessor

Bei den Benchmarks (siehe Seite 3) wird deutlich, dass die AMD Brazos-Plattform das Intel Atom-GMA-Gespann locker überflügelt, maßgeblich liegt das an der Grafik. Die CPU ist den nackten Ergebnissen zufolge nämlich nur doppelt so stark beziehungsweise beim Zippen von Dateien etwa ein Drittel schneller als ein Intel Atom N455, wohlgemerkt ein Single-Core-Prozessor. Eine starke Ähnlichkeit haben die Ergebnisse mit einem Intel Pentium SU2700 mit einem Kern, den wir im Toshiba Satellite T110-10R ausprobieren konnten. Ein Intel GMA 3150 landet verglichen mit dem Radeon HD 6250M Chip auf einem abgeschlagenen Platz. Cinebench 10 wirft fast den fünffachen Wert aus, der Windows Leistungsindex stellt ein wesentlich besseres Zeugnis aus und eine Demo von Devil May Cry sorgte mit flüssigen Frames für zufriedenes Grinsen. Die Frameraten sind ähnlich hoch wie beim Samsung RC710 mit Nvidia GeForce 315M oder dem Asus EeePC 1201PN mit Nvidia Ion 2 – jeweils bei nativer Auflösung gemessen. Eine Demo von Crysis 2 versagte aufgrund inkompatibler Grafikkarte den Dienst. Dass sich ein 10-Zöller für 349 Euro kaum als Gaming-Kraftprotz eignet, ist klar, weniger grafikhungrige Spielchen sind in geringeren Auflösungen aber möglich. Unter Last wird das NB550D übrigens deutlich lauter.

Der HDMI-Anschluss ist der einzige Grafikausgang, einen DVI- oder VGA-Anschluss für einen TFT-Monitor oder Beamer hält das Mini-Notebook nicht bereit. Um eine Maus oder einen USB-Stick anzuschließen, finden sich zwei USB-2.0-Ports, von denen einer Sleep-and-Charge unterstützt. Ein MP3-Player könnte also an den ausgeschalteten Laptop angeschlossen werden, um sich Energie aus dem Akku zu stehlen. Abgerundet wird die Schnittstellenbestückung durch einen Kartenleser, in den Bereich Extras fällt die VGA-Webcam. Zur Verbindung mit einem Heimnetzwerk oder dem Internet bringt das NB550D LAN und WLAN 802.11 b/g/n mit, Daten mit einem Handy tauscht es über Bluetooth. 3.0.

Toshiba NB550D Test – Inhalt

  • Seite 1: Erster Eindruck, Lautsprecher und Akkulaufzeit
  • Seite 2: Tastatur, Display, Hardware und Leistung
  • Seite 3: Anschlüsse, Fazit und Info-Tabelle

Fazit: Ein Mini-Notebook, das rockt

Mit Brazos-Minis wie dem Toshiba NB550D kommt der lang ersehnte neue Schwung in den Markt der Netbook-Formate. Im Gegensatz zu dem letzten von uns getesteten Toshiba Netbook, dem NB250, ist der neue Mini-Laptop nicht nur optisch wesentlich interessanter: Bei identischem Preis von 349 Euro erreicht das AMD-Notebook (vor allem im 3D-Bereich) mehr Leistung und bringt nützliche Extras wie HDMI und die Ladefunktion mit. Der Dual-Core-Prozessor zeigt sich in der Praxis aber schwächer als erwartet. Wenn mehrere Programme parallel geöffnet sind, hakt es beim Wechseln, und das Drücken von FN-Kombinationen führt nicht unmittelbar zur gewünschten Aktion. Vielleicht hätten 2 GB RAM besser gepasst. Zwar gibt es leider nur eine Netbook-typische Auflösung und ein Spiegel-Display, letztlich überzeugen aber die Hauptkaufargumente; die besonders lange Akkulaufzeit, die gute Grafik-Ausbeute und der – für diese Größenklasse absolut untypisch – spitzenmäßige Sound.

Weitere Testberichte, einen Netbook Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Notebook oder Netbook liefert unser Hintergrundbereich. Mehr Toshiba Netbook-Modelle gibt es auf der Netbook-Seite.

Name: Mini NB550D-10H
Hersteller: Toshiba
Internet: http://de.computers.toshiba-europe.com
Preis: UVP: 349 Euro
Technische Daten
Prozessor: AMD C50 Prozessor mit 1,0 GHz
Grafikkarte: AMD Radeon HD 6250M Onboard
Bildschirm: 10,1 Zoll (1.024x600 Pixel), LED-Hintergrundbeleuchtung, glänzend
Batterie: Lithium-Ionen-Akku, Laufzeit: 353 Minuten unter Vollast / 778 Minuten Lesetest (WLAN aus) / ca. 500 Minuten Videobetrieb (Lautstärke + Display 50%)
Speicher: 1 GB DDR3 (erweiterbar auf 2 GB)
Festplatte: 250 GB
Laufwerk: -
Soundkarte: Onboard
Kommunikation: LAN, WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 3.0
Betriebssystem: Windows 7 Starter 32-bit
Abmessungen: BxTxH: 262x190x16,6 – 35,5 Millimeter; 1,32 Kilogramm
Anschlüsse: HDMI, 3x USB, Kartenleser (SD, SDHC, SDXC, MMC), Mikrofon, Kopfhörer
Sonstiges: VGA-Webcam
Lieferumfang: Notebook, Akku, Netzteil, Netzkabel, Kurzanleitung
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex: CPU: 2,8 / RAM: 3,9 / 2D: 4,2 / 3D: 5,5 / HDD: 5,8

7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format: 74 Sek.
CPU-Benchmark von PC Wizard: 7.307 (Prozessortyp aber nicht erkannt)
CPU-Benchmark:Cinebench 10: 1.275; Cinebench 11.5: 0.4

Grafikkarte:
Grafik-Benchmark FurMark: 124 (1.024x576)
OpenGL-Benchmark Cinebench 10: 1.387; Cinebench 11.5: 5,09 BpS:

Frames pro Sekunde (fps) im Durchschnitt:
DirectX-10-Benchmark Devil May Cry: bei 1.024x600 Pixeln, Details niedrig, Schattenqualität aus: 33 fps; Details und Auflösung hoch + 2-fach MSAA: 20 fps

HDD-Benchmark von PC Wizard: Sequentielles Schreiben/Lesen: 70/80 MB/s; gepuffertes Schreiben/Lesen: 112/151 MB/s; zufälliges Lesen: 31 MB/s
Stromverbrauch: Ausgeschaltet am Netz: ca. 0,4 Watt
Ein / Energiesparmodus: ca. 7 Watt
Video / Energiesparmodus: ca. 11 Watt
Benchmark-Test / Höchstleistung (Displayhelligkeit 100%, WLAN ein): ca. 18 Watt
Garantie: zwei Jahr internationale Toshiba Garantie (Bring-In)
Pro & Contra
klein und leicht
hübsches Design
HDMI, Bluetooth
kräftiger Sound
gutes Touchpad
lange Akkulaufzeit
USB-Extras
keine HD-Auflösung
wenige Schnittstellen
Bewertung:
Geschwindigkeit: 7/10
Ausstattung: 7/10
Display: 13/15
Bedienung/Komfort: 8/10
Gewicht: 19/20
Akkulaufzeit: 24/25
Verarbeitung: 8/10
Gesamt: 86/100 --- So testen wir Notebooks
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

Zum Seitenanfang